Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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(5. ^ahrgang.

Beiträge

smd an j?rof. Dr. L. von
Lützow (wien, There-
smnumgasse 25) oder an
öie verlagshandlung in
^^ipzig, Gartenstr. 6,
zu richten.

20. Mai

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kun

Nr. I2.

Inserate

a 25 j)f. für die drei
Mal gespaltene j)etit-

,880.

st-



Die neue Aunstschule in Berlin.

Berlin, im Mai 188V.

Die Veniachlässigung und Geriugschätzung des
^iinstgewerbes, wie sie Hand in Haud mit der Degene-
^ation des gesammten Kunst-Geschmackes bis vor etwa
2^-3 Jahrzehntcn in ganz Europa herrschte, ist anch
luer schon längst cincm rcgen nnd erfolgreichen Arbciten
^uf diesem Gebicte gewichcn. Warcn wir Berlincr
vuch wohl die letzten unter den enropäischen Groß-
siädtern in dcr Nenbelebnng ciner von der Kunst in-
lsirirten Jndustrie, so haben wir es uns doch angelegcn
^üi lasscn, das zu langc Versänmte in desto sckmellerem
^einpo einznholeii. Unscr kunstgewerbliches Museum
i'ietet cinen im Bergleiche zu der knrzcn Zeit seines
^eitehens nnverhältnißmäßig reickien Jnhalt; es ist zn
^vffcn, daß derselbe noch binncn Zahrcsfrist ans den
pwvisorischen Räuinen der altcn Porzcllanmaniisaktur
den von Grvpins hcrgerichteten Prachtbau an der
^viiiggrätzcrstraße wandert, dcr jetzt seiner Vollcndnng
^tgegenreift und bald unsere speziellcre Ansmerksam-
^it in Ansprnch iiehmen wird.

Jnzwischen wird nnscr Jntcresse ans cin andcres,
^eiuselben Zwccke diencndes Jnstitut gelenkt. Dcr statt-
üche Rohbacksteinban, dcr sich in dcr Klosterstraße
^vische» demLagcrhausnnd kem „GranenKloster" nnscrn
^licken präsentirt, die nene Knnstschule, ist iinter dcn
^"Ititntcn, welche der Hebnng nnd Vercdelnng unscrcs
Eiiiiltgcwerbcs dienen sollcn, das zuerst in seiner neiien
8vr», fertiggestcllte. Da diese schon längft bestehende
und blühende akademische Lchranstalt mit dem neuen
srächtjge» Gewandc, das sie eben angelegt hat, gewiß

anck einen iieuen Aufschwung ihrcr Thätigkeit, eine
Bereichcrung ihres inneren Lebens erfährt, mag es dien-
lich sein, Zweck nnd Bedeutnng dersetben knrz zn
charakterisiren.

AlsZ cichenschul e schon unterFriedrichWilhclin II.
gegründet und bereits damals in enge Verbindung mit
der Kgl. Akademie der Künstc gcsetzt, crhielt sic im
I. 1869 ihre jetzige Form, als Martin Gropins die
Leitung der Anstalt übernahm. Jhrem alten iBernfe,
denjcnigen Künstlern Gclegenheit zur Ans- und Wcitcr-
bildung zu gebcn, die cntweder nicht ihre ganzc Zeit
den Stndicn widmen können, oder solchen, für wclche
in der Akademic der Künste kcin Platz ist (Dctorations-
maler, Musterzcichner, Lithographen, Phvtographen,
Medaillcure, Ciseleure, Juwcliere, Stuecatenre rc. rc.),
blieb sie trcn: nur wurde der Lehrplan wescntlich er-
wcitert nnd zweckmäßiger gestaltct. Das Hanptgewicht
wnrde auf die Ornainentik gelegt. Es wird znnächst
die geschichtliche Entwickelung dcrselbcn gelehrt, nin ein
genaues Verslehen nnd strenges Anseinanderhalten der
Stile zn bewirken. Ferner sind zahlreiche Uebungen
nnd IIntcrrichts-Kurse im Zeichnen, Tnschen nnd Modcl-
liren der Ornamente cingerichtet; man lehrt, das Flach-
relief i» dcr schattirten Zeichnung so wie in Farbe
wiederzugebcn; ein bcsondcrcr Nachdrnck wird dabci anf
das Malen mit abgesetztcn Tonen gelcgt. Zu diesem
Zwecke ist cs dcm Dircktor Gropius gelnngen, nach nnd
nach eine Reihc dcr tüchtigstcn Krästc Bcrlins zu ge-
winnen: es wirkcn in dem eben genaiintcn Sinne n. A.
die Herren Cremer, Kaselowsky, Gosch, Noth-
nagel, Gerstlcr. Architektonisches Zeichnen und far-
bige Dekorationen lehren die Herren Professor Shiel-
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