Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 20.1922

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AUGUSTE RENOIR, BADENDE

DIE IMPRESSI0NI STI SCHEN THEORIEN

VON

AMBROISE VOLLARD

Ich wollte gern wissen, wie Renoir über die im-
pressionistischen Theorien dachte. Aber, da er
mich sicher auf eine direkte Frage hin zum Teufel
geschickt hätte, kam ich auf den Gedanken, zu
lesen, was die modernen Kunstkritiker darüber
gesagt hatten und dann zu tun, als ob die treffend-
sten Äußerungen meine eigene Ansicht wären.
Eines Tages also, als ich bei Renoir war, sagte

Anmerkung der Redaktion: Ein Teil aus Ambroise
Vollards schönem Renoir-Buch, das in Paris bei Vollard er-
schienen ist.

ich: „Die modernen Maler haben Glück, daß sie
all die Farben haben, die die Alten nicht einmal
ahnten!"

Renoir: Die Alten sind im Gegenteil glücklich
gewesen, da sie nur Ocker und braune Farben
zu verwenden verstanden! Hübscher Fortschritt!

Ich: Sie können doch aber nicht leugnen, es
bedeute einen Fortschritt, daß der Impressionismus
die Anwendung der „flachen Töne, die die Durch-
sichtigkeit beeinträchtigen", aufgegeben hat.

Renoir: Woran haben Sie denn gesehen, daß

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