Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.

>5. Iahrgang.

Beiträge

sind an j)rof. Dr. L. von
§ützow (wien, There-
sianunigafse 25) oder an
die Verlagshandlung in
^'ipZig, Gartenstr. 6,
zu richten.

8. Zanuar

Nr. s3.

Inserate

a 25 j)f. für die drei
Mal gespaltene j)etit-

s880.

^"halt: Die Aonkurrenzentivürfe zu einer viktoriastatue für das Berliner Aeugbaus. — B. G. Niebuhr, Griechische Heroengeschichten:

w. Lübke, Larl t5chnaase. — gaeob Iacobs-7. — Meffenrliche Runstpstege in ^achsen. — Ausstellung von Zeichnungen Franoois Millet's
in Brüssel: j?ernianente kunstgewerbliche Ausstellung in Berlin. -- Leo Müsch; Der württenibergische Aunstverein in Stuttgart. —

An die Worstände der Kuustvereine

k'chtcn wir hiormit die Bitte um baldige Linsendung der die verschicdcuen lokalen Uunstausstcllunaen betreffcnden
^ngaben, um den Aunstausstcllungskalendcr sur >880 so bald »nd so vollnändig wic möglich znsammcnstellen
Zn können. Redaction und Lrpcdition dcr Zcitsch'rist sür bildende Äunst.

Dio Nonkurrenzentwürfe zu eincr Viktoriastatue
für das Berliner Zeughaus.

Während die akadeniische Kunstcmsstellung nvch
>nst ansschließlich das Jnteresse für sich in Ansprnch
"nhin, wurde dem Berlincr Piiblikum iin llhrsaal der
'stbniglichcn Kunstakadciuie dic stattliche Reihc von
Kenkiirrenz-Entwiirscn zn ciner Biktoria sür dic Herr-
icherhalle des im Uinban begriffenen Zeughauscs vor-
lb'siihrt, über dic bereits vorher das Urtheil der Jury
stesprvcheii und verkündet war. So hat die AuSstel-
stuig, die nicht weniger als 5ll Modclle umsaßte, cine
n»r geringe Beachtnng gesnnden; troydem aber dürste,
ba eine jedc dcrartigc Konkiirrenz für das DnrchscbnittS-
"'nß des künstlerischen Kvnnens, wcnigstens der jüngercn
Kl'äste, mehr oder niinder bezcichncnd zu sein pslegt,
^ui Blick anf die diesmal zu Tage gctretenen Arbeiten
>ui, so gerechtfertigter sein, als es sich hier nichl um

häusige Ausgabe einer modernen Pvrträlstatuc,
sondern nin die vcrhältnißniäßig vicl seltenere eincr
^ealen Schöpfnng inonnmcntalen CharaktcrS handette.

Der Hauptranm des Zenghauses in seiner ncuen
^estaltung, die knppclbekrönte „Herrschcrhalle'h ist zur
'stchnahnic der Statnen der Hohcnzollern'schen Regentcn
bvii, grvßen Kursürstcii an bestiinmt, zu deren Bc-
schnssiing anf dem Wcge eincr allgenieincn Konknrrcnz
^st kiirzlich die Anssvrdernng an die dem prenßischen
Staate angehörigen Bildhauer crlasien wurde. 2n-

initten des Kreises dieser in Bronzeguß anszuführen-
den Standbilder aber, deren beabsichtigte Aufstelliing
der architektonischen Gliederung des Saales folgt, sokl
sich — in der dem Eingang gegenüberliegenden Halb-
rundnische — die in Marnior gemeißelte Figur einer
Siegesgöttin erheben, deren künstige Erscheinnngsfvrin
jene 59 Skizzen nüt leider fast durchweg sehr geringein
Erfolge in ihrcn Grundzügen festznstellen snchten-
Allerdings ist es eine gewiß nicht teicht crfüll-
b are Anforderung, gerade bei der von der antiken nnd
der inodernen Kunst unzählig ost und allcin von Nauch,
deni Begründer der neneren Berliner Bildhauerschule,
in eincr ganzen Reihe von Statuen verschiedenartigster
Aussasiung gebildeten Figur der Viktoria von den
mannigfachftcn dleininiscenzeii sv weit unbeeinflußt zu
bleibcn, daß das ncue Werk sich in Form und Jdee
als cine wenigstens annähcrnd vriginalc Leistnng dar-
stcllt, nnd sv dnrfte es kcineswegs befremden, ans der
einen Scite cincr Anzahl inehr oder niiuder schiväch-
licher, nichts als cine Wiederhvlung dicser vder jener
Schablone aufweisender Entwürfe, auf der andern aber
auch ivieder solcheu Arbciteu zn begegnen, die eben
in dcni Bcstreben, nm jeden Preis originell zu seiu, zn
den gewaltsainsten Mitteln gegriffen nnd damit zuineist
uin so tranrigere Esfekte crzielt hatteu, besvndcrs da
kcin Wollen nnr in vereinzelten Fällen ein irgendwie
cntsprechendes Können zur Seite stand. Was indeß,
auck abgesehen von dcr bei gleichen Anläsieii sich er-
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