Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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Dw Entwickelung der Bronzetechnik in Wien.

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aus dem gleicheu Material verfertigt, die allegorischeu
Figureu der zehu am Polytechnikum hauptsächlich ge-
lehrten Fächer mit ihreu Attributeu, uämlich Bild-
hauerei, Chemie, Jngenieurwissenschaft, Geognosie,
Malerei, Mathematik, Botanik, Physik, Maschiuenbau
uud Architektur, ebensalls nach Entivürfen von Kurtz
durch die Bildhauer Kopp, König, Muller, Schcck und
Bach modellirt. Ju der Vorhalle sind die lebens-
großen Büsteu von acht verstorbeuen verdienstvollen
Lehrern der Anstalt, Fischer, Holtzmann, Breymann,
Proß, Heigelin, Mauch, Degen und Weitbrecht, aus-
geführt von Professvr Kopp, Lehrer der Plastik, iu den
Wandnischen aufgestellt. Die inueren Raume waren
in den Festtagen zu einer äußerst reichhaltigen Aus-
stellung vou Arbeiten früherer und jetziger Polytechniker
benutzt, die viele höchst intereffante Sachen, namentlich
auch auf architektonischem Gebiet, aufwies, z. B. vom
Oberbaurath Schnndt in Wien u. A.

Die Feier begauu am 23. Oktober Vormittags
mit einem Festakt in der schöneu Aula des alten Flügels,
iu der sich die Statuen vvn Goethe, Schiller, Leibnitz
und Humbvldt vou den Bildhauern Müller, Bach,
König uud Scheck befiuden, mit Redeu des derzeitigen
Rektors, deS Kultusministers und der Vertreter der ver-
schicdenen Bildungsanstalten Württembergs, svwie mit
Gesängen vom „Akademischeu Liederkranz". Eiu heiter
belebtes Festmahl schloß sich an und war zahlreich be-
sucht. Am andereu Tage gaben die Professoren deu
Schülern uud geladeueu Ehreugästen eiueu Festball iu
den überaus reich uud prächtig geschmückteu Säleu des
Königsbaues, der mit einer Aufführung lebender Bilvcr,
arrangirt von Pros. Kurtz, passeud cröffuet wurde.
Ein Gartenfest am Hofe des kuustliebeudeu Herzogs
Lorenzo vou Medici tvard in drei Darstellnngeu vor-
geführt: in der ersten übcrreichte eiu Küustler dem
Fürsteu einen Bauplan, iu der zweiten schmückte ihn
die Herzogiu mit dem Lorbeer, und iu der dritten
brachteu fahrende Schüler dem Fürstenpaar eiu Stäud-
chen, worauf sich sämmtliche Mitivirkende zu einem
Festzug vrdneten, der mit ciner gut eingeübten Qua-
drille schloß. Etiva hundcrt Dameu und Herrcu wareu
an dieser Aufführung betheiligt, welche durch geschickte
Anordnung und Beleuchtung sowie durch den Glanz der
farbenprächtigen Kostüme eiucu sehr günstigen Eindruck
machte. Der erläuternde Tept in gebundener Rede
Ivar vou dem jungeu Architekteu Bauer vcrfaßt, uud
zwei andere juuge Architekten, Wittmann und Gayer,
ebcnfalls Polytcchniker, hatteu die Festkarten gezeichnet.
Am folgendcn Abend bewegte sich ein großartiger
Fackelzug, voni Polytechnikum ausgehcnd, durch die
Stadt. Architektur, Mathematik, Erdkunde und andere
Wiffeuschafteii, die hier gelehrt werden, waren dabei
durch schvu geschmückte Wagen versiunbildlicht, uud ver-

schiedene Musikchöre, Bannerträger, Reiter und Wagen
führten die einzelnen Abtheilungen des Zuges, dem
ein allgemeiner Fest-Kvmmers in der Liederhalle als
Schluß der ganzen Feier folgte. Von deu 7403 Slu-
denten, welche die tech'nische Hochschule im ersten halben
Jahrhundert ihres Bestehens besucht haben, waren
viele persönlich erschienen, während Andere, wie z. B-
Schmidt in Wien, schriftlich ihre Glückwünsche dar-
brachten. L.

Die Lntwickelung der Bronzetechnik in A)ien.

Vou R. v. Litelberger.

(Schluß.)

Das vsterreichische Museum hat sich die Pflege
der Brvuzeiudustrie zur spcziellen Aufgabe gemacht.
Jn seinen wechselndeu Ausstellungen alter und neuer
Bronzewerke, welche die Prvduktion des Jn- und Aus-
landeö übersichtlich darstellen, ist dasselbe wvhlgeeignet,
unsere Künstler und Gewerbetreibenden zum' Nach-
denken und Eifer anzusporneu. Dazu kommt die Kunst-
gewerbeschule, an welcher iusbesondere Regierungsrath
Professor Storck uud Profeffvr König auf diesem Gc-
biete thätig siud, und aus deren Ciseliranstalt bereits
mehrere junge Mänuer (Mayer, Frauk, Holl, Liud
u. A.) hervorgegangeu sind, welche theils alS Lehrcr
im Fachc der Metallurgic, theils alS artistische Leiter
vou Fabrikeu ivirken und sich aus der letzteu Pariser
Ausstellung durch ihre Ciselirarbeiten rühmlich hervor
gethau haben. Die von Kosch geleitete chemisch-
technische Versuchsanstalt bringt den Brvnzeiudustrielleii
alle diejenigen Verfahrungsweisen uäher, Ivelche sich
auf die für sic sv wichtige Patiuiruug beziehen.

Vvu den geschilderteu Fvrtschrittcn und Leistuugeu
unserer Brouzeindustrie hattc mau in Wien noch bis
vor Kurzem nur eine undeutliche Vvrstcllung; erst die
Ausstellung der Brvnzcindustrie-Gesellschaft und die letzte
AuSstelluug der Künstlergcnvffeuschast haben unserem
Publikum gezeigt, welche Bedcutnng dieser Jndustrie-
zlveig geivvnucu hat; und bei der letzten Pariser Wclt-
auSstelluug ivurde diese Bedeutung auch dem srauzö-
sischcu Publikiim nahe gerückt uud Vvn der europäischen
Preffe rühmend anerkannt.

Aus eiuen Punkt muß hier noch besoudcrs hiu-
gedcutet werden, welcher für die gesunde Entlvickelung
des ganzen Kiiustzweiges außcrordentlich Ivichtig ist,
nämlich auf das Handinhandgehen der industricllen
und der künstlerischcn Kreise. Nichts hat der ge-
sammteu deutscheu Brvnzeiudustric mehr geschadet, als
die Borstclluug, daß der Bronzeguß nur für die mo-
nuinentale Kunst da sei: eine Jdee, Ivclche unter An-
derem auch iu Wieu bci der Gründung der k. k. Erz-
gießerei maßgebend tvar. Akan glaubte seinerzeit weiß
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