Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 20.1922

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DIE NEUEN WERKE OSKAR KOKOSCHKAS

VON

VICTOR WALLERSTEIN

Das Kokoschka-Buch von Paul Westheim schließt
durch einen Zufall gleichzeitig mit einer
Schaffensperiode des Künstlers ab. Das Selbstbildnis
von 1917, „Die Auswanderer" und das Gruppenpor-
trät der „Freunde" sind gleichsam Abschluß und
Krönung der Bestrebungen, die bis in den Anfang
seiner malerischen Produktion zurückreichen. Hier
ist die Deutung der Psyche als Individuum und
Zeiterscheinung zum Höchsten entwickelt. Die
Geistigkeit des Striches und der Pinselführung be-
herrschen das Bild. Die Farbe, so köstlich und
blütenhaft sie sein mag, ist doch nicht Ausgang
für die Konzeption. Sie ist Akzidenz, Beigabe
oder Ausdruck seelischer Wertigkeit. Nicht um
ihrer selbst willen ist sie geschaffen. Damit ist
ihre Rolle bestimmt.

Nach diesen Bildern setzt die neue Schaffens-
periode Kokoschkas ein. Es folgen die Bilder:
„Die Dame in Blau", „Die Macht der Musik"
und „Eine Elblandschaft vom Atelierfenster ge-

sehen". (Alle drei in der Dresdner Gemälde-
galerie).

Ich erinnere mich des Moments, wo Kokoschka
das Problem der „Dame in Blau" eben gelöst hatte
und selig war, wie es nur ein Mann nach einem
Siege sein kann. Ein neuer Organismus war ent-
standen; Blut, Fleisch und Knochen, alles neu.
Die sinnliche Kraft und Schönheit der Materie
darzustellen war ihm gelungen und diese gleich-
sam durch sich selbst geordnet in den Raum!
Ohne die errechnete Perspektive, nur durch die
vom Gefühl belebte Farbe und die Anordnung
ihrer Massen. Wie die Brüste gleich Honig
schimmern, wie das Blau in seinen Abstufungen
die Glieder vor- und rückwärts schiebt, wie das
Grün den Raum schafft, so daß der Kopf schwer
zwischen den beiden Armen nach hinten sinkt!
Und das Ganze von einer Harmonie, so schwebend
und offen, wie sie nur die wenigen Bilder von Piero
di Cosimo oder einige von Manet haben. Das

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