Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 3.1905

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CHRONIK

NACHRICHTEN, AUSSTELLUNGEN ETC.

In einem unserer früheren Hefte brachten wir — wir
glauben, als Erste — die Nachricht, dass der Plan einer
deutschen Centenar-Ausstellung Gestalt gewinne.

Der Plan hat, so sehr er bekämpft wurde, die Billi-
gung des Kaisers erfahren. Die Eröffnung wird Anfang
des Jahres 1906 in der Nationalgalerie stattfinden. Die
Ausstellung wird die Zeit von 1775—187«; umfassen
und sich im wesentlichen auf die Malerei beschränken.
Die Sammelarbeit wird von einem über ganz Deutsch-
land verteilten Arbeitsausschuss besorgt, dem die Direk-
toren aller in Frage kommenden Galerien und andere
Freunde und Kenner der zu bearbeitenden Zeit an-
gehören werden. Den Vorstand bilden die Herren
Lichtwark, v. Seidlitz und v. Tschudi, und Geh. Ober-
regierungsrat Dr. Schmidt als Regierungskommissar.
Die Geschäftsstelle des Vorstandes befindet sich in der
Nationalgalerie.

•SS-
Arn 2 1. März ist nach fast einjähriger Unterbrechung
das Schauspielhaus, der herrliche harmonische Bau
Schinkels, wiedereröffnet worden. Mit Zufriedenheit
hat man die Verbesserungen für die Bühnentechnik und

die Feuersicherheit, die praktischen Einrichtungen etc.
der Garderoben entgegengenommen, mit allseitigem
Unwillen aber den Neubau des Zuschauerraums. Er hat
seinen Stil verändert, ist weichlich geworden. Klägliche,
billige Eleganz schmückte ihn, er ist kleinlich geworden.
Wir freuen uns fast, dass es unser Amt nicht ist, Verse
zu kritisieren, sonst müssten wir auch die (die Vor-
stellung eröffnende) Dichtung des Generalintendanten:

Heil'ge Kunst, in deine Hallen
Tritt herein, sie sind geweiht,
Was vergänglich, musste fallen
— Welkes Laub — im Sturm der Zeit.
Von des alten Tempels Schwelle
Grüsst dein Reich in neuer Pracht,
Neu an alter Opferstelle
Sei die heil'ge Glut entfacht!
Huld'gend schwören wir aufs neue,
Dir, du Hehre, ew'ge Treue . . .

in den Kreis unserer Erwägungen ziehen. Dieser Liebe-
und Triebe-Poesie Herrn v. Hülsens gegenüber war es
schwer ernst zu bleiben. Sie wurde mit Musik von Carl
Maria von Weber, arrangiert von Jos. Schlar, vorgetragen.
— Wir denken, dass etwa Prof. Genzmer, der Neu-

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