Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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15. Iahrgang.

Beiträge

sianumgasse 25) oder an
die verlagshandlung in
Leipzig, Gartenstr. 6,
zu richten.

12. August

Nr.^i.

Inserate

ct 25 L)f. sür die drei
Mal gespaltene j?etit-
zeile werden von jeder
Buch- u.Aunschandlung
angenonimen.

1880.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.

Erscheint von ^eptember bis Iuli jede woche am Donnerstag, von ^iuli bis September alle Tage, für die Abonnenten der ,,Aeitschrist für
bildende Kunst" gratis; für sich allein bezogen koster der ^abrgang 9 lAark sowcchl im Buchhandel als auch bei den deutschen

und öfterreichischen postanstalten.

Inhalt: Die Dresdener Kunstausftellunq. — A. ^chricker, Tobias Stimmer's ^traßburgcr Freischießen vom Iahre !576; A. D7. Ambros, Aus

Ro. 42 dcr Kunst-blironik crichcint am 26. Aiigiist.

Dic Drcsdcuer Aunstausstcllung.

Dresden, im August 1880.

Jn dcn letzten Monaten kehrte die alljährlich von
der k. Akademie der bildenden Künste veranstaltete
Ausstellnng wieder. Dieselbe bietet ca. 360 Werke,
barnnter jedoch nnr eine kleine Anzahl, welche ein
lvärmeres Jnteresse einzuflvßen im Stande sind. Diese
wenigen gelnngeneren Wcrke rühren, bei dem mehr
lokalen Charakter nnscresSalons, meist von einheimischen
Künstlcrn hcr, wie von Hähncl, Schilling, Grosse,
Kießling, Pohlc. Wie die Ausstellung erweitert
und die Theilnahme insbesondere der auswärtigen
Künstlerkreisc an derselbcn erhöht werden könnte, diese
Mage ist neuerdings vielfach diskntirt worden, manches
nuch ist znr Hebung des Ansstcllungswcsens geschehen,
vhne daß jedoch bis jetzt ein günstiges Resnltat erzielt
chvrdcn wäre. Möglich, daß diesmal die Gleichzeitig-
Ivit der Düsseldorfer Ansstellung von nachtheiligem
^influß aus die unserige war. Daß man, gegen das
Princip, ältere Werke ans dem Privatbesitz, wie Kau l-
^'nch's Entwurf zum stlerv n. A., mit ausgestellt hat,
^ird bei so bcwandten limständen gerechtfertigt er-
Icheincn.

11m mit den Figurenbildern nnscre Revue zn be-
Iuinen nnd zwar mit denen, welche man dem histo-
^ischen Fache im weitcrcn Sinne zutheilt, so ist, da
^ie Kaulbach'sche Komposition bcreits vielfache Bc-
huechung gefnnden, zunächst ein größeres Gemälde von
^vof. Grosse hervorzuheben. Dasselbe sckildert nall'

Dante's Göttlichcr Komödic, Fcgcsencr, Ges. 2, den
Moment, in welcheni Dantc und Virgil, zum Büßer-
lande emporgestiegcn, dort bei Sonnenaufgang am
Meeresstrande die Landnng der abgeschiedencn Seclen
erblicken. Jndem der Künstler den besten Traditionen
unserer deutschen Historienmalerei folgte und das
Hauptgewicht auf die Zeichnnng legtc, ist er mit großem
Schönheitsgefühl, in wohl abgerundcter, fignrcnreicher
^omposition und lebendiger, klarer Charakteristik dem
Motive gcrecht geworden. So edcl in seincr Ruhe
der himmlische Pilot gedacht, „dcr Seligkeit trug auf
der Stirn gcschrieben", eben so schön belebt, bewegt und
grnppirt ist die auf dcn Strand sich stürzende Seelen-
schaar. Das Bild ist sreilich nicht ganz nach dem
modernsten Recepte gemalt, anch inclinirt das modcrne
Ausstellungspublikum mehr für Boecaccio als für
Dante, was aber dic Vorzüge der Arbeit nicht becin-
trächtigen kann und den Mnth des Künstlers, sich eine
derartige Anfgabe zu stellen, wie seine ernste Hingabe
an dieselbe nur uni so anerkennenswerther macht. Noch
hat Grosse ein Aguarell mit mythologischen Figureu
ausgestellt, „Mceridyllc" bctitelt: ein anmuthiges Spiel
der Phantasie, nach welcher Richtung hin des Künstlers
reiche Begabung sich schou in früheren Arbeiten auf
das Glücklichste bcthätigte. Prof. Lindenschmit iu
München giebt ein Gretchen, deren Carnation jedocki
an eineni zu manierirten rosigen Tone kränkelt. Ein
zweiter Münchener, Aug. Spieß, malte, ebenfalls in
einer Halbfigur, die Romanze: ein in Form und Aus-
druck edeles, schönes Wcib; unr ist dic Farbe uicht
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