Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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Korrespondenz

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die Geister, werd' ich nun nicht los" — mag unser
Knnstler wohl sich selbst bisweilen sagen. Auch von
den Nereiden ist dem Kenner der Wiener Schönheiten-
galerie eine nnd dic andere recht wohl erinnerlich, so
z. B. das töstliche briinette Profilköpfchen, welches hinter
dem prächtigen Gefieder cines Schwans gerade in der
Mitte des Vordergrundes aus den Wogen emportaucht,
viclleicht der anmnthigstc nnd malerisch durchgebildetste
Kopf, den Makart gemacht hat. Hier aber ist es dem
Meister viel besser gelungen, der Jndividualität jenen
Zauber idealcr Typik zn verleihen, ohnc welchen der
historische Stil nun einmal nicht denkbar ist. Ueber-
haupt sind ihm die Waffergöttinncn offenbar sympathi-
scher als die zu Lande, auS dem nahelicgendcn Grnnde,
weil sie viel weniger „anhaben" als jcne. Mit den
Gewändern hat er dies Mal speziell seine Noth gehabt,
vorzngsweise mit dcm erwähnten gelben Chiton der
Nymphe, welche die Meute führt, der recht bauschig
nnd schwer um dcn Körper herumhängt, während sonst
dic Begleiterinnen der Diana in Bewegnngsmotivcn
und malerischer Behandlung manche höchst reizende
Einzelheiten darbieten. Summa Snmniarum ist es wie-
der ein Kernsckniß, Len so leicht kein Lebender dem
Künstlcr nachthuii dürfte. — Wahrhaft beklagenswcrth
müffen wir aber schließlich die Thatsache nenncn, daß
auch diesem Bilde der Zugang zn nnsern öfsentlichen
Galericn — aus Geldmangel versperrt bleibcn wird.
Da kommt denn wohl hent' oder morgen der rettendc
Kunsthändler, der seinen Vortheil besser versteht und
die Diana mit ihrem Jagdgefolge diesseits nnd jen-
seits des Oceans die beliebte Knnstreise antreten läßt,
bis sie cndlich ihren dauernden Platz sindet in einer
dcr Sammlungen des — Auslandes!

Anßer der Diana hat Makart nocki zwei Frauen-
porträts ansgestellt, von denen jedoch nnr das cinc
(Nr. 0) einen intimeren Reiz besitzt' die Züge dcr
jnngen Dame erinnern an das oben geschilderte lie-
benswürdigeAieerweibchen. —Hiermag dann anch nocki
dreier weitercr Porträtbilder von Fr. A. Kanlbach
gedackck Iverden, von welchem wir die zlvei markante-
sten Bildnisse schvn in nnserin ersten Bcricht gewürdigt
haben. Darunter sind namentlich die beiden klcinen
„Stndien" (Nr. 39 und 43) von so blühendem Reiz
der Farbe nnd so slotter, geistvoller Pinselführnng,
daß man unwillkürlich an die Stndien eines Rnbens
erinnert ivird. „Er fließt wieder, der Qnell der alten
Nialerkunst," rief ein Enthnsiast mit Fug nnd Recht
vor diesen beiden allerliebsten Köpfckien aus. — Aus
der ersten Ausstellungshälfte sei hier ferner das vvr-
züglickic Porträt einer alten Dame von Pros. Grie-
penkerl nackigetragen, das in sciner sckilichten und
seinen Art von außergewöhnlicher Anziehungskrast ist;
dann das lebensgroße Porträt der Königin von

Spanien im Ornat des Prager Damenstifts, mit sehr
sorgfältig durchgebildetein Kopf, von Prof. K. v. Blaas;
endlich noch ein hübsches, wenn auch in der Farbe etwas
trübes Knabenporträt von A. Böcklin, der im Ucbri-
gen durch eine wunderlichc Klevpatra in der Aus-
stellung vertreten ist.

Wir stattcn heute znni Schluß dem kleinen Par-
terresaal rechts vom Vestibiil eincn Besuch ab, ni»
dem schönen „Christus" von Lndwig Mayer, welcher
ebenfalls erst in den letzen Tagen ansgestellt Ivnrde,
nnsere Aufmerksamkeit zu widmen. Es ist cin seltencr
Fall, namentlich in Wien, daß ein Werk ernster,
kirchlicher Kunst sich eines tiefer gehenden Erfolges zu
erfreuen hat. Hier können wir einmal einen solcheu
verzeichnen und auch leicht erklären, da echte Empfindung
und edle Knnst sich bei der Hervorbringung dieses Bildes
dic Hände gereicht haben. Der Heiland stcht in ganzer,
fast lebensgroßcr Figur anf ciner steincrnen Basis, dcu
Blick gerade dem Beschaucr zugetvendet; die Nechte ist zniu
Segnen erhoben, die Linkc auf dic Brust gelegt. Dic
würdevoll bewegte Gestalt ist iibcr dem langen dunkel-
rothen Nocke mit einem Mantel von gedämpftem Blau
bekleidet, deffen warm grünes Futter durch den Um-
schlag llber der Brust sichtbar wird nnd die Farbe dcs
Mantels von der des Rockes trennt. Das feinc, vvu
mildem Ernst erfülltc Antlitz ist von dunklcm Lvckenhaar
nnd ctwas hellercm Bart umrahmt; das Hanpt nim
giebt ein Glorienschein mit goldenen Strahlen. De»
Hintergrund bildet ein Ausblick in das hciligc Land,
von sanster, leidcr am Himmel nicht völlig ansgeglichc-
ner Stiminung. Das Werk zeugt in allen Details,
iiamentlicki in der Durchbildung des Kopfes nnd dcr
vortrefflich gezcichneten Hände, von crnstem künstlcrischci»
Strebcn, dem tvir nnsere volle Anerkennnng schnldig si»d.
Wie dcr Katalog anmerkt, ist das Bild im Anstragc
eincs hiesigcn hohcn Geistlickien gcmalt. llnser Clcrus
mögc dicsem Beispicl in sreigebiger Weise solgen, nnd
die gnten Früchte werden nicht ausbleiben!

Aorrespondenz.

New-Dork, im Slpril 1880.

0. Das ncueste Ereigniß für das kunstliebende
Publiknm ist die Wiedereröffnnng des Mctropolitan-
Musenms in dem nen dasür errichteten Gebände i>u
Ccntral-Park, welche am 30. März mit den üblickien
Fcierlichkeiten stattfand. Der Pr,äsident HayeS kam dazu
von Washington hierher; das Gebände tvurde dc»
Vorstehern in Gegentvart der eingeladenen Gäste über-
geben, und am l. April wogtc eine bunte Alenge zu»>
ersten Mal in den Sälen ans und nieder, die jedoch
so geränmig sind, daß durchaus kein Gedränge war,
und Jedermann sicki vollkoinmen srei bewegcn konul^
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