Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 3.1905

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INTERIEURPORTRÄTS VON KERSTING

VON

WALTER STENGEL

Bescheidene Bilder von einem vergessenen Pri-
mitiven des 19. Jahrhunderts: schlichte Interieur-
porträts aus der Zeit der Freiheitskriege: helle
Räume, wo es wirklich Tag ist, mit licht durch-
scheinenden weissen Gardinen; nächtliche Beleuch-
tung kommt auch vor, doch nicht in Gelbrot, wie

"' Die hier abgebildeten Gemälde hängen im weimaraner
Schloss in einem Zimmer des obersten Geschosses in den dunklen
Ecken dicht unter der Decke. Wir verdanken die Möglichkeit,
die Bilder veröffentlichen zu können, dem gnädigen Entgegen-
kommen des grossherzoglichen Hofmarschallamtes.

es wohl Schalcken hat, sondern mit dem inten-
siveren weisslichen Licht einer sogenannten Argand-
schen Lampe. Und die Figuren wie bei Friedrich
vornehm bescheiden in verlorenem Profil. Das
Kolorit ist, stellenweise kalt, im allgemeinen lau
und etwas süss (wenn man will) doch hie und da
ungewöhnlich fein: ich weiss z. B. nicht, ob ein
anderer damals, 1812, mit Bewusstsein Weiss auf
Lichtgrau gesetzt und das dann mit einem zarten
Grauschwarz gerahmt hat, wie man es an dem
fein reflektierenden Spiegel des Selbstporträts von

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