Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 3.1905

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HENRI DE BRAEKELEER*

VON

HENRI HYMANS

ER Name de Braekeleer kommt
bei verschiedenen belgischen
Malern vor; der erste des Namens
und zweifellos der bekannteste ist
Ferdinand, der 1883 als Neunzig-
jähriger gestorben ist, nachdem
er Scharen von Schülern aus-
gebildet hat und Generationen von Liebhabern an-
genehm unterhalten. Einen seiner Ruhmestitel
dankt er dem Umstand, der Lehrer von Leys ge-
wesen zu sein, der fast 25 Jahre jünger war als er,
und dessen Schwester er geheiratet hatte.

Ein Maler von geschickter Art, glaubte Ferdinand

* In Braekeleers Geburtsort, Antwerpen, findet gegenwärtig
eine Ausstellung seiner Werke im Zusammenhang mit einer
Leys-Ausstellung statt. Bei uns ist H. de Braekeleer nicht allzu
sehr bekannt geworden, hauptsächlich im Jahr 1884 auf der
sehr bedeutenden wiener internationalen Ausstellung, die u. a.
Baudry's Deckenbild für das pariser Palais de Justice, Puvis de
Chavannes' Carton für „ludus pro patria", Bilder von Bastien-
Lepage, Henner (ein vorzügliches Bildnis seines Bruders) brachte
befand sich auch ein ausgezeichnetes Bild Henri de Braekeleer's:
„der Geograph". D. Red.

de Braekeleer, der Mode seiner Zeit gemäss, seine
Kompositionen durch eine Nuance von Humor
würzen zu sollen. Er berief sich dabei auf Jan
Steen, blieb aber im Grunde tief unter Hasen-
clever.

De Braekeleer berührte das fünfzigste Jahr, als
ihm ein Sohn geboren wurde, der den eigentlichen
Gegenstand dieses Aufsatzes bildet und dessen Ge-
burtsort, Antwerpen, jetzt seine Werke ausstellt,
im Zusammenhang mit einer Ausstellung der Werke
von Leys.

Natürlicherweise von seinem Vater erzogen,
erfuhr Henri doch mehr den Einfluss eines um
zwölf Jahre älteren Bruders, Ferdinand, der 1897
starb, und in dessen Werken die väterliche Ein-
wirkung sich in fühlbarer Weise mit der von Leys
vereinigt.

Für Henri de Braekeleer ist also der Einfluss,
der auf seinen Vater zurückzuführen ist, wesentlich
abgeschwächt. Sein fester Pinselstrich, ein wenig
uneben, seine accentuierten Formen kontrastieren

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