Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 44.1933

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MALER ERNST HUBER - WIEN

»STILLEBEN« MONOTYP1E

NEUE WIENER WOHNUNGEN

Bei der Gestaltung der drei Wohnungen, die hier
gezeigt werden, sahen sich die beiden Wiener
Architekten Karl Hofmann und Felix von der Aue
fast der gleichen Situation gegenüber. Denn in
allen drei Fällen mußten die Wohnungen in Häusern
eingerichtet werden, die fertig oder doch fast fertig
übernommen wurden, so daß die Künstler den ver-
fehlten, eingeschnürten oder verwinkelten Grundriß
nicht einfach aus der Welt schaffen konnten. Und
in allen drei Fällen befanden sich diese Häuser in
einer landschaftlichen Umgebung: das eine am Stadt-
rande, die beiden anderen an einem weitläufigen
Park. Sie mußten also suchen, die vorhandenen Räume
nicht nur untereinander in einen besseren Zusammen-
hang zu bringen, sondern auch eine klare Beziehung
zwischen Wohnung und Landschaft herzustellen.
Und das ist ihnen trotz der schwierigen und verschie-
den liegenden Umstände in allen Fällen geglückt,
und zwar infolge ihrer für Arbeiten dieser Art beson-
ders prädestinierten Begabung.

Der erste Fall - die Wohnung Dr. W.M. (Abb.
S. 152 — 155) - betrifft ein Haus in einer unvergleich-
lich schönen Lage. Gegen Norden, an der Straßenseite,

1933. v. 1

blickt man über einen Talgrund voller Weingärten
und Siedlungen hinweg auf den Kahlenberg, gegen
Süden ist der Steilboden des Gartens mit Terrassen
hinabgeführt. Der Wohnraum (Abb. S. 153-155)
reicht von der Nordseite, die mit einem breiten
Fenster in die schöne Aussicht sich öffnet, bis nach
Süden, wo im rechten Winkel das Speisezimmer
anschließt, in seiner ganzen Breite offen (Abb. S. 152
und 153)1 so daß an dieser Seite, im günstigsten Licht,
eine einzige Räumlichkeit entsteht, nur im Übergang
getrennt durch einen niederen Schrank und einen
Vorhang, der bei Gelegenheit die beiden Zimmer von-
einander scheidet. Im Wohnteil ist der Kamin mit
dem schmalen Bücherbord darüber als Mittelpunkt
ausgebildet, die Hockerreihe zur Linken, die zusam-
men ein Sitzsofa ergibt, die Ohrenfauteuils um den
runden Teetisch und das Klavier zur Rechten zeigen
schon deutlich die Stunden, für die an das gesellige
Beisammensein bei der Feuerstelle gedacht ist. Aber
dieselbe Hockerreihe hat durch ihre rollbaren Polster-
rücken auch eine zweite Seite, die mit dem Sofa an
der Wand eine Sitzecke bildet, um den herrlichen
Fernblick durch das Nordfenster zu genießen.
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