Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 20.1922

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MAX SLEVOGT, PASTETE UND FRÜCHTE

AUSGESTELLT IN DER MODERNEN GALERIE THANNHAUSER, MÜNCHEN

„Menzel hatte mir, der ich von der französischen Re-
gierung zum Juror in der Aufnahmekommission für die
Pariser Weltausstellung von 1889 ernannt war, sechzehn
oder achtzehn seiner Werke anvertraut, als plötzlich, kurz
vor der Eröffnung der Ausstellung, ein Erlaß Bismarcks er-
schien, der allen Künstlern, die preußische Beamte waren,
die Beteiligung an ihr untersagte. Und alle die damaligen
Berühmtheiten, von Achenbach, von Reinhold Begas bis
zu den kleineren Sternen hinab, beeilten sich, ihre Werke
zurückzuziehen. Bis auf Menzel, bei dem ein Ministerial-
direktor erschien, um ihm auseinanderzusetzen, daß es sich
für ihn als den Kanzler des Ordens pour le merite nicht
zieme, in Paris sich an der Ausstellung zur Jahrhundert-
feier der französischen Revolution zu beteiligen. Darauf
Menzel: »Ich bin jetzt dreiundsiebzig Jahre alt, ich habe
immer gewußt, was sich für mich schickt, und ich werde
es weiter wissen«. Sprach's und stellte ruhig aus."

Wenn die Franzosen sich öffentlich blamieren wollen,
indem sie bei einer internationalen Gewerbeschau die
deutsche Handwerkskunst ausschalten oder in einem Ton
zur Teilnahme auffordern, der die Beteiligung unmöglich
macht, so haben wir alle Ursache ihnen die Blamage zu
gönnen. Jacques E. Ruhlmann sagt am Schluß einer be-
fürwortenden Zuschrift von den deutschen Künstlern: „Wenn
sie kommen!" Das ist es. Deutsche Regierungen und
Künstlerverbände haben in den letzten acht Jahren viel
schlechte Kunstpolitik gemacht, sie haben sich angebiedert und

selten nur eine erträgliche Ausstellung zusammengebracht.
Hoffentlich wird endlich die Lehre aus den Mißerfolgen
gezogen und nicht unwürdige Sehnsucht nach der Pariser
Ausstellung von 1924 gezeigt. Auf der anderen Seite haben
die Deutschen zur Genüge bewiesen, daß sie Kunst und Politik
auch trennen können, daß sie vor jeder fremden Begabung,
sogar vor der „feindlichen", ihre Schlagbäume in die Höhe
gehen lassen. Wenn die Franzosen von ihrem jämmerlichen
„Boches"-Standpunkt nicht loskommen, so geht dieser Defekt
ihres Menschentums eigentlich nur sie selbst an.

MÜNCHEN
Die Ausstellung von nahezu drei Dutzend neueren und
neuesten Gemälden Slevogts in der „Modernen Galerie"
Thannhauser bedeutete nach verschiedenen Richtungen ein
künstlerisches Ereignis ersten Ranges. Einmal war es die
schönste Ausstellung, die seit langem in einer Münchener
Kunsthandlung zu sehen war. Eine Darbietung, die eine
wirkliche Erquickung, einen ungetrübten Genuß bereitete.
Vor allem aber war sie für viele eine wahre Offenbarung.
Denn wenn auch der Graphiker Slevogt nicht nur unein-
geschränkte Bewunderung genießt und sich mit Recht des
Ruhmes erfreut, der größte Schwarz-Weiß-Künstler zu sein,
den Deutschland in neuerer Zeit hervorgebracht hat, so
stand doch die Malkunst Slevogts für viele hinter der eines
Liebermann und Corinth zurück. Die Ausstellung aber mußte
jedermann die Augen öffnen, daß Slevogt den Anspruch er-

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