Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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^5. Iahrgang.
Beiträge

sind an ssrof. Dr. L. von
Tützow (wien, There-
sianunigasse 25) oder an
die Verlagshandlung in
keipzjg, Gartenstr. 8,
zu richten.

8. April

Nr. 26.
Inserate

1880.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.

lnldendc Runst" gratisst für sich allein bezogen kostet^der ^akrgang 9 Mark sowobl iln Buchhandei als auch bei den deutschen

und österreichischen silostanstalten.

^nliol, ;ranz kenbach's neueste porträts. — Aus der Oresdener Gemälde-Salerie. — R. Bernl,. Stark's tzandbuch der Archäologie. — Diissel-
dorfer Uunstakademie. — Düsieldorser Aunst- und Industrie - Ausstellung, Salon Miethke in wicn, tzobenzollern Museum in Lerlin ,
Mnseun, van der yoop in Anisterdani, Die ö-t. städiische moderne Aunstänsstellung in Ainstcrdam. — Aus Blvinpia, Berlin 1 Alisbau der
Gewcrbe-Akademiei Aronleuebter für das Münchcner Aathbaus. — Berichte l'0 m Aunstniarkli Die versteigcrung der Samnilung
Deniidoff in San Donato. — Beuigkeiten des Luch- Ulld Aunstbandels — Zeitschriften. — Berichligilllg. — Inserate.

-

Franz Lenbach's neuesti.' porträts.

Wie in eincr Neti; bereits gemctdet. hat Fran;
^enbach Berlin zu seinem rwrnbcrgehenden Ausenthatts-
°Ae gemacht und gedentt in dcm behaglichen Atetier,
ihm im Ministcriuni des königlichcn Hauses cin-
lleräunit ist, cine Reihe zum Theil schon bcgonnener
^öerke zu vollenden.

Cines von dicsen, das Porträt des Fürstcn Bis-
>»arck, zieht iu der Nationalgalerie, deiu Orte seiner
^estinininng, die Angcu allcr Besucher niit Gewalt
»»s sich. Lcnbach stcigert hier alle dieienigen Qnali-
bsteii, durch die cr seinen Nanicn zu den glänzendsten
»»ter den modcrnen curopäischen Bildiiißkiinsttern gc-
»>acht hat, aus das Äußerste. Es kain ihm anck hier
Wieder osfenbar nur darans an, das W es en dcs großen
^iaatsuiannes zn uns aus deni Bilde mit inöglichster
^»tlichkcit sprcchen zn laffen. Jedcn anderen Esi'ekl,
der kleinere Künstler nur zu gern niit ;u dcr
Ä-sirkung seiner Bildniffe herbcizieht, ließ er niäw bloß
i»'i Seite, sondern vcrschmähtc ihn ganz absichtlick.
Äicht einnial die Hand, Ivelche übcr die Stuhllchne
^s! den Schlapphut hält, ist sorgfältig ausgefübrt.

Fürst ist ini bcgucnien Hauskostüin bis zu deu
^"iecn sichtbar; ein zugeknöpftcr dnnkler Tuchrock ohne
't-aillc, cin weißcs Halstuch bilden den ganzen, nur
^»läufjg behaudelten Anzug. Aber aus dem in ruhiger
issier Hnltnng dastehenden Körper crhebt sich das gcwal-
sisw Hanpt, dem dcr Maler alle die Züge einznprägen
^»standen hat, Ivclchc dic Mitioelk mil dcni stkanien
eiscrnen Kanzlcrs verbindet. Das sast on lücw
A'haltcnc inäckstige Anlliß sckwint uns zu sagen: dort

liegt das Ziel, ich kenne dic Mittel, es zu erreicheu,
und ich werde es erreichen — selbst wcnn nianches
dabei bricht. Das Unbehagliche, das eine solche
Sprache in dein Zuschauer erweckcu inuß, wird wesent-
lich gemildcrt dnrch jenen Zng vou Bonhoinmie nnd
Huiuor, dcr ja auch für des Fürsten Wesen bezcichnend
ist und schonManchen niit scinerHärte lvieder annähernd
versöhnt hat. Jrrc ich nicht, sv wird Bismarck in dcr
Gestalt, Ivic ihn Lenbach hier anfgesaßt hat, bei dcr
Nachwclt sortleben, Ivie uns z. B. Tizian den sünften
Karl nnd Van Dyck den unglücklichen Stuart noch jetzt
deutlicher vor Augeu sührcn, als es der geschickteste
Biograph mit Worten zn thun iin Stande ist.

Wie wir den großcn Dichtcr für dic Wahl seiner
Stosi'e vcrantwortlich inachen, so rechnen Ivir auch dem
Bildnißinaler seine guten oder nnbrauchbaren „Origi
nale" zuni Verdienst vder Fchlcr an, — ivvhlvcrstan-
den dei» Bildnißmaler, sofern er eben cin Künstlcr
sein will. Es scheint für Lenbach ein Hauptreiz zu
scin, dic wirklicb erhabenen Eigenschaftcu dcr „Großen"
herauszusühlen nnd sie niit wenigen breitcn, inarkigen
Ziigen zur Darstellung zu bringen. BiSmarck und
Moltte haben cs ihn, abcr hanptsächlich angethan.
Von dem Reichskanzler hat er znr Zeit noch ein
zweites Porträt in Arbcit, aber in völlig audrer Anf-
saffnng. Der Fürst sitzt hier in seinein Kürassicrüberrock
auf cineiii Stuhle und macht in Dreiviertel-Profil einen
finsteren, abcr wenigcr niederschniettcrnden Eindrnck.
So etwa mag nian sich ihu deuken, wenu niau einen
Bericht über seinen Verkehr mit den Parlanicntariern
liest. Und in der That läßt ja jede Persönlichkeit
niehrere Ausi'affungen zn, ivie viel niehr eine so ge-
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