Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 3.1905

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JAPANISCHE KUNST

VON

JUSTUS BRINCKMANN

1EISTER waren die Japaner in der
Verarbeitung des Eisens zu Angriffs-
und Schutzwaffen. Das Schwert
ist die nationale Waffe seit der my-
thischen Zeit, da ein Halbgott im
Schwänze des von ihm erlegten
Drachen jenes Schwert fand, das heute noch
unter den Reichskleinodien des Mikado, des
Abkömmlings der .Sonnengöttin, bewahrt wird.
Unter religiösen Weihen übten in alten Zeiten die
Schwertfeger ihre Kunst. Von unheimlichen
Kräften belebte, von Sagen umwobene Schwerter
begegnen uns in den Erzählungen aus der mittel-
alterlichen Heldenzeit Japans. In langen Geschlechter-
folgen erbte sich die Kunst unter den Angehörigen
bestimmter Familien durch viele Jahrhunderte fort.
Schwerter, welche ein Ahne rühmlich geführt hatte,
bildeten den kostbarsten Besitz jedes schwertberech-
tigten Mannes und noch in den friedlichen Jahr-
hunderten der Tokugawazeit ist das Schwert auf
das engste mit der persönlichen Ehre seines Trägers
verknüpft. Bändereiche Bücher belehren über die
Kennzeichen der von den berühmtesten alten Mei-
stern geschmiedeten und geschliffenen Klingen.

Aus dieser Bedeutung des Schwertes erklärt sich
die Vorrangstellung, welche die zur Fassung der

Klinge und für den Beschlag der hölzernen Scheide
erforderlichen metallenen Teile, das Stichblatt
(Tsuba), die Zwinge und das Kopfstück am Griff
(Fuchi-Kashira), das in die Umwicklung des Griffes
eingebundene Menuki,das Schwertmesser (Kozuka)
und die Schwertnadel (Kogai) vor anderen Metall-
arbeiten behaupten. Nur ausnahmsweise vom
Klingenschmied, zumeist von besonderen Künstlern
gearbeitet, umfassen diese und die anderen als
Schwertzieraten zu bezeichnenden Stücke das ge-
samte Gebiet der japanischen Metalltechnik. Da
sie meist nicht mit dem Schwerte zugleich ge-
schaffen wurden, da häufig auch die alten Klingen
in jüngeren Zeiten mit neuen Stichblättern und
Griffen ausgestattet wurden, weil Griff und Stich-
blatt leicht von der Angel der Klinge gelöst und
durch andere ersetzt werden konnten, ergiebt sich
für die Schwertzieraten ein selbständiges künstleri-
sches und kunstgeschichtliches Dasein. Wie dieses
sich in reicher halbtausendjähriger Entwicklung
von den nur aus Eisen geschmiedeten und durch
schattenrissartige Durchbrechungen verzierten Stich-
blättern ältester Zeit bis zu dem alle Farben der
Bronze, der Edelmetalle und ihrer Legierungen
unter Anwendung eigentümlicher Beizung und
Patinierung darbietenden feinziselierten Relief in

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