Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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15. Iahrgang.
Beiträge

sind an Prof. Dr. L. von
^ützow (!vien, Cbere-
sianunigasse 25) oder an
die vcrlagshandlung in
^eipzig, Gartenstr. 8,
zu richten.

15. Ilovembcr

Nr. 5.
Inserate

ct 25 j)f. für die drei

zeile werden von jeder
Buch- u.Aunsthandlung
angenommen.

s87Y.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.


)ndalt: Das ^ubiläum der technischen Hochschule in Stuttgart. — Die Lnrwickelung der Bronzetechnik in wien. von R. v. Litelberger.

(Schlüß.) — Lngliscke Rinderbilderbücher. -- Lbam -j-. — Metz: Ausgrabungen bei Bettiimen. — Ueber die Skizzen zum Aolner Uwltke-
Denkmal. — Zlkadeinisck'e Ausstelluna in Berlin. — Das Aunstgewerbe-Museum in Berlin: Die L)amburger Aunsthalle; Der Mesterreichische
Aunstverein- Siemiradzki's ,.Lebende Fackeln des Nero"; Flameng's „Appel des Girondins"; Gust. Richter's Rönigin tuise. — Lmil
Hünten. — Zeitschriften. — gnserate.

Das ^ubiläum dcr techuischcn chochschulc
in Ltuttgart.

Die Architektur ist unbestritten derjeuige Zweig der
bildendeu Kuust, dcr in der schwäbischen Hauptstadt
die beste Pflege gcsuudeu uud die schönsten Friichte ge-
Zeitigt hat. Nicht zuui weuigsteu ist dies der tech-
nischcn Hechschule zu verdankcu, aus dcr eine stattliche
Ncihe ausgezeichnetcr Architcktcu hervorgegangen ist.
Aus diesem Grunde verdient auch das füufzigjährige
2ubiläuin derselbeu, welches sie vom 23. bis 25. Ok-
tvber sestlich beging, in dicseu Blättcrn erwähnt zu
tverden. Von König Wilhelin von Wiirttemberg ge-
N'iindet, wurde sie alS „Gewerbeschule" dcu 27. Ok-
tober 1829 eröffnet. Zwei Lehrcr, Privatdocent
Heigeliu und Berg-Kadct Degeu, zu deueu bald uoch
nls dritter Prof. Haug trat, vcrsahen deu kluterricht,
den vier und dreißig Schiilcr besnchten. Von dicsen
ersten Eleveu lebeu noch dreizehn, uutcr denen sich
^er beriihmtc Architckt, Oberbaurath Pros. I)r. v. Leins,
i'esindct, dcr jetzt sclbst zu den hervorragcudsteu Lchrern
^er Austalt zählt. dlach raschem Aufbliihen erhielt
^ieselbe 1840 den Namcu „Polytcchuische Schule", uud
die bisherigeu Räumlichkeiteu sich immer unge-
uiigender erwiescu, so wurde auch au dic Beschaffuug
eines eigeneu Schulgebäudes gedacht, welches nach
längcren Vorberathuugeu endlich zur Aussiihruug kam.

cntstaud dcr schöne Bau am Ausaug der Allcen-
straße, dcu Ober-Baurath vou Egle für die Austalt,
^vr er selbst friiher als Schiilcr und später als Lehrer
hugehört hatte, im itaticuischcu Neuaissancestil aus-
stihrte. Er wurdc 180! begouucu und 1804 bcendct,

erwies sich aber durch das fortschrcitcude Wachsthum
der Schule ebensalls bald schon als uuzureicheud uud
mußte durch einen Anbau vergrößert werden. Mit
desien Ausführung wurde Oberbaurath von Tritschlcr
(gleichsatls zuerst Schiiler und seit 1860 Lehrcr des
Polytechuikums) bctraut, welcher ihu möglichst genau
iu demselbeu Matcrial uud dcnselbcu Architckturformcu,
wie das bisherige Gebäude, natiirlich mit Berück-
sichtigung dcr Verhältniffe, höchst geschmackvoll durch-
sührte. Dieser Fltigelbau, am Stadtgarteu Prächtig
gelcgeu, ist durch seiue imponirende Größe uuu zur
Hauptfayade geworden. Er hat eine Länge von 55 m.
und enthält 46 Säle und Zimmer. Aus deu Nlitteln
der französischen Kriegskosteu - Entschädigung erbaut,
Ivurde er 1876 begonucu uud kürzlich vollcudet, sv
daß seine seierliche Eiuweihung zugleich mit dem gol-
deueu Jubiläum der uuumehrigeu „Techuischeu Hoch-
schulc" erfolgeu konute.

Die Skulptur hat zur Berschönerung dieses Ge-
bäudeS weseutlich bcigetragen. Ncbcu dem Haupt-
portal stehen iu Nischcn die grvßen Staudbilder Diirer's,
als Vertrcter der Kunst, von Scheerer, uud Keppler's,
als Vertreter der Wisicuschaft, vou Rösch, uud der um
eiu Stockwerk erhöhte mittlere Thcil ist mit zwei
vierzehu Fuß laugcu und ueun Fuß hohen Neliefs ge-
schmiickt, welche links deu Genius dcr Künste und rechts
den der techuischen Wisieuschastcn, ihrc Jünger uuter-
weiseud, iu allegorischcu Kompositivneu darstellen.
Diese Rcliefs siud nach dcn Eutwürsen des au dcr
Hochschule wirkenden Lehrers der Malerei, Prvf. Kurtz,
von Th. Büchler iu Müucheu in Heilbrvnner Sand-
stciu wirkuugsvoll ausgcführt. Zwischeu bciden steheu,
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