Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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s5. Iahrgang.
Beiträge

sind an j?rof. Dr. L. von
kühow (wien, There-
sianumgasse 25) oder an
die Verlagshandlung in
Leipzig, Gartenstr. 6,
zn richten.

2ö. Oktobcr

/.cr.2.

Inscrate

5 25 für die drei
!NaI gespaltene j)etit-
zeile werden von jeder
Buch- u.Runstbandlung
angenommen.

s87Y.

Bciblatt zur Zcitschrift für bildende Kunst.



!

Dic Vandalcn in Rcgensburg und Nürnbcrg.

Aus der Reisc zur Miinchener Ausstellung nahm
ich dcn Weg über Negensburg nnd Nürnbcrg. Die
Kunstschätzc beider Städte sind allbelannt, ebense der
Vandalismus der Nürnbergcr Stadträthc nnd Fabri-
kantcn, welche das altehrwürdige dcntsche Siena dnrch-
aus modernisiren wwllcn. Wozu also nochmals davon
lprechen? Wozn in dem Kampsc, in dem bekanntlich
selbst Göttcr vergcblich streitcn, noch eine Lanze brechen?
llnvcrstand ist beharrlich, cr scheint däs wirkliche „Ding
an stch" zu sein, das nie nntergeht, sich nie ändert.
Die Formen, in denen er znm Ansdruck kommt, wcch-
seln, seine Träger kommen und vergehen wie die
^latter dcs Waldcs, cr aber blcibt unberührt, ewig,
unabänderlich! Der Vernünftige giebt ja immer nach.

bleibt ihm auch scltcn ctwas Anderes übrig, da
or nicist in verschwindendcr Minorität ist. Die deutsche
Prcsse scheint den vcrgeblichen Kamps aufgegeben, scheint
bben nachgegcben zn habcn nnd läßt es nnn rnhig
geschchen, daß Nürnbergs herrliche Maucrn fallen.
Herr A. W. Faber, wcltbekannt durch scinc tresslichen
Pleistjfto, läßt sich's sogar viel kosten, um den Van-
^alenplan zu fördern. Von einem Manne, der so
Roßnrtige Schcnknngcn an das Gewcrbemuseum mackt,
l'er bei jeder Gelegcnheit soviel Jntclligcnz und Liebe
5"r Kunst zeigt, ist es gcradezu unbegrcistich, wic er
seinen Namen, seincn Einflnß nnd scin Gcld zu cinem
sa tnlentlosen Plan hcrgeben kann.

Die Mnuern müssen fallcn! Das ist Rathsbcschlnß.
und was da einmal bescklossen, soll nnabänderlick scin.
^io iliürnberger Rathshcrrcn schcinen sammt nnd son-

ders unfehlbarer als der Papst zu scin, und die ganze
Kunstliteratur ist ihnen Hcküba. Faber fügt sich dieser
„Fügung Gottes" und macht in einem unlängst er-
schienenen illustrirtcn Hefte Vorschläge, wie cine Zins-
Haus-Kasernenringstraße die Manern ersetzen soll.

„Ja nm Gottes willen," — sagtc ich zu eincm
hervorragenden Manne der besten Kreisc Nürnberg's —
„ist denn da absolnt nichts mehr' zu machen? Haben
Sic denn keine großen einflußrcichen Zeitungcn? Hat
denn die bayerische Regicrung alle schönen Traditioncn
in so kurzer Zeit ausgegeben? Hat denn das ganzc
Hecr ausgezcichneter Schriftstellcr in Dentschland ganz
vergcbens gelebt und gcwirkt? Wir Croatcn sind arg
verschrieen als Barbarcn, aber das kanu ich Jhncn
versichern, in Croaticn wäre so etwas nnmöglich." —
Seufzend antwortcte man mir: „Es ist nichts zu thun.
Gegen die Alterthümer herrscht bei uns einc sörmlichc
Wuth; es wird im öffentlichen und im Privatlebcn
dagegen mit wahrer Erbitternng gekämpst. Eine Kirche
werden'sie, wenn nöthig, rcstanriren; aber wenn ein
schönes Chörlein, ein Herrliches gothisches Hans bau-
fällig ist, frenen sie pch dcssen und sind froh, Gelcgen-
heit zn finden, den „alten Kram" durch eincn mo-
dernen Kasten zu ersetzem Wer dagcgen ankämpst, ist
ein „Phantast". Daß man bei Jhnen, was noch.
Schönes übrig ist, pictätvoll bewahrt, begreife ich, wcil
Sie nur noch wcnig haben. Bci Jhnen haben die
Türkcn das besorgt, was wir bci uns nnn selbst lcisten.
Der Regierung sind die Pläne genchm, die eine
Erweiternng der Stadt ermöglichen, sic sieht es sogar
sehr ungern, wenn man gegen dasjcnige kämpst, waS
sie dic Prosperität der Stadt nennt."
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