Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 20.1922

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Schnütgen nimmt einst einem Bauern die Beichte ab.
Dieser gesteht einen geschnitzten Kruzifixus gestohlen zu
haben. Schnütgen (schnell): ,.Ist es ein romanischer oder
ein gothischer?"

Vor Feuerbachs „Gastmahl des Piaton" in der National-
galerie sagte Friedrich Lippmann: ,,das muß ja scheußlich
sein, so aus Grünspan zu trinken".

*

Als Wilhelm von Bode ermuntert wurde sich die C&-
zanneausstellung bei Paul Cassirer anzusehen, fragte er:
„Muß ich mir wirklich all das unreife Obst ansehen?"

Ein Kunsthistoriker, der sich im besonderen mit Museums-
kunde beschäftigt, hat neulich von Mustern gut und schlecht
gehängter Galerien gesprochen. Als Muster einer schlecht
gehängten Galerie nannte er den Palazzo Pitti, als Muster
einer gut gehängten, das Magdeburger Kaiser-Friedrich-
Museum.

*

Paul Meyerheini brachte Stuck auf dessen Wunsch zu
Menzel ins Atelier. Der alte Menzel kümmerte sich
nicht um die Besucher und arbeitete weiter. „Du, das ist
der berühmte Stuck aus München", sagte Meyerheim.
Menzel zuckte die Achsel. Meyerheim flüsterte: „das ist
der, der bei Schulte das Bild ausgestellt hat, das soviel
Aufsehen erregt, den „Wächter des Paradieses". Da wandte
Menzel sich Stuck zu und sagte: „Junger Mann, das ist
doch gewiß nicht ihr bestes Bild!"

ZWANZIGSTER JAHRGANG, SIEBENTES HEFT. REDAKTIONSSCHLUSS AM 20. MÄRZ. AUSGABE AM 1. APRIL NEUNZEHN-
HUNDERTZWEIUNDZWANZIG. REDAKTION: KARL SCHEFFLER, BERLIN; VERLAG VON BRUNO CASSIRER, BERLIN.
GEDRUCKT IN DER OFFIZIN VON FR. RICHTER, G.M.B.H., LEIPZIG
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