Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 46.1930-1931

Seite: 372
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FRANZ LENK. DINKELSBÜHL

WAS ICH WILL. VON FRANZ LENK

Daß ich bewußt Maler werden wollte, kann ich
nicht sagen. In dem Dorf, da ich aufwuchs, war
der Maler ein Anstreicher, der den Bauern die
guten Stuben und gleichzeitig die Kuhställe aus-
pinselte. Andere Begriffe vom Malen kannte nie-
mand, jedenfalls hat mir keiner davon gesagt.
Ich besitze ein getuschtes Bildchen, daraufhabe
ich als Kind die Dorfkirche voll Andacht darge-
stellt. Noch heute weiß ich, wie ich da am Feld-
rande saß in der Sommerhitze und zusah, wrenn
die Bauern vom Tale auf das Feld gingen oder
das Dorf entlang, während ich mich um die
Darstellung des Kirchleins plagte.
Noch jetzt spaziere ich während des Malens in
meinem Landschaftsbild im Geiste herum. Ich
gehe die Wege, die ich male, entlang. Oder ich

stelle mir vor, wie die Landschaft aussehen
müßte hinter dem Hügel, der die Fernsicht im
Bilde verdeckt. Schon als Kind lief ich beim
Kühehüten hinter den Berg, um in die Ferne
zu sehen: kam ich zurück, waren die Kühe wes-
gelaufen und der Bauer schimpfte.
Immer treibt es mich, das zu gestalten, was
mich seit frühester Kindheit — soweit ich über-
haupt zurückdenken kann — bewegt. Schon
damals habe ich nie nur gesehen, sondern Natur-
eindrücke mit allen Sinnen in mich aufgenom-
men. Im Walde sehe ich Bäume, Moos, Felsen,
Vögel, Farben, den Bach und den feuchten Boden
darum. Aber die Nase riecht dasHarz, den Moder-
geruch des Bodens, Thymian und Weiherflieder.
Der W ind geht durch die Bäume und liegt im

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