Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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15. Iahrgang.


Beiträge

sind an ssrof.Dr. L. von
Lützow (wien, There-
sianumgasse 25) oder an
die Verlagshandlung in
keipzjg, Gartenstr. 6,
zu richten.

5. Februar

Nr. ^7.

Inserate

ct 25 j?f. für die drei

s880.

Veiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.

bildende Runst" grati/- für sich allein bezogen kostct der Iabrgang 9^Nlark sowobl im Buchhandel als auch bei den deut^chen

und österreichischen j)ostanstalten.

^nhalt Der Gust des lviener Beetbovendenkmals. — Die Markuskirche in venedig und der englische protest geaen die Neuaufführung ibrer
F-icadk. — rlic licvicv-I tz. A. oersteyl. Dic heiligen Monogramme. — I. A. Mcßmer Tl, kandscer L. ru.

Barrv - L. Bau -. — Öreisausschreiben des Leipziger Runstgewerbemuseums. — personalnachrlchtcn. — ^ur Lrhaltung der Madonna
del Saccö - Die Thüren des Berliner Zeughauses; Vrdenskapelle im BerliNer ^chloß. — Neuigkeiten des Buch- und Runsthandels. —
Zeitschriften. — Berichtigung. — gnserate.

Der Guß dcs Mcner Beethovendenkmals.

Wien, 23. Januar 188Ü.

Ebcn kehre ich cms der Gießerci zurück, in welcher
einigen Tagen Z umbusch's Beethcwenbenkmal im
^uß sertig stcht. Wie die Leser aus früheren Berichten
^ussen, wurde die ncu emporblühendc Anstalt des Herrn
EarlTurbain mit dcr ehrenvollenAusgabebetraut, dcn
^uß dicses Monumentes auszuführen, und schon die
uus der Pariser Weltausstellung d. I. 1878 ausge-
I^llten beiden Figuren — Beethoven und die Gestalt
Prometheus — habcn den Knnstsreunden gezeigt,
^uß nian sich in der Wahl nicht vergriffen hatte. Das
uunniehr vollendete Wcrk bestätigt dieses Urtheil im
dvllen Maße. Binnen wenigen Monaten wird Wien
uw ei„ K,inst,rwrk erhabencn Stiles rcicher sein, welches
i^nein Urhebcr wic den aussührenden Krästen zu gleich
?vher Ehre gereicht.

Ohne der ausführlichen Würdigung des Dcnk-
^UulZ vorgreifen zu wollen, welche wir uns fllr die
der Enthüllnng vorbehaltcn, sei hier nur sovicl
^u Erinnerung gebracht, daß die sitzende Gestalt des
N^oßen Tondichtcrs dic Hvhe eines etwa fünfzehn Fuß
ruhen Sockels krönt, welchcr links mit der Gestalt des
ll^esselten Promethens, rcchts mit einer geflügelten,
en Siegeskranz erhebenden Viktoria geschmückt ist.
^uischen ihnen — an der Vorder- nnd an der Rück-
ulle des Sockcls — tanzen Kindcrgenicn einen Reigen,
^elche die verschicdenen Gattungen der von dem Meistcr
llepflcgten Musik versinnlichen. Alle diese in herrlickem
' l>bthnius cntfalteten, in vollem Rundwerk gear-
^teten Figuren sind, wie die Koloffalgestalt Beethoven's

sclbst, in Bronzeguß ausgesührt und heben sich anf's
Wirkungsvollste von der dnnkeln Farbe des grünen,
roth gcsprcnkclten Granits ab, ans wclchem der Svckel
gemcißelt ist.

Turbain's Guß zeigt namentlich zwci hervor-
stechende Eigenschasten: vor Allem eine gleichmäßig
schöne, wie mattes Gold glänzende Bronzefarbc, nnd
sodann cine anf das allernothlvendigste beschränktc, mit
sorgfältigster Schonung des Originalmodells gehand-
habte Modellirung. Zu der Brvnze wurde das beste
Kupfer und Zinn verwendet und nach der bewährten
Norm sio Theile Zinn anf 90 Theile Kupfer) ge-
mischt. Die Ueberarbeitung des Gusses erstreckte sich
nur auf die Näthe und sonstige etwa störende kleine
Details. Jm Ucbrigen blieb der Guß in seiner vollen
Ursprünglichkeit nnd giebt das Originalmodell nicht
nur in den Hauptformen, sondern bis in die Feinheiten
der Ausführung hinein treu und lebendig wieder. Es
steht hiernach zu erwarten, daß anch die Patinirung
in diesem Falle sich günstiger gestalten wird, als bei
unseren meisten niodernen Brvnzedenkmalen, welche
häusig in Folge der ungeschickten Ciselirung schon nach
ganz kurzer Zeit mit eincr schwärzlichen Krnste von
Ruß und Staub übcrzogen und dadnrch um ihre ganze
Wirkung gebracht werden.

Es bestand ursprünglich die Absicht, die Enthül-
lung des Denkmals am Todestage Beethoven's
(27- März) vorzunchmcn, und die Arbeit selbst, welchc
in den aus Stcin gearbeiteten Theilen ebenfalls nahezu
fertig ist, würde dies auch zugelassen haben. Doch ist
man neuerdings davon wieder abgegangen und hat die
Feier, der Jahreszeit wegen, auf den Mai d. I. verlegt:
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