Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 3.1905

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FERDINAND HODLER

VON

FRANZ SERVAES

S war die ruhmvolle Thätigkeit der
jetzt abgeschlossenen Kunstperiode,
die Mannigfaltigkeit der Naturer-
scheinungen für unsere künstlerische
Sprache zu erobern. Diese Periode ist
abgeschlossen, nicht in dem Sinne, dass nun nichts
mehr zu thun übrig bleibe, wohl aber in dem
anderen, dass an ihren Grundresultaten nicht mehr
zu rütteln ist. Und jede Weiterentwickelung, mag
sie auch scheinbar entgegengesetzte Ziele verfolgen,
wird sich mit diesen Resultaten auseinanderzusetzen
haben, wird sie gründlich und ehrlich verarbeiten
müssen, ehe sie auch nur den kleinsten Schritt in
anderer Richtung, oder gar „darüber hinaus", thun

kann. Nur mit dem Impressionismus, niemals gegen
ihn, werden wir weiterkommen, wenn wir jetzt
uns rüsten, die grosse Stilkunst für unser Zeitalter
zu entdecken und für die Einheitlichkeit der Natur-
erscheinungen den adäquaten künstlerischen Aus-
druck zu finden.

«

Hierin scheint mir die Bedeutung des schweizer
Malers Ferdinand Hodler zu liegen. Er ist der
erste der bewussten und starken Stilkünstler, der
die Errungenschaften des Impressionismus voll und
klar in sich verarbeitet hat. Er ist darum, so schön
und innig seine Beziehungen zur alten Kunst viel-

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