Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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15. Zahrgang.
Beiträge

find tN, j?rof. Dr. L. von
Lützow (Mien, There-
sianunigosse 25) oder an
die verlogstzandlung in
^-^ipzig, Gartenstr. 6,

27. rNai

Nr.ZZ.

Inserate

kr 25 j?s. sür die drei

,880.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.

bildende Runft" gratis ; sür sich allein bezogen kostet'der gatzrgang y lNark sowolst ini Buchtzandel als auch bei den deu^chen ^

und österreichischen j^ostanstalten.

— Neue Vrganisation der obersten Baubebörde in j?reußeni ?:e verwaltung der Münchener j?inaköttzek. — j?reisvertheilungen aus
2lnlaß der gabresausstellung im Miener Rünstlerbause. Makart's Diana verkaust. — Zeitschristen. — Inserate.

?ahresausstcllung ini Wicncr Rüustlcrhausc.

II.

Das Ercignis; des TagcS ist Prof. HanS Matart'S
»euestcS graßcs Bild: „Diana". Dnrch Ausnahme dcS-
seldcn in dic ain 15. Mai cräsiin'tc zwcitc Abtheilnng
i)at dic Jahrcsansstcllnng des KiinstlcrhanseS einc An-
iwhnngSkrnst gewonncn, Ivclchc den schvn rcckt spärlich
gcwvrdencn Bcsnch wiedcr niächtig bclcbcn wird. DaS
Awa 2oFnßhohc nnd libcr 3üFnß brcitc Bild niniint dic-
iclbe Stellc nn der Hanptwand dcS großcn Saales cin,
wclche ivährend der erstcn AuSstcllungshälftc dcr „Tita-
"ciikainps" Gricpcnkerl'S füllte, nnd lcnchtet gleich an
^cr Eingangspfortc dcS HanseS dcn Bcsuchcrn cntgcgen.

Makart hat von sciner koloristischen Krast tänin
t^nials ein eniincntcres Zengniß abgelegl als dnrch
incses Wcrk. Und nin daran glcich cinen zweiten Bor-
äng scincr jiingsten Schvpsnng fast vor allen sriiheren
^uzureihen: cr hat hier den Grundansorderungen an
^c Kvniposition in überraschcnder Weise Gcnüge gethan.
^cr Vorgang ist bis in's Einzelne vcrständlich, die
^crtheilnng auf der Fläche wie nach der Ticfe hin
^dellos; nirgcnds eine llnklarheit, nirgends lleber-
^dnng. llnd dabei die clcmcntare Gewalt des Talents
^Mg ungeschwächt, das Ganze in sciner Wirkung von
^ciisielben unlängbaren 8ieiz, welcher allen Werken des
hvchbegabten Vteisters eigen ist, trop niancher Flüchtig-
Eciten in der Aussiihrnng, die sich anch hier wiederbolen.

Makart führt nns die Göttin der Jagd in voller
^itivn vor, an der Spitze ciner Schaar von kurzge-
iwiirzten Gefährtinnen einen niächtigcn Hirfck ver-
wtgcnd, ivcickcr in den Flnthcn dcö Mccres scine

Rettnng sncht. Von dcr linken Seitc stiirmt die Jagd
hcran, ebcn ans deni Dnnkcl dcs Waldes hervor-
brcchend, desscn Schattcn den Hintergrund dcr lichten
Gestalten bilden. Allen vvran zicht die Ivnchtigc,
rothgewandete Gestalt dcr Gvttin die Blickc ans sich;
sie wehrt mit der Linkcn das Vorhaben eincr der
Jbrigen ab, Ivelchc sich zuin Bogenschießen anschickt,
nnd schwingt niit dcr stiechtcn frvhlockend dcn Specr
gcgen das in dic Fluth gehetzte Wild. Die andern
Gefährtinnen schaucn gespannt dcni Vvrgange zn, dic
Einc — in gelbcin Gewande - init Gewalt dic Ntcnte
znrückbaltcnd, ivelche Micnc niacht, dcni Hirsche nach-
znstürzcn. Uni dicsen aber habcn sich inzwischcn die
aufgeschcnchtcn Ncre'idcn vcrsaniniclt und snchen ihn
vor seinen Bcrfvlgeriunen zu schützen: ein rcizvvlles
Enscnible ncckischer Gestaltcn, schwellender, sich kauern-
der, ebcn anftauchender odcr den Wvgen sich an-
schmiegcnder Mädchenleiber, cin anmuthiger Cvntrast
gegen den Ansturm der Jagd und das in Todesangst
vvrdrängende Thier. Das schroff abfallende, dicht
bewachsene Gestadc läßt rcchts einen Blick in die Ferne
frei, auf eine blauende Bteeresbucht, von leuchtendcn
Felsufern begrenzt — ein malerischer Glanzpunkt des
Bildes. Abcr noch fesselndcr in den Dctails und von
größter Bedentung siir das Werk als Ganzes ist der
niit staunenswerther Bravonr gemalte Wald niit seiner
tropischen Begetation. Das ist dic rechte Scenerie für
cinen Vorgang ans der Götterwelt! Leidcr steht die
Charakteristik der Hauptsigur uud ihrer Bcgleiterinnen
in Tppus und Ausdrnck nicht anf gleicher Höhe; da
tretcn die Reniiniscenzcn an cinige skadtbekannte Sckön-
beiten bänsig in störender Weil'e bervor: „Die ick rief,
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