Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 3.1905

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ÜBER BUHNENAUSSTATTUNG

VON

EDWARD GORDON CRAIG

Es giebt drei
Arten von Büh-
nendekoration,
die phantastische,
die realistische
unddieschlechte.
Schlecht ist die
Ausstattung, die
weder ganz und
gar realistisch
noch ganz und
gar phantastisch ist. Diese Dekoration findet der
londoner Theaterbesucher allabendlich.*

Diese Dekoration ist schlecht, weil sie zugleich
echt und schön sein soll und weder das eine noch das
andere ist. Es giebt zwei Gründe dafür, dass es
damit so steht: erstens weil dem Bühnenmaler, auch
wenn er grosses technisches Talent hat, nicht bis
zu dem Moment, in dem der Vorhang aufgeht, freies
Spiel gelassen wird, oder aber weil man ihm ge-
stattet, der eigenen Idee zu folgen und dadurch
die schönere Vorstellung des Dichters zu verdrängen.
Ich habe verschiedentlich gesehen, wie Deko-
rationen, nachdem sie ins Theater gebracht worden
waren, durch die Unfähigkeit des Schauspielers,
der Direktor ist, vollkommen verdorben wurden.
Der Schauspielerdirektor, der von der Kunst und
Technik der Bühnendekoration keinen BegrifFhatte,

* Craig hat in diesem Aufsatz, wie der Leser wahrnehmen wird,
gerade londoner Verhältnisse im Auge. Auch bei dem „actor-manager"
— dem Schauspieler-Direktor — von dem er spricht, dachte er an die
Zustände, wie sie sich nur in London gestaltet haben. Die Red.

war der Ansicht gewesen, entweder, dass er es besser
gemacht haben würde, oder dass er in dieser Deko-
ration nicht spielen könne, — und vor allen Dingen
hatte er gewähnt, er müsse ein Wort mitzureden
haben. Mit diesem Worte streicht er ein paar Stunden
hintereinander freundlichst Fehler heraus, und die
Scene wird dann dem Publikum vorgeführt, nach-
dem allmählich Vernunft und Sachlichkeit aus ihr
entfernt worden. Die Form wird verändert, Monde
werden hinzugefügt, Farben gewechselt, Schatten
dort unterdrückt, wo der Maler sie mit bewusster
Absicht hingesetzt hatte, und alles das geschieht, da-
mit sich der Schauspielerdirektor zu Hause fühle.
Nach meiner Ansicht kostet diese Verwüstung viel
Geld.

Für den Theatermaler muss, obwohl sich solche
Sorte von Betrieb für ihn bezahlt macht, etwas
ausserordentlich Verletzendes in ihr liegen; ja, diese
Art kann ihn aus dem Theater und einem Institut
in die Arme treiben, dass des Theatermalers Paradies
ist: es ist eine von dem berühmten Theatermaler
de Loutherbourg gemachte Erfindung. De Louther-
bourg, der im 18. Jahrhundert lebte, hatte anfangs
für David Garrick, später für sich selbst gearbeitet.
Bei diesem seinem eigenen Unternehmen hatte er
von den Schauspielern Abstand genommen. Wes-
halb sollten die Schauspieler die Aussicht verderben,
indem sie zwischen der Bühne und den Zuschauern
standen? Weshalb sollte man ihnen gestatten, über
Herrn N.'s Rasenplätze oder Herrn so und so's
Waldungen zu schreiten? Mochten diese Herren
lieber ein Schild aufstellen mit der Bemerkung, dass

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