Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 3.1905

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CHRONIK

NACHRICHTEN, AUSSTELLUNGEN ETC.

Das Berliner Tageblatt schrieb:

„Das teure Schauspielhaus. Uns geht folgende
Nachricht zu: Der Umbau des Schauspielhauses...
dürfte auch jetzt nach seiner Vollendung noch mancher-
lei von sich reden machen, und zwar keineswegs in an-
genehmer Weise. Die Kosten dieses Umbaues waren
auf rund 1,900000 Mk. veranschlagt, von denen rund
•600 000 aufdieKronefielen,währendrundi,300000 Mk.
vom Staat zu tragen waren. Jetzt hat sich nun heraus-
gestellt, dass die Kosten die veranschlagte Summe um
rund 3/4 Millionen Mark überschritten haben. Wie wird
der Herr Finanzminister diese Überschreitung recht-
fertigen, und wer wird diese Summe zahlen? Aber das
Schauspielhaus wird noch teurer werden. Der Kaiser
hatte den Umbau der Innenräume im Stil Louis XVI
gewünscht, und er hegte dann den weiteren Wunsch,
das erneuerte Haus vor Antritt seiner Reise in das
Mittelmeer einzuweihen. So kam es, dass der Umbau
ohne den Einspruch der Sachverständigen in seinen
letzten Teilen ausserordentlich beschleunigt wurde."
Die Dielen haben sich infolgedessen geworfen etc.

Uns interessiert an der Mitteilung des Berliner
Tageblatts hauptsächlich das Eine:

Also soll der Kaiser in dem Haus, das von Schinkel,
einemBaumeister von ewiger Gültigkeit in der deutschen

Kunst errichtet 'ist, einen Umbau der Innenräume im
Stil Genzmer gewünscht haben.

*

Die vier letzten Ernennungen für die Villa-Romana-
Stiftung haben ebenso wenig befriedigt wie die ersten
drei. Des Künstlerbunds Verlegenheit erhellt auch
daraus, dass unter den letzten Vieren, die unter den
Teilnehmern an der Künstlerbundsausstellung gewählt
werden sollten, sich H. van de Velde befindet, der gar
nicht ausgestellt hatte. Was soll van de Velde in
Florenz, was soll Hübner da? Erler hat ein spott-
schlechtes Bild gemalt und wird nach Florenz geschickt,
wohin auch er nicht gehört. Hodler, der einzige, von
dem man sagen kann, dass er einen inneren Zusammen-
hang mit Florenz hat, ist nicht gewählt. Nur eine Wahl
zeigt Zusammenhang mit der Idee der Stiftung und ist
zugleich nicht nur eine Juniorenwahl: die von Klimt.

Die Bestimmung, dass ein vom Künstlerbund für
Florenz ausersehener Künstler einen anderen bestimmen
dürfe, um statt seiner hinzugehen, ist gewiss gefährlich.
Die Wahlen, die vom Künstlerbund vorgenommen
wurden, fielen aber so wenig systematisch aus, dass un-
richtiger, als es der Vorstand des Künstlerbunds gethan,
auch ein einzelner Künstler nicht wohl hätte wählen

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