Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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15. )ahrgang.
Beiträge

Eützow (Wien, Tbere-
sianumgasse 25) oder an
die verlaasbandlung in
Leipzig, Gartenftr. 6,
zu richten.

2q. Iuni

Nr.Z7.

Inserate

ü 25 j)f. sür die drei
Mal gespaltene ssetit-

1880.

Veiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.

Erscheint non September bis Iuli jede woche am Donnerftag, von Zuli bis September alle Cage, für die Abonnenten der „Zeitschrift für
bildende Aunst" gratis,- für sich allein bezogen koftet der Iabrgang 9 Mark sowobl im Buchhandel als auch bei den deutschen

und österreichischen ssostanstalten.

Inhalt: Ausstellung von Bucheinbänden im westerreichischen rNuseum. - I- tessing, Die ^ilberarbeiten von Anton Lisenhoit; L). Bender,
Bom und römisches Leben im Altertbum; Die neue Vasari-AusgabeRunstgeschichtliche Ruriositäten. — Tbeodor Gudin -j-; ^ältzer -j-;
Runsthändler Börner -j-. — Berliner Aunftgewerbe-Museum; Neue Grwerbungen der k. Gemäldegalerie in Dresden. — Die Frage über
den weiterbau des Ulmer Münfters; Das Denkmal Lduard Mörike's; Das Denkmal Schumann's. - versteigerung der Gemäldesanim
lung Hooft van woudenberg van Geerestein. — Zeitschriften. — Injerate.

vom I. Inli bis Lildc September wird dic Kuiist-
chronik uur alle zq. Tage ausgegebeu, also am tö- »ud
Iuli, am ^2. uud 26. August, am g. uud 25. Scptembcr.

Ausstcllung vou Bucheiubäudcu im Oestcr
reichischeu Museuni.

Wien, iiu Juni 1880.

Die Direktiou des Oesterreichischen Mnseunis hat
durch die am 18- April d. I. ersolgte Erösfnung einer
Ausstellinig don Buchcinbänden einen lange gebegten
Plan verwirklicht, desseu Ausfiihrung sick bisber niannig-
sache Hindernisse entgegengestellt hatten. Währcnd
bes Friihlings und Sominers jedes Jahres ivird das
Aiuseuin vvn nun au zwei seiner Säle den Erzeug-
nissen des cinen vder anderen Geiverbes offcn halten,
daö an den reformatorischen Bestrebnngen der letzten
Jahrzehnte in geringerem Maße oder vielleicht nocb
gar nickt theilgenommen hat. Ein solches Zurückbleiben
eiues Zweigcs der Knustindustrie läßt stch keineswegs
allein darans erklärcn, daß die eigentlicken Motoren
ber inodernen Knnstbewegung noch nicht aus den Pro-
biicentcu gewirkt haben, sondern die Theilnahiulosigkeit
bes Pnblikniiis, dem noch das Bedürfniß für die Ver-
^dlung mancher Dinge fehlt, trägt einen eben so großen
Ä)eil der Schnld. Dnrch diese Ansstellnngen soll so-
ll'ohl daö Piibllknin belehrt als auch der Fabrikant
^ngeregt iverden.

Der Zwcck gebietet cine gcwisse Beschränkung.
kann nicht daraus ankomiiien, eine Samiulniig
nlter Prachtstücke, die anch zu ihrer Zeit eine Aus-
Nahme gebildet hatten, zusammenzubringen; ja äbn

liche Bersuche sind gerade durch dieses Streben um
den Erfolg gebracht wvrden. Aber man wird einer-
seits mvglichst vollständig die historische Entwickelnug
des betreffendeu Gcwerbes durch sorgfältig gewählte
Beispiele zur Anschailiing bringen müssen nnd zugleich
dcr heutigen Jndustrie passeude Muster zu bieten haben,
an welche anznknüpfen ihre Kräfte nicht übersteigt,
andererseits durch mvderne Arbeiten den heutigen Zu-
stand des Gewerbes illustriren, dabei sowohl inlän-
dische als ansländische Erzeugnisse vorlegen, um eine
Vergleichnng der Leistiingen zu ermvglichen.

Die Aussteltnng von Bncheinbänden, welche von
Mitte April bis Ansang Oktober diescs Jahrcs dauern
soll, wurde diesen Grnndsätzen eutsprechend anfgestellt.
Die Buchbindcrei ist cin modernes Gewerbe, das sich
erst am gedruckteu Bnche entwickeln konnte. Die be-
rUhmten Einbände altcr Codices gehvren meistentheilö
der Goldschmiedetunst au. Es wurden daher Mctall-
arbeiten des Mittelalters, theils Originale, theils Re
produktionen, in geringer Anzahl ausgestcllt, mehr nin
zu zeigen, was die Buchbinderei zn überivindcu hatte,
als um die verschiedenen Arten dieser Vi'etallarbeite»
zu veranschanlichen. Daran wurdcn eiuige in Lcder
gebnndene Eodiccs mit romnnischen und gothischen
Metallbeschlägen gefügt, auch ein Pnlttästen mit solchen
Beschlägen gefüllt, wcil diese Art dcr Deckenverzierung,
vvn der Rcuaissance künstlerisch umgebildet, bis heule
nachwirkt. Das Leder ward mit Sammet vder andcreu
Geweben vertauscht, die schwerfälligen Kupferbeschläge
mit zarter ciselirter und emaillirter Goldarbeit. Vor-
trefsliche Beispiele dieser Art, theils aus dem Besitze
des Museums selbst, theils aus derAmbraser-Sammlung,
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