Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 3.1905

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KUNSTSAMMLUNGEN UND MUSEUMSBAUTEN
HÜBEN UND DRÜBEN

VON

WILHELM BODE

Verehrtester Herr Redakteur!

ie haben mich neulich nicht ganz aus-
sprechen lassen; Sie veröffentlichten
den Anfang meines Berichtes*, ehe
ich den Schluss geschrieben hatte.
Ich gebe diesen jetzt unter etwas
veränderter Stichmarke.
Ich erzählte Ihnen von dem grossen Galerie-
werk, das man in Amerika plant; ich erwartete da-
mals den mir von meinen Freunden jenseits des
Oceans versprochenen Prospekt. Jetzt liegt er vor
mir. Schon der Prospekt ein Kunstwerk! Im
grüssten Folioformat, mit alt-lyoner Typen auf
bestem französischen Handpapier, gerade so wie das
Werk selbst, die „Noteworthy paintings in American
Private Collections", erscheinen soll. Die Zahl der
Mitarbeiter, die sich die Herausgeber hüben und
drüben gesichert haben, ist eine sehr grosse. Die
Arbeit,diezahlreichenBeiträge — meist verschiedene
über jedes Gemälde und in den verschiedensten
Sprachen — unter einen Hut zu bringen, denke
ich mir nicht gerade leicht und vergnüglich! Der
eine wird sich auf ein paar kurze kritische Be-
merkungen beschränken, während andere durch
lange kunsthistorische oder ästhetische Exkurse über

Kunst und Künstler II. Jahrgang, Heft 10, Seite 387.

den Maler oder die ganze Schule ihre litterarischen
Sporen werden verdienen wollen.

Unter den Sammlungen, deren Veröffentlichung
der Prospekt zunächst in Aussicht stellt — es sind
dreissig Namen aufgeführt — befindet sich eine
Reihe der bekanntesten Galerien alter und neuer
Gemälde im Privatbesitz; es fehlen aber auch ver-
schiedene ebenso namhafte. Hoffentlich gelingt
es dem Herausgeber, auch die Besitzer dieser Samm-
lungen für das grossartige, auch für die Kunst-
geschichte hervorragend wichtige Unternehmen zu
gewinnen. Ganz leicht ist das in Amerika nicht
gerade, denn ganz im Gegensatz gegen unsere
Sammler, die zu öffentlichen Ausstellungen ihre
Kunstwerke gern leihen und sie für Publikationen
mit Vorliebe zur Verfügung stellen, will man in
Amerika gar nicht gern davon wissen. Während ein
grosser Teil der Privatsammler seine Schätze beim Ab-
leben, gelegentlich schon bei Lebzeiten den öffent-
lichen Sammlungen schenkt oder gar Museen daraus
stiftet, sind dieselben Leute nur schwer dazu zu
bewegen, ihre Schätze auf Ausstellungen zu leihen;
am wenigsten ältere Kunstwerke. Keine der „worlds
fairs" drüben hat bisher eine Abteilung für alte
Kunst gezeitigt, wie sie in den Weltausstellungen
des alten Kontinentes regelmässig einen der Haupt-
anziehungspunkte bildeten.

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