Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 3.1905

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CHRONIK

NACHRICHTEN, AUSSTELLUNGEN ETC.

Die Eröffnung des Kaiser Friedrich-Museums hat
unter Entfaltung eines grossen Apparats am 18. Oktober
stattgefunden. Einen merkwürdigen Eindruck gab die
kleine Excellenz von Menzel. Der Kaiser, die Kaiserin,
die Grossherzogin von Baden, der Kronprinz, Prinz
Heinrich andere Prinzen waren in der Basilika er-
schienen - da folgte, ganz klein, ganz langsam, im
schwarzen Frack Excellenz von Menzel. Nach ihm schritt
wieder eine grosse Gestalt im Zuge: der Prinzregent
von Braunschweig.

In der Rede des Kultusministers wurde man durch
die Worte bewegt, dass, wenn etwas die Freude des
Tages trübe, es dadurch geschähe, dass der Mann, „dem
bereitwillig alle seine Genossen das vorzüglichste Ver-
dienst um das Erreichte zuerkennen", durch ein Leiden
verhindert werde, der Feier beizuwohnen. In der That
lag etwas Ergreifendes in der Vorstellung, dass Direktor
Geheimrat Wilhelm Bode die Einrichtung des Museums,

das er erträumt hatte, dem alle seine Bemühung und
Arbeit seit Jahren galt, nur vom Krankenbett aus geleitet
hat und der Eröffnung nicht beiwohnte.

Aus der Eröffnungsrede des Kaisers prägte sich mit
besonderem Nachdruck dieStelle ein, als er sagte: „Wenn
wir heutzutage unsere Kunst von entgegengesetzten
Richtungen zerklüftet sehen, die sich befehden und von
denen die eine über die andere sich hinwegzusetzen be-
müht ist, wenn es sich dabei zum Teil nach meiner Über-
zeugung — ich habe das schon öfter hervorgehoben —
um Irrwege handelt, die vom wahren Schönheitsideal weit
abführen, so sollten sich unsere Künstler mit um so
mehr Ernst ins Gedächtnis rufen, welch hehre Güter in
ihre Hand gelegt sind." Es lag für Viele etwas sehr
Angenehmes in der Vorstellung, dass der Kaiser dieses-
mal seine Auffassung von den Forderungen an die
Kunst in eine ganz persönliche Form gekleidet hatte.
Andererseits haben Manche gewiss bei der darauf
folgenden Bemerkung des Kaisers: „So wenig es dem

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