Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 20.1922

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LESSER URY, CAFE. PASTELL

AUSGESTELLT IN DER GALERIE CARL NICOLAI, BERLIN

LESSER URY

EINE ERINNERUNG

VON

JULIUS ELIAS

1890, an einem Novembertage, trat — mit
einer gewissen mutigen Schüchternheit — ein
jüngerer Mensch in meine Stube, stellte sich als
der Maler Ury vor und gab als Grund seines
Besuches an: er wolle sich für die lobende Art
bedanken, wie ich seine „roten Dächer" im
Münchener Salon besprochen hätte, und mich
einladen, ähnliche Sachen in seinem Atelier zu
sehen. Er werde weder in München noch in
Berlin anerkannt, fühle sich sehr einsam und
warte auf einen Zuspruch von mir, der selbst
gewiß eine ähnliche Entwicklung wie er selbst

hinter sich habe. Auf meine heikle Frage, ob es
seine Gewohnheit sei, solche Kritikerbesuche zu
machen, antwortete der Mann ganz unbefangen:
„Bis jetzt noch nicht." Dieses „bis jetzt noch
nicht" amüsierte mich ein wenig, und ich ging
gelegentlich auf die Einladung ein. Es war richtig,
der Bauernhof mit den roten Dächern — das Bild
ist jetzt auf der Ausstellung des Sechzigjährigen
wieder zu sehen — war mir als eine aus leuch-
tender Farbe auibauende Arbeit im Gegensatz zu
der modischen Münchener Kreidemalerei, diesem
falschen Luminismus, sehr angenehm aufgefallen.

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