Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 15.1917

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FRANZ KRÜGER, NACH DER JAGD

DAS TIERSTUCK

VON

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WILHELM WAETZOLDT

Die Geschichte des Tierstückes als Bildgattung
beginnt im siebzehnten Jahrhundert in den
Niederlanden, deren Maler gleichsam die Erde unter
sich aufgeteilt, kein Geschöpf, nichts und niemanden
ausgelassen haben, so dass Blume und Tier, Mensch
und Meer, das Haus und sein Gerät, das Höchste
und Niedrigste, Grösste und Kleinste schliesslich
ihren liebevollen Darsteller fanden. Kaum war das
Tierbild da, so wurden auch gleich alle seine
Möglichkeiten abgewandelt. Die harmonische Ein-
bettung lagernden Weideviehs in das Landschafts-
kolorit bei Aelbert Cuyp, lebensgrosse Tierbildnisse
voll verhaltener Dramatik, wie sie Paulus Potter
schuf, Tierkämpfe und -Jagden der Snyders und
Rubens, und die auf eindringlichster Einzelbeobach-

tung beruhenden Tierstilleben etwa eines Melchior
Hondecoeter.

Diese in mannigfachen Arten und Wertstufen
blühende Bildgattung wurde allmählich ebenso wie
das Stilleben und die intime Landschaftsdarstellung
von dem akademischen Hochmut klassizistischer
Geschlechter in die Ecke gedrängt, wo sie nur
die suchenden Blicke der Tierliebhaber und Tier-
kenner fanden. Erst die deutsche Jahrhundert-
ausstellung hat auch das Tierstück für Wissenschaft
und Genuss wieder entdeckt. Sie zeigte, dass es
eine deutsche Tiermalerei seit der Biedermeierzeit
gegeben hat.

An die beliebten Bildgattungen der Jagd-, der
Soldaten- und Rennplatzbilder, die Wilhelm von

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