Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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Korrespondenz.

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werden dnnn weiterhin zwei Möglichtciten znr Wnhl
gestellt: entweder dic direkte Uebertragung an einen
renommirten Baumeister oder das -Konkurrenzverfahren;
lvobei nur in seltenen Ausnahmefällcn („wenn es sich
mn einc originelle Grundidee des Projektes handelt"),
bie allgemcine vffentliche Konkurrcnz anznwenden sei,
sonst aber die auf mchrerc in gleicher Weise zur
blebcrnahme des Baues geeignetc Architekten be-
schränkte.

Wenn schlicßlich die Denkschrift die sinanziellen
Garanticn bci folchen Unternehmungcn darin findet,
daß der dcn Bau übcrnehmende Architekt für die
Einhaltnng des Bertrags mit scinem Vermögen zu
l'ürgcn hätte, so darf man wohl fragen, wie viel
Ärchitektcn in Prenßen es giebt, die bei größercn Staats-
l'anten den zlvciten Theil dieser Bürgschast zu erfüllen
dermogen, und ob es wünschenswcrth ist, daß die engere
Wahl anf diesen kleinen Kreis bcschränkt bliebe?

Da indessen die Dcnkschrift diese positivcn Bor-
schläge selbst nnr sehr dubitativ hinstellt („es lohne
sich, cinen solchen Bersuch zu machen"), so wollen Ivir
chnen auch cin größeres Gewicht nicht beilegen, als
^as, einige Möglichkeiten angedeutet zu haben, iim aus
vittem Znstande herans zu gelangcn, der unerträglich ist.
^>n Blick anf die mit großen Mitteln unternommenen
^ssiziellcn Bantcn der letzten Jahre lehrt, was bei dem
^tzigen Bcrfahren herauSkonimt! Um also eine ganz
schlichtc Wahrheit noch cinmal zu wiederholen: Ein
^auiverk verträgt es so wenig, wic irgend eine andere
Aiiiistlerische Lcistung, ans dem Verwaltnngswege durcb
cheseripte nnd Jnstanzen odcr gar dnrch Kommissions-
berathungen ic. fertig gebracht zn Iverden. Zu eiiiem
Äuiistiverk gehört ein Künstler, den nian dann niög-
lichst wenig geniren möge. Nicht mehr und nicht
lvcniger!

Hätte die Denkschrift auch nur das cine Verdicnst,
^ltte e,lte in ihrem Ursprunge bcrechtigte, in ihrem
'llluellen Znstandc nnerträgliche Praris erscknittert zu
tzabcn und gegenübcr dem Militarismus und der
^iireankratie das Rccht des frei schafsenden Künstlers

itt vertreten, so wäre es schon der Mühe werth ge-
^esen, so speziell hier darauf einzugehen. Hat Musik
auch bildende Kunst sich bisher vielfach dem Ber-
Mandarincnthum gcfügt, so mag es den Archi-
^ieu nachgeriihnit werdcn, daß sie zuerst unbeirrt
Traditivn und Schablvne die Scheere an den
^wsischcn Zopf gelegt habcn — selbst wenn sie nicht
tz^hut hattcn, Ivas mit diescr Frage alles zusammen-
^lgt und in welchcs festc Bollwerk sie hier die erste
^"°schc legen.

Aorrespondenz.

Düsseldorf, Ende Januar l88tt.

^-n. Die großartigen baulichen Anlagen, welche
hier für die diesjährige große Gewerbe-Ausstel-
lung für Rheinland, Westfalen unv benachbarte
Bezirke bcreits nahczu vollendet sind, lassen ebcnso
wie die nngemein zahlreich erfolgtcn Anmeldungen
des Großgewerbes und der Kunstindustrie die Erwar-
tung berechtigt erscheinen, daß tüchtige Leistungen dcm
kritischen Auge dargeboten werden sollen. Das Ge-
sainmtlerrain, welches für Ausstellungszwecke zur Ver-
fügung steht, mißt ca. 70 preußische Morgen. Die
300 m. langen und 100 in. breitcn Ausstcllungsbautcn
übertrefsen an bedeckler Bodenfläche diejenigen der letzten
Berliner Gewerbeausstellung um 6000 ütin. Außer-
dem werden noch auf dem freigelasscnen Terrain unv
in den Anlagen des als Ausstellungspark gemiethcten
zoologischen Gartens zahlrciche Anncxbautcn und Ans-
stellungspavillons von einzelnen Großindustriellen er-
richtet werden. Jn all diesen Gebäulichkeiten soll dem
Besucher cin nahezu vollständiges Bild der mannigfaltigen
Jndustrien der Schwesterprovinzen Rheinland-Westfalen
geboten werden.

In dem Ausstcllungshauptgebäiide wurde gleich
zur Linken des Eingangs der dcutschen Künstlerschaft ein
prächtiger, mit separatem Eingang versehcner Raum von
3000 Hün. zur Verfügung gestellt, um darin dic Werke
der Malerei und Skulptur, der Architcktur und der
graphischen Künste unterzubringcn, wclche zu der mit
ver Gewerbe-Ausstellung verbundcnen vierten Allgc-
meinen deutschcn Kunstansst ellung eingesandt
werden. Die deutsche Künstlerschaft wird Allcs auf-
bieten, um das Bild recht glanzvoll zu gestalten, in
welchem sie nach der langen Pause von 12 Jahren
die Erfolge ihres rastlosen Strebens vor dcm Ange
der Krilik entfalten wird. Die Führer ber Düsscldorfer
Kunstgenosscn, die Herren August Bccker nnd Ernst Bosch,
sind bereits mit ihren Kollegen cifrig bemüht, für wür-
dige Ausslattung der Aiisstcllungsränmc bcstcns zu sorgen.
Jhrer Thätigkeit werden es Dentschlants Künstler zu
danken haben, daß die den Künstwerken anzuweisenden
Plätze die Leistungen unter möglichst günstigen Berhält-
nissen zur Geltung kommen lassen und nach tieser so
wichtigen Seite hin der Erfolg der Ausstellnng gesichert
erscheint. Daß die Gewerbe-Ausstellung eine große Zahl
vermögcnder Käufer, die sonst vielleicht durch tie Kunst-
ausstellung allein nicht angezogen würden, in die Kunst-
hallcn locken wird, daß der rheinisch-westfälische Künst-
und der Kölner Museumsvercin, sowie die Konnnission
für die Ausstelliingslotterie bedeutende Ankäufe zu machcn
gewillt sind, wird für manche Künstler gcwiß cin be-
rechtigter Sporn sein, sich mit ihrcn besten Heivor-

B. Förster.
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