Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 20.1922

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W. von Bode: Sandro Botticelli. Propyläen-
Verlag, Berlin.

Das Buch wurde, wie der Verfasser im Vorwort angibt,
in einigen Wochen niedergeschrieben, aber es ist das Er-
gebnis von Studien, die durch fünf Jahrzehnte laufen.
Denn so beschwingt und poetisch jedes einzelne Bild des
grollen Florentiners auf uns wirkt, so mühselig ist es für
den Forscher, das Werk gerade dieses Malers zusammen-
zustellen, zu deuten und den Einflüssen, die es bildeten,
nachzuspüren. Eben darin aber beruht die besondere Leistung
dieses Buches. Die seit dem neunzehnten Jahrhundert
immer gewaltiger anschwellende Literatur über den die
Moderne so verwandt ansprechenden Künstler galt es nicht
nur zu lesen, sondern auch kraft eigener Anschauung
kritisch zu sichten; und wie stets zeigt sich Bode hierbei
als der reife und besonnene Forscher, der nur nicht allzu
ängstlich durch beständige Echtheitszweifel das Werk des
Malers übermäßig beschränkt. So wird vor allem die
Jugend Botticellis und dann wieder die Spätzeit mit
einer stattlichen Reihe von Werken angefüllt, die nunmehr
den Ablauf seines Schaffens von der Frühzeit mit ihrer
Beeinflussung durch Filippo Lippi und Verrocchio bis
zum Altersstil mit seiner durch die Hingabe an Savonarola
hervorgerufenen Erregtheit beinahe lückenlos vorführt Also
kein Buch, das den Borticelli-Scbwärmer mit berauschenden
Worten erhitzt, sondern ein ernstes und klares, doch bei
aller Nüchternheit im Innersten lebendiges Werk! Die vor-
züglich gedruckten Abbildungen bringen eine Anzahl ent-
legener Werke und nur die Dante-Zeichnungen fehlen,
wenigstens in der einfachen Ausgabe; der Prachtausgabe
sind sie in einer besonderen Mappe beigefügt.

Franz Landsberger.

VON DEUTSCHER ZEICHNUNG UND
DEUTSCHER GRAPHIK
Tj's scheint, daß man in Deutschland lange Versäumtes mit
' Windeseile nachholen will. Denn diese Publikationen
jagen sich förmlich. Gründe dafür könnte man in unserer
Abgeschlossenheit durch den Krieg suchen, in dem Wunsch
der Kunsthistoriker ihre, in jahrzehntelanger stiller Arbeit
gewonnene Erkenntnis der Allgemeinheit zugänglich zu
machen, schließlich und nicht zuletzt in dem Suchen der
Verleger nach unberührtem Material; und den Reiz der
Überraschung haben jedenfalls all diese Veröffentlichungen
für sich. Kunstfreunde und Künstler müssen gleicherweise
staunen, welche Schätze an Phantasie und Temperament
in tiefer Erregtheit und sprühender Leichtigkeit die deut-
sche Kunst zu Papier gebracht hat. Davon spürt man in
diesen teils kostbaren, teils populären, inhaltlich immer über-
reichen Bänden einen Hauch, schon mehr den wahren Glut-
strom. Und der Laie, der allenfalls einige, immer wieder
reproduzierte Blätter von Dürer kannte, mag jetzt sich der
erzieherschen Wirkung dieser Bände hingeben, um den
Weg zu den Mappen der Kupferstichkabinette zu finden.

Die Führung in dieser wahrhaft pädagogischen Arbeit
hat naturgemäß unser junges Berliner Kabinett, von den alten
Sammlungen mit scheuer Achtung angesehen, von Fremden
beneidet, in Deutschland unberühmt. Hier hat es Fried-
rich Lippmann bereits vor 40 Jahren verstanden, die schon
damals vom Ausland hochbewertete Kunst Dürers in unüber-
trefflichen Abdrucken zu vereinigen, und durch fortwährendes
Aufspüren und Verfolgen seiner Zeichnungen unsere Samm-
lung selbst der unerreichbaren Albertina in Wien hart auf
die Fersen zu bringen. Er hat es noch erlebt, daß als das
Geschenk Val. Weisbachs das hundertste Blatt Dürers in
unsre Museen gelangte, und seitdem ist fast noch ein halbes
hundert dazu gekommen.

Nun deckt das Kabinet seine Karten auf und man sieht,
was neben Dürer, — fast ist man verleitet zu sagen: ohne
Dürer — die deutsche Zeichenkunst vermocht hat.

Voran steht die große amtliche Publikation. „ Die Zeich-
nungen alter Meister im Kupferstichkabinett — die
deutschenMeister." BeschreibendesVerzeichnis sämtlicher
Zeichnungen mit 193 Lichtdrucktafeln von Elfried Bock, vom
Verlag Julius Bard in unbegrenzter Fülle herausgebracht: 700
dieser kostbaren Blätter auf fast 200 Tafeln in wünschens-
wertester Schärfe, von Dürer und seinen Vorgängern bis
auf Chodowiecki und Tischbein. Elfried Bock, Friedländers
erster Mitarbeiter vom alten Stab hat die Arbeit der Sich-
tung und Beschreibung geleistet. Dann haben beide zu-
sammen noch einen wundervoll ausgewählten und ausge-
statteten Band im Propyläen-Verlag herausgehen lassen, der
ihre, weit über die BerlinerSammlung hinausgreifende Kennt-
nis des Themas, ihrer ganzen Liebe, nun auch dem Kreis der
Kunstfreunde zugänglich machen will. „Handzeichnungen
deutscher Meister des 15. und 16. Jahrhunderts" :
100 Lichtdrucktafeln, zum Teil farbig, bergen das kost-
barste, was an deutscher Zeichenkunst, ihnen, denen nichts
in öffentlichem und privatem Besitz verborgen bleiben
konnte, vor Augen kam. Hier spürt man die demokratische
Vielköpfigkeit dieser Generationen deutscher Künstler. Diese
Eigenbrödelei, Besessenheit, den Furor und die Sinnig-
keit von Dürer zu Baidung und Grünewald, von Altdorft'er zu
Wolff Huber und den andern, die für das Urige süddeut-
scher Landschaft in Wald, Bergen, Strömen ihre phantastisch
ornamentalen Linien fanden.

Diesen beiden großen Publikationen ließ soeben Carl Koch
in den „Graphischen Büchern" bei Ernst Arnold, Dresden,
einen populärer intimeren Band folgen, „Zeichnungen alt-
deutsch erMeister zur ZeitDürers"; 99 in zum Teil farbi-
gen, ganz vortrefflichen Abbildungen. Mit der Hingabe, die
ihn selbst „den Pfad so sehnsuchtsvoll" hat suchen lassen,
weiß er den Leser in kurzen, schlagenden Abschnitten für
seine Helden zu gewinnen. Dabei stellt sich einfach von selbst
ohne Pathos die Wärme ein, ohne die das künstlerische
Erlebnis nicht nachgeschaffen werden kann. Autor und
Verlag haben hier trotz der heutigen Hochflut an Publikationen
ein seltenes Beispiel wahrhaft populärer Leistung gegeben.

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