Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 3.1905

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BEI RODIN

VON

GEORG TREU

Von den jüngsten Arbeiten des Unerschöpflichen soll hier nach
Eindrücken eines Tages in Meudon gesprochen werden.

Dort, in ländlicher Stille, hat Rodin den lichten Bau von der Place
de 1'Alma wieder aufgerichtet, in dem er während der Weltausstellung
von 1900 seine Werke zeigte. Von jener Höhe blickt das Haus jetzt
hinab auf den weiten Bogen der Seine und die waldbedeckten Hänge
von Sevres. „La vraie campagne" rühmt der Künstler von seinem Land-
sitz, froh, sich hier Arbeitsstille geschaffen zu haben, fern von dem
Geschäftstreiben seiner städtischen Scheunenwerkstatt in der Rue de
1' Universite.

Des Meisters schlicht freundliches Wesen, die gedankenvoll zögernde
Art seiner Mitteilsamkeit ist häufig genug geschildert worden. Das
Bild, das wir von ihm bringen, enthüllt tiefere Züge aus dem einsamen
Ernst stiller Schaffensstunden. Eine Naturaufnahme zwar, aber eine
solche, deren Urheber an Rodins Büsten gelernt haben, ein Antlitz ins
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