Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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Etat der Kunst- und Kunstgewerbe-Austalten im Königreich Sachsen im Jahre 187!b

das glänzende, blauschwarze Haar gctrenlich wicder.
3n der ersten Jphigenie schlug er auch zum letzten
Male einen vollen, durch keine grauen Mitteltöne ge-
brochenen Farbenakkord an: die ruhige Meeresfläche mit
ihrem wundervollen Blau in verschiedenen Abstnfungen
giebt eine wirkungsvolle Folie für die hehre, am grünen
llfcr sitzende Gestalt, dcren weiße Gewandung durch
einen um Schovß und Kniee geschlnngenen Purpur-
Mantel unterbrochen wird. Die zweite Jphigenie ist
wohl die vollendetste Verschmelzung des klassischen und
des romantischen Stils, welche der mvdernen deutschcn
Kunst gelungen ist. Mit einer Virtuosität, die Feuer-
bach selbst nicht ivieder erreicht hat, ist hier ein statua-
rischer Typus in das rein Malerische übersetzt worden,
k'hne daß die leiseste Disharmonie zwischen der pla-
stischen Konception und der malerischen Ausführnng
zurllckgebliebcn ist. Der obenerwähnte Orpheus (im
^esitze dcs Geheimrathes Bluntschli in Heidelberg),
welcher dem bekannten Typus des Apollon Kitharödos
uachgebitdet ist, kann als die nächste Vorstufe zu dieser
Meiten Jphigenie gelten. Hier ist das statuarische
^orbild bei der Uinwandlung in den malerischen Stil
"och nicht so Vvllig absorbirt worden, daß man von
e>ner harmonischen Berschmelzung sprechen kann.

Zn gleicher Zeit mit der zweiten Jphigenie ent-
Itand eine Medea, über dem Gedanken des Mordes
>hrer Kinder brütend, wclchc, auf ihre koloristischen
^vrzüge betrachtet, die Jphigenie nvch Lbertrifft, an
Stinimungszauber ihr aber ebensoschr nachsteht wie
bie an der Urne tranernde Medea (1873), die an
oineni Uebermaaß von grauen nnd braunen Tvnen
laborirt.

Jn Venedig, wv er seine letzten Lebenstage zu-
l'i'achte, kehrte dem durch den Mißerfolg seines „Tita-
iw>i>turzes" Verbittertcn und Vereinsamten die Erinne-
^iiig an jene seligc Zeit zurück, wo cr zuerst die Ein-
hiicke der großcn venezianischen Farbcnkünstler auf sich
iuirken ließ. Da tauchte vor seincni Geiste jene er-
hubene Franengestalt der musikalischen Poesie auf, die
dn damals nach Karlsrnhe schickte, und er entwars ein
lwn vier venetianischen Mädchen auvgeführtes Kvnzert,
ihn in seincn letzten Stnnden beschäftigte. Eine
^wihe von Studien nach architcktonischen Details —
^ Schanplatz ist cine Halle in reichster Rcnaiffanec-
^koration — darunter Farbcnstudien nach bunten
^arniortafeln, viellcicht von der Fayade von Sta.
^ caria dei Miracoli, bcwicsen, daß seine Kraft durch
w herben Erfahrungen, die sein reizbares Gemütb
^iwdüsterten, noch kcineswegs gcbrochcn »var. Das
"Konzert" blieb nnvollcndet zurück. „Jn diesem Gleich-
.'uh höhercr Harmvnie — sagt Ivrdan sehr schön —
'll scin Gcist vcrklnngcn."

Adolf Roscnberg

Ltat der Aunst- und Aunstgewerbe-Anstalten
im Aönigreich Lachsen im chahre s87s)*)-

I. K. Sammlungen sür Kunst und Wissenschast
zu Dresden.

1. Sainmlungen künstlerischen und kunstgeweib-
lichen Eharakters: Gemäldegalerie, Kupscrstich-
kabinet, Antikenkabinet, Museum der Gypsabgüffe,
Historisches Museum mit Gewehrgalerie, Grünes
Gewölbe, Pvrzellan- nnd Gefäßsammlung.

2. Wissenschaftliche Sammlungen: Oeffentl. Biblio-
thek, Zoologisches nnd anthropologisch - ethno-
graphisches Museum, mineralogisch - gcologisches
und prähistorisches Museuin,MLnzkabinet, mathe-
matisch-physikalischer Salon.

Einnahmen (daruntcr 2400 Mk.

Beitrag der Civilliste) .... 100,800 Mk.

Die Einnahmen erfolgen bis auf einen ganz ge-
ringsügigen Antheil bei den Sammlungen unter I.

Ausgaben.

g.. Besoldungen.

Auf die Sammlungen unter 1
entfallen davon 104,722 Mk.
b. Erhaltnng der Sainmlungen, Hei-
zung, Ordnung, Rcinigung, Hand-
bibliotheken, Hilfsaufsicht, Sonn-

tagsdienst w.

Auf die Sainmlungen unter 1
entfallen davon etwa 67,000 Mk.
o. Erhaltnng der Sainmlungsgebäude
Nnr für regelmäßige Repara-
turen. Für besondere bauliche
Zwecke wurden im Jahre 1879
bewilligt: 25,250 Mk.
ck. Zuschnß zu dem Vcrmehrungsfonds
für sämmtliche Sammlnngen . .

156,292 Mk.

103,650 Mk.

15,000 Mk.

56,500 Mk.

Summe der AnSgaben: 331,442 Mk.

Der Vcrmchrungsfonds, wclcher im Kapital ver-
ausgabt werdcn kann, betrug Ansang 1879:
287,751 Mk. Neben demselben besteht, vhne jähr-
lichen Zuschuß, ein Fvnds für Zwecke der heutigen
51iinst, welcher zn jencm Zeitpunkte 156,181 Mk.
stark war; endlich der v. Römer'schc Fvnds nur für
das Münzkabinet, mit einem Bestandc von
12,543 Mk. Für dic Bermehrnng der Sanim-
lnngen nnter t sind veransgabt im I. 1878:

*) Mit dieser aus amtlicher Quelle stamineiiden Ueber-
sicht beginnen wir die in Nr. 14 der Kunst - Chrcmik v. I.
angeregten Budget-Zusainmenstellungen der enropüischen
Staaten. Jn einer der nächsten Nrn. wird das Kunstbudqet
Preußens solgen. Anm. d. Red
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