Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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Kunstliteratur.

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terresaal rechts ausgestellt sahcn, ahmte er sarbige
Glasur nach, ebeufalls mit scinem Sinu und schla-
gendeni Effekt. Die Fragc der Polychromirung vou
Bildwerkcn ist durch diesc Beispicle, wenigstens sür den
»wdernen Stil, thatsächlich gelvst. Auch der junge,
seit einigeu Jahren in Paris lebendc österrcichische
Bildhauer I. Beer und Alois Löhcr, ein begabter
Schüler von Prof. Zumbusch, haben eine Anzahl ge-
lnngener Porträtbüsten beigesteuert. In der kleinen
Plastik excellirt wiedcr Arthur Strasser durch meh-
rerc köstlichc Eharakterfiguren, denen Pros. S>. König
»nd A. Kühne ihre rcizend crsundenen und streng
durchgebildcten Statucttcn an die Scite stellten.

In dcr Abtheilung dcr Handzeichnungen nnd
Agnarcllc zvgen außer den stcts feffelnden Leistungen
N. Alt's namentlich dic mit staunenswerther Detail-
malerei und zarter Empsindung durchgesührtcu Pe-
duten von M. Mayer aus Jnnsbruck unsere Anf-
inertsamkeit auf sich. Die Ehre der vervielfältigenden
Künste wnrde durch unsere rührige Gesellschaft und
den Redaktenr ihrer Vereinszeitschrift gerettet, welchc
ihrc Portcfeuilles ausleerten und cinzelnes Neue vom
Tage nebcn manchem Bekannten, doch gern wieder
Gesehenen zur Anschannng brachtcn.

Aunstliteratur.

Statistisches Handlmch für Kiinst und Kunstgewcrbc im
Dcutschcii Rcich. 1880. 'Berlin, Weidmann'schc
Buchhandlnng. IV u. 311 S. 8.

Der crstc nnd im Wesentlichen recht gelungene
Bersuch einer statistischen Aufnahmc sämmtlicher Kunst-
institutc, Galerien, Sanimlungen, Akadcmien, Künst-
bereine und sonstigen, dem künstlerischen und kunstge-
werblichcn Lebcn dienenden Anstaltcn des Deutschen
Neiches.

Die Darstellung beginnt vvn Rechts wegen mit
der einzigcn hierher gehörigcn Reichsanstalt, dem früher
prenßischen, jetzt kais. dcntschen Jnstitut für archäo-
Ggische Korrespvndenz in Rvm, deffen treffliche, aus
Anlaß des vorjährigen Jubiläums erschienene Ge-
jchichte von Prof. A. Michaelis wohl zu notiren ge-
wesen wäre, und wendet sich dann den Kunstsammlungen
der dentschen Städte zu, welche in alphabetischer Reihen-
fvlge aufgezählt werden. Jn die öffentlichen Kunst-
saminlungen. welche natürlich allein in Frage kommen,
ist anch der Privatbcsitz der regierenden Häuser ein-
gerechnet. Bei nähcrer Bctrachtung zeigt sich hier nun
Feilich, daß die Behandlnng des Gegenstandes eine
sehr ungleichartigc ist. Wie das Vorwort uns erklärt,
>varen die Herausgeber eben anf die jedesmalige Be-
»ntwortung ihrer an die Sammlimgsvorstände gerich-

tcten Fragen angewiesen nnd sahen sich von diesen
oft nur mangelhast bedient, während in anderen Fällen
das Eingesandte über das Maaß des von dem Hand-
buche zu fordernden hinauswuchs. Der Leser wird
indeffcn für alles Gebotene dankbar sein. Aus diescrZu-
samnienstellung ersehcn wir, daß Dentschland 21 Samm-
lungen für ägyptische nnd klassische Alterthümer (in
Originalen), 12 gemischte archäologische Sammlungen,
58 Gemälde-Galerien (die Bilder in den Dessauer
Schlössern als eine Sammlung gerechnet), 60 Samm-
lungen für Kunst- nnd Kulturgeschichte, 27 Kunst-
sammlnngen gemischten Charaktcrs, 31 kunstgcwerblichc
Museen und Sammlungen, 40 Kupferstich- und Hand-
zeichnungs-Sammlungen, 35 Münz- nnd Medaillen-
Kabinete nnd gleichfalls 35 Skulptnr- und Gyps-
abguß-Sammlungen besitzt. Nicht erwähnt ist z. B.
das Landes-Museuin zu Altcnburg (Herzogthum
S. A.) mit den bemerkenswerthen v. Lindenau'sche»
Kunstsammlungen. Als nngcmcin lchrreich, freilich vft
in beschämender Wcise, stellen sich dic Angabcn über
die Dotationen dcr Sammlungen heraus. Da glänzen
in erster Linie die jetzt reich dotirtcn Berlincr Mnsecn,
dann die Dresdener und cinzclne bayerische Samm-
lungen, wie das National-Mnsenm in Münchcn, wel-
ches für Ankäuse jährlich etwa 30,000 Mark ansgebcn
kann, wahrend z. B. die Dotation des K. Kupserstich-
und Handzeichnungs-Kabincts in München mit jährlich
etwa 5400 Mark einc wahrhaft ärmliche gcnannt
iverden muß, von der Glyptothck nnd der Alten Pina-
kothek hicr ganz zu geschwcigen, bei welcher letztercn
es lakonisch heißt: „Negelmäßige Vermehrungen sinden
nicht statt," ein Beisatz, der übrigens auch bei manchen
andcren berühmten Sammlungcn, z. B. bci der K.
Gemälde-Galerie in Kaffel, wiederkehrt. Nicht min-
der buntscheckig ist das Bild, welches uns die Statistik
vvn der oft besprvchenen Katalog - Misore entrollt,
und wir hoffen, daß gerade auf diesem Gebietc sich
der Nutzen der Vvrliegenden Publikation bald sühlbar
machcn werde. Bei zahlreichen, zum Theil berühmten
Samnilungen bestchen immer noch die ganz veraltcten,
höchstens in den Bcnennnngen da und dort verbesserten
Verzeichnisse fort. Von einer durchgängigen Bcfvlgung
der auf dem kunstwiffenschastlichen Kongreß d. I. 1873
ausgearbeiteten Normen sind wir noch weit entfernt.
Bei einzelnen Mnseen, anch solchen, wclche sich eines
langjährigen ruhigen Bestandes unter wiffcnschaftlich
sonst bewährter Leitung erfrenen, finden wir das naivc
Eingeständniß: „Kataloge und Jnvcntare fehlcn bis-
her." bloining. snnt oäiosn.

Es folgt sodann die Uebersicht der Lehranstalten.
Voran stehen die 20 deutschen Universitäten, an wel-
chen Lehrstühle für Archäologie, Kunstgeschichte und
Aesthetik gegründet sind, und die theolvg.-philos. Aka-
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