Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

Page: 53
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstchronik1880/0033
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
53

Korrespoirdenz,

54

den beiden Anstalten manche Vervollkommnung des
ErzgusseS. Turbain'S Anstalt sindet gegenwärtig Ge-
lcgenheit, an dein in Aussiihrung begrisfenen Beet-
Hoven-Denkmal siir Wien von Zumbnsch ihre Leistnngs-
fähigkeit zu erproben, und was inan bisher von dein
Werke gesehen hat, rechtsertigt in vollein Maße die
gehcgten Erwartungen.

Unter den Faktvren, ivelche der Entwickelung
»nserer Brvnzctcchnik fvrdertich gewesen sind, dürfen
dieWeltausstcllungen nicht vergessen werdcn. Was man
auch iminer gcgen das Prinzip nnd dic Praxis dieser
Ausstellnngen einioenden mag, Oesterreich haben sie
»ngehener gentitzt. Die österreichischen Künstler nnd
Ändustricllen, friihcr gewohnt, sich in die engsten Krcise
eiuznspinnen, erhielten durch sie erst vollen Einblick in
die Prodnktivn des Anslandes nnd konntcn vor Allein
schen, welche glänzende Entwickelnng der Bronzegnß
>» Fraiikrcich durchgemacht hat. Die Erfolge des;
französischen Brvnze- nnd EiscngnsseS auf den Welt-
»»sstellnngen ließen unsere Jndustriellen nicht rnhen,
»>id sie hatten guten Grnnd die gefährlichc Konkurrenz
der Franzvsen nicht init Gleichgiltigkeit zn betrach ten
dcnn Frankreich machte Mienc, mit billigen und relativ
g»ten Waaren dcn österreichischen Markt zu über-
schweinmen nnd dadurch unsere Jndiistric zu erdrückcn.
IInsere Ilrbcitcrbcganncn nach Frankreich zn wandern, nin
dvrt zn lernen, und nicht wcnige dcr Bronzeindustriellen,
welche gegenwärtig in Wicn an der Spitzc der Bc-
lvegung stehen, habcn als Metallarbciter, als Ciscleure
u. s. w. in Frankreich ihre Schule durchgemacht.

(Schluß folgt.)

Aorrespondenz.

Illm, Anfang Oktober 1819.

Jn dein, Ivie schvn früher berichtet, von der Stadt
ö» eineni Gewerbcniuseuni bestiinnitcn nnd trefflicb
rcstaurirten eheinaligcn illcubrvnncr schcn Hause iu der
-t anbengasse ist gegenwärtig eine AuSstcllnng von Knnst-
u»d knnstgewerblichen Gegenständen ans Uliu nnd
Aiiigegend veranstaltet, die alle Beachtung verdient.
Die Ausstellung svll von jctzt an perinanent wcrden nnd
den Ansang des Gewerbemuseums bilden.

Betreten wir dcn Hof des an sich schon höchst
interessanten alten Patrizierhauses, so erblicken wir
Zunächst architektonische nnd Skulpturfragiiiente aus dem
Biünstcr nnd dem abgebrochencn Barfüßcrkloster. Die
geivölbtcn Hallen des Erdgeschosses culbalten eine schvne
^aniinlung von Abgüsscn aus dcm Niünstcr, bc-
sonders vom Chorgestühl ncbst neucn Biodcllen von
Architektur- nnd Skulptur-Werkcn dcr äußeren nnd
i»neren Ausstattung des Gebändes. Hicr findcn sich
u»ch alte Holzschnitzwcrke, schöne Ofenkacheln, »ebst

einem gußeisernen alten Osen aus der Blüthezeit dcr
deutschen Renaissance; ferner schöne Schlosserarbeiten,
worunter einige alte gothische Thürchen vom Kloster
Blaubeuren mit vortrefflich gearbeiteten neueu Be-
schlägen besonders hervorzuheben sind.

Bemerkenswerth sind ferner die dcm Alterthums-
Verein gehörigen Steinsiguren vom ehemaligen Oelberg
am Münster nnd viele alte Wappcnstcine, Grabsteine
n. dergl. von den abgebrochenen Thorthürmcn und
andereu Gebäulichkeiten Ulms. Das Treppenhans ist
dekorirt mit den altcn Zunftladcn und Zunftschilderu
der aufgehobenen Ulmer Zünfte, Wappcntafeln der
Deutschherren und einer trefflichen bciualten Holz-
skulptur des h. Eligius, wie derselbc den abgenvmmencn
Fuß eines Pfcrdes beschlägt.

Äm ersten Stock haben der Altcrthnmsverein und
dic lllmer Antiguitätcuhändler ihrc schöusten Sachen
ausgestellt. Wir bemerkcn ein Singpnlt von Syrlin
mit eingeschnittcnein Ramen und der Zahl 1458, eine
grvßc Majolikaplatte nebst Krng, eine reich skulpirte
Metallschüssel mit Kanne, französische Arbcit aus der
Blüthezeit der Renaissance, einige schöne Znnftpvkale,
Ivorunter dei> sog. Willkvmm der Ulmcr Schifferzunft
iu Form eines Schiffes vom Äahr 1627 das hervor-
ragendste Stück ist. Ein besonderes Ziiumer hat der
Antignitätenhändler Häußler ausgestattet; hicr sieht
mau sehr schönc Renaissance-Kästen, Stühle in den
inannigfaltigsten Fvrnien, Uhren, Holzsiguren, Zinn-,
Thon- und Mctallgeräthe aller Art und namcntlich
eine schöue Koklektivu Schlvsserarbciteu. Die übrigeu
Ziinmer sind mit Rcnaissance-Möbeln, alten und
neuen Thon-, Glas- und Broncewaaren, textilen Ar-
beiten u. s. w. fast zu reichlich angcfüllt.

Jm obereu Stock, in den durch ihre reichcn Decken
und Thürverkleidnngeu ausgcstatteten Prachtzimmern
ist die Gemäldesammlung, ncbst einigen anserwählteu
Stückeu alter Möbel ausgestellt. Nebcn vielcn minder
bedcntcnden Gemälden sind besonders cinige altdeutschc
aus der Samiiilung dcs Altcrthums-Bereiiis nnd des
Hauptiiiauns Gciger hervorznhcben. Ein grvßes Altar-
blatt, die h. Dreieinigkeit, ans der Ulmer Schuke,
welches schon Waagen im Deutschen Kunstblatt 1858
eingeheud beschrieben hat, Iväre wohl Iverth, in einer
öffentlichen Galerie aufgestellt zu werden. Von son-
sligen Gcmälden ist zu nenncn: ein schöner Honthorst,
einsl im Besitz eines in Umstcrdai» ansäßigen Ulmers
nnd eiue Madvnna von Sassoferratv. Hier sind
danu ferncr eine Anzahl Glaskästen mit Schmncksachen
aller Art, sowic eine Münzsaminlung ausgestellt. Ein
Ziminer cnthält Kupfcrstiche und Handzcichnniigcn.
Schließlich darf die alte Hauskapelle mit ihrer schöneu
aus dcm Rathhaus stammeuden Prachtthürc vvm Äahrc
1509 uicht übersehen werden. Ma> Pa».
loading ...