Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 3.1905

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DER DOM

VON

KARL SCHEFFLER

IE That ist vollbracht, die
so viele Geschlechter schon
beschäftigt hat. Wenn der
Plan, in Berlin eine neue
Domkirche zu bauen, von
dem schon unter Friedrich
Wilhelm III. viel die Rede
war, bis zu den neunund-
neunzig Tagen Kaiser Friedrichs immer wieder ver-
tagt wurde, so war im wesentlichen das Gefühl
für die Wichtigkeit und Verantwortlichkeit der
Aufgabe schuld daran. Die Beteiligten, zu denen
auch Schinkel gehörte, der sich in vielen Ent-
würfen mit dem Problem beschäftigt hat, emp-
fanden, dass das Beste gegeben werden müsse,

was die moderne Baukunst zu leisten vermag.
Dem stellte sich aber stets ein prinzipieller Wider-
spruch entgegen, eine Unwahrhaftigkeit, die in der
Idee liegt und aller reinen Anstrengungen spottet.
Dagegen konnte selbst Schinkel mit der Fülle seines
nachgeborenen Genies nicht aufkommen, was man
deutlich erkennt, wenn man sieht, wie weit seine
Entwürfe für Kirchen hinter seinen andern Werken
zurückbleiben und wie unsicher er sich gerade in
den Domplänen gefühlt hat. Ihm bot sich nirgend
die führende Notwendigkeit, das fordernde Bedürf-
nis. Er fühlte, und mit ihm seine Zeit, zu roman-
tisch-hellenisch, zu goethisch-heidnisch, um eine
schlichte protestantische Predigthalle vorschlagen
zu können; und andererseits blieb ihm die Idee

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