Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 20.1922

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NEUE SLEVOGT-BÜCHER

VON

MAX J. FRIEDLÄNDER

Die merkwürdige Aufnahmefähigkeit des deutschen
Publikums für kostbare Bücher ist schwerlich als ein
rein ästhetisches Bedürfnis zu erklären. Bücher werden
vermutlich als „Sachwerte" betrachtet, die gegen Papiergeld
einzutauschen, für eine kluge und zeitgemäße Maßregel
gehalten wird. Die Verleger haben die Erfahrung gemacht,
daß die teuersten Bände am raschesten Absatz finden,
überbieten einander, die Konjunktur ausnützend, mit kost-
spieligen Publikationen und gewinnen für das Bildliche
berühmte Künstlernamen. Da zunehmende Verteuerung
der Herstellungskosten befürchtet wird, und niemand weiß,
wie lange die Kauflust andauern wird, ist wilde Hast in
die Produktion gefahren. Ungesund ist bei diesem Be-
triebe zumal, daß kein bestimmter Geschmack, nicht ein-
mal eine bestimmte Art von Ungeschmack, auf seiten des

MAX SLEVOGT, ILLUSTRATION AUS DFN .VOLKSLIEDERN, TIERFABELN UND MÄRCHEN"
NACH EINER FEDERZEICHNUNG, VON O. BANGEMANN IN HOLZ GESCHNITTEN

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