Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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15. Iahrgang.

Beiträge

find an j?rof. Dr. L. von
Lützow (lvien, There-
stanumgasse 25) oder an
dte verlagshandlung in

22. April

Nr. 28.
Jnserate

c> 25 ssf. für die drei

zeile werden von jeder
Buch- u.Runsthandlung
angenommen.

1880.

Veiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.

Erscheint von Leptember bis Iuli jede Woche am Donnerstag, von Iuli bis September alle Tage, für die Abonnenten der „Zeitschrift für
bildende Runst^" gratis; für stch allein bezogen kostet der Iahrgang 9 Nlark sowohl im Buchhandel als auch bei den deutschen

und österreichischen j)ostanstalten.

^^i?alt: Ausstellung von Gemälden alter Meister in tondon. — Rorrespondenz: Dresden. — Franz Meyerheim -j-; 2lugust Hagen -j-; Antonie
Biel -j-; Theodor Gudin -j-. — H. weishaupl: Die Perspektive des Malers; T. .^liesen: Grundzüge der sreien Perspektive; Die geo-
metrische j)erspektive; Die orthogonale und perspekrioische Schattenkonstruktion. — Bamberg. — Zeitschristen. — Znserate.

Ausstellung von Gemälden alter Aleister
in London.

Der diesjährigen Winterausstellung don Gemälden
alter Meister in Bnrlington House kann mit Recht
Uachgerühmt werden, daß sie ebenso lehrreich wie unter-
haltend sei. Die lichten weiträumigen Säle bieten
^elegenheit, kleine wie große Gemälde so auszustellen,
sie dem entsprechend, wie sie es verdienen, von
^aien nnd Kennern gesehen und nntersucht werden
kvnnen — ein Bortheil, welchen diese ephemeren Aus-
lkellungen vor den meisten permanenten Galerien vor-
aushaben. Zwar gehören nicht wenige der jedes Jahr
^ den Räumen der Ilo^al Xcaäsinv ausgestellten
^emälde Privatsammlungen von bewährtem Rnfe
au, deren Besitzer den Zutritt unter gewisien Bedin-
Zungcn gern gestatten, aber man wird leicht begreisen,
^uß ein gewiffes und klares Urtheil meisl nur unter
^rartigen äußeren Bcrhältnissen möglich ist, wie sie
^En in den Winteransstellungen geboten sind. Hier
'lk traditionelles Princip, so viel wie thnnlich die ver-
Ichiedenen Schulen aus die einzelnen Säle zu vertheilen.
kkudem wir uns in der folgenden kurzen Rundschau
Ewfach darauf beschränken, nur hervor-ragende und
^"stgeschichtlich mteresiante Gemälde zu nennen, über-
Zehcn wir zunächst die im erstcn Saal ausgestellten
^erke englischer Aleister ans dem Anfang dieses Jahr-
hunderts. Jm folgenden Saal der niederländischen
^teister fällt uns zunächst das Brustbild cincs jungen
NianneS auf, das Gesicht sn tllco, kurzer blonder Bart,
dem Kopfc ein breitkrämpiger Hut (oval, auf Holz
3dnialt). Besitzer des Gemäldes ist Earl Sidney, in

desien Sammlung dasselbe bescheidentlich als „Schule
Rembrandt's" bezeichnet ist. Aller Zweifel über den
Ursprung dieser ausdrucksvollen und solid gemalten
Rembrandteske enthebt uns die allerdings etwas un-
deutliche Signatur:

Illlinoll ll
1659.

Zwei merkwürdige lebensgroße Porträts (Knie-
stücke) stammen aus der Sammlung von W. Strat-
ford-Dugdale, Esq. Das eine derselben, Nr. 55, trägt
die alte Aufschrift: Nar^sr^, vvits ok8r. stVin. Ou^-
äals. Die Dame, in dunkle Gewänder gekleidet, sitzt
aus einem Armstuhl und hält ein Taschentuch in ihren
Händen. Das andere, Nr. 59, stellt ihren Gemahl
dar, Sir William Dugdale, einen berühmten Archäo-
logen und Hofmann der Restauration, Berfasser des
Llonastison Xu§Iionnum. Hier lautet die Bezeichnung:
(lulislinns Ou^äals, Hsx L.rmorunr OoAnoinsllto
Xorro^. Xstat. UX. nnnoruni, 14^ tzsptsinbris,
X. v. 1665. Lorssslsr. Diese Signatur be-
reickert die holländische Künstlergeschichte mit einem
neuen Malernamen. Pieter Borsseler malt in der
späteren, nicht eben ansprechenden Manier eines Maes,
die Auffasiung ist etwas steif nnd befangen. Man
wird nach weiteren Spuren dieses in England eingc-
wanderten Meistcrs wohl mehr hier als in seiner
Heimath nachzuspürcn haben; Walpolc kannte ihn nicht.

Von ähnlichen Dimensionen ist das Porträt eines
jnngen Mannes, Rnbens zugeschrieben, aus der Samm-
lung des Viscount Midleton ('Nr. 61). Der Dargc-
stellte ist su kllos gesehen. Der linke Arm lchnt auf
einem Pilaster, während dic Hand Handschuhe zu-
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