Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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15. Zahrgang.
Beiträge

smd an j?rof. Dr. L. von
^ützow (Wien, Tbere-
sianumgasse 25) oder an
die verlagshandlung in
^^ipzig, Gartenstr. 6,
zu richten.

12. Februar

Nr. 18.
Jnserate

ü 25 j?f. sür die drei
Mal gespaltene j)etit-

Buch- u.Runschandlung
angenommen.

1880.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.


)nhalt: Aus dem Florentiner Aunstleben. I. — Die Markuskirche in Venedig und der englische s)rotest gegen die Neuaufsührung ihrer Fapade.

tForts.) — Berliner 2<unftgewerbe-Museum: verzeichniß von Lichtdrucken und sshotographien. — Die j?ergamenischen Skulpturen des
Berliner Museums; Die Abgußsammlung der Aöniglichen Museen in Berlin. — Zeitschriften. — Auktions-Rataloge. — Inserate.

Aus dein Florentiner Aunstleben.

I.

^eubautcn uud Restauratiousarbeiten. — Die Dc>mfa?ade.

Seit dem Abzuge der Regierung des Königreichs
Ätalien nach der ewigen Stadt hat die BaulhLtigkeit,
tvelche Florenz bis dahin für kurze Zeit entwickelte, all-
"tählich wieder nachgelassen. Was indessen während
b'eses flüchligen Glanzes cnlstanden, wird — so viele
^edenken sich in ästhetischer Beziehung auch bei Be-
^achtung manchcr der aufgeführten Bauten regen mö-
gen — tzxx Anerkennung werlh bleibcn. Neu-Floren;
^igt ein gewisses vornehmcs Gesicht. Die breilen Ring-
stvaßen, der bis zu Len Cascinen am rechten Arnoufer
svNgeführte sogenannte Lung'Arno, auch die innere Stadt
^eisen eine 9ieihc von Häusern und Palästcn aus,
^nen namentlich das schöne Bkaterial trefflich zu statten
tvniint. Unlcr ihnen wcrden wchl der Palazzo Lad-
^ison an der Piazza dclla Signoria und die Banca
"azionale in der Via dell' Oriuolo die ersle Slelle ein-
^hnien. Ersterer ist von 1868—69 von Carlo Landi
^baut, eine cinfache, ohne alle dekorative Zuthat ernst,
fein behandelte (gezähmte) Rusticafayade im floren-
^tiischen Palaststil — Parterre für Läden, Mezzanin,
brei Stockiverke — von neun Axen Front und nimmt die
ein, an der früher dcr Häuscrkomplex der alten
scin malerisches, zusammengewürfeltes Tasein
sttstetc. Die Nationalbank, nach der Ucbcrführung der
^gierung von Turin 1865 bcgonnen, rührt von Ci-
hvlla her; eine stattlicheFrom: Parterre und zwei Etagen
von elf Axen in gutcn, vielleicht etwas zu schweren

Hvckw

Hvenaissance-Verhällnissen, von ladekloser Aussührung

in grauem und gelbem Sandstein, grau für die konstruk-
tiven Theile, gelb für die Flächen. Das Vestibül erscheint
etwas nüchtern; wohlthuenver giebt sich der mit Glas
gedeckte Kassenhof, dessen Mitte die sitzende Figur Ca-
vour's, in Marmor, einnimmt. Ob für denselben keine
anvere Beigabe zu finden war, als der goldene Zwicker
in seiner Rechten?

Auch sonst schonte die Stadtvertretung ihren Säckel
nicht; sie besorgte neben den neuen Straßenzügen und den
hier, wie anderwärts, leerstehenden Markthallen u. s. w.
jene schönen Anlagen, die stundenweit von Porta Ro-
mana bis Porta S. Niccolö die die Stadt begrenzenden
Höhenzüge hinanfsteigen — das Villenvicrtel dieses
Arnoufers — und legte als Mittelpunkt des Ganzen
unterhalb San Miniato auf mächtigen Substruktionen
mit umfangreicher, von Grottcn und Bassins geschmücktcr
Terrassirung nach der Stadt hinunter den herrlichen
Aussichlspunkt Piazzale Bkichelangelo an.

„Hicr, wo Michelangelo zur Vertheidigung der
Freiheit stand, errichtete ihm die Vaterstadt ein wür-
diges Denkmal aus Werken sciner Hand," sagt die eine
der Znschrifttafeln des hier seit dem Sommer 1875
zum Andenken und zu Ehren des gewaltigen Floren-
tiners leider in wenig gelungener Zusammcnstellung und
in dafür noch weniger passendem Erzguß aufgeführtcn
Monumentes — die Len Originalcn nachgebildete Ko-
lossalstatue des David, umlagert von den vier allcgorischen
Figuren der Medicäergräber, den Gestalten des Tages,
der Nacht unv der beiden Dämmerungen.

Zu Füßen des Schleuderers breitet sich das weite
Arnothal in all' seiner Herrlichkeit aus. Drüben stcigen
vie villenbesälen Höhen auf, von deren ciner die einstige
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