Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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Todesfälle. — Kunsthistorisches.

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Wenn der launische Zusall neben Chamisso den
alten Niebuhr und neben Thumann den alten Preller
postirt, so ist eS vergebene Mnhe fnr den Bericht-
erstatter, einen glatten Uebergang zu finden. Nur das
äußere Verhältniß, in welchem Schriststeller und
Künstler unter einer Leinwanddecke sich zusammen-
finden, bietet ein insckium oorupurg.tioni8 — aber
ohne praktischen Handgriff. Treten wir also ohne viele
Umstände hinüber auf den klassischen Boden, den
Preller vor uns ansbreitet in den Griechischen
Heroengeschichten von Georg diiebuhr (Gotha,
F. A. Perthes). Die zwvlf Zeichnungen des Alt-
meisters stammen aus den letzten Jahren seines Lcbens
und sind znm Theil von dem jungen Prellcr übcr-
arbcitet und für die Publikation vorbereitet. Der
Text, von Theodor Grosse mit Friescn nnd Schlnß-
vignetten verziert, die ebenso den Geist der Antike
athmen wie Preller's landschaftliche Kompositionen,
nimmt sich etwas fremdartig neben der „großen" Kunst
aus, dcnn er ist durchaus für das kleine Volk gedächt
und von Niebnhr absichtlich in dem Tone des Kinder-
märchenS abgefaßt, den der Jllustrator auS nahc-
liegenden Gründen nicht wohl anschlagen konnte.

Jllustrationswerken im eigentlichen Sinne des Wortes,
so daß es sast den Anschein hat, als ob der Holz-
schnitt die dominirende Stellung eingebüßt habe, die
er bei der Herstellnng von Prachtwerken bisher inne
hatte. Zunächst haben wir die Vollendnng einiger schon
länger im Gange befindlichen Unternehmnngen anzu-
zeigen, die mit großen Mitteln in glänzender Weise
durchgesührt wnrden. Dahin gehört vor Allem Ebers'
Aegypten in Wort nnd Bild (Verlag von Ed.
Hallberger), aus desien lctzten Liefcrnngen wir einige

der kleineren Jllustrationen mitzutheilen in der Lage
sind. Wir haben alle Ursache, mit nationalem Stolz
auf diese Lcistung deutschen Kunstfleißes zu blicken.
Jn Ivahrhaft großem Stile angegriffen, ist das wcit-
schichtige Unternehmen mit ciner unermüdlichen Sorg-
falt geleitet worden, die nur der rccht zu würdigen
vermag, der mit den Schwierigkeiten nnd Hemm-
nissen bci der Hersiellung illnstrirter Werke vvn solchem
Umfange vertraut ist. — Dieselbe Stnttgarter Verlags-
handlnng hat anch ihre illnstrirte Ausgabe von
Schiller's Wcrken, herausgegeben von I. G.
Fischer in 65 Lieferungen oder vier Bänden ihrem
Ende zugcführt. Das stattlichc Lexikonformat gewährt
dem künstlerischen Schmuck eine breite nnd freie Ent-
saltung, und wenn die Jllnstration auch nicht überalt
gleiches Lob verdient nnd nicht immer in die Hände
gerade der „crsten" deutschen Künstler, wie das Titel-
blatt rühmt, gcrathcn ist, so muß doch die lvbliche
Absicht des Verlegers anerkannt wcrden, die daraus
ansging, das Tüchtige mit den tüchtigsten Kräften zu
erzielen, die ihm erreichbar waren. Unter den Jllu-
stratoren der letzten Lieferungcn (Uebersetznngen, histo-
rische Schriften, Fragmente) zeigen namentlich C.
Schraudolph, E. Nöber, I. W atter, I. Weiser
eine glückliche Hand, welche nicht nur der Dichtnng
gerecht Ivird, sondern anch der Natnr dcs Holzschnittcs,
die nnn einmal, wenn die Charakteristik nicht zn knrz
kommen soll, zn einer gewissen Beschränkung der male-
rischen Wirknng nöthigt. 8n.

(Schluß folgt.)

Todesfälle.

Der Historiemnaler Professor Jttenbach, 1813 in
Koblenz geboren, ist am 1. Dccember in Düsseldorf gestorben-

Aunsthistorisches.

Ueber -ie Pcrgamciiischen Funde im Berlincr Museui»,
deren von zweien ünserer HH. Korrespondeiiten bereits ge-
dacht ivurde, liegen uns jetzt einige dein aintlichen Katalog
entnoinmeno orientirende Notizen vor, welchs wir hier
ivörtlich folgen lassen: ,,Auf der Akropolis des alten Per-
gamon (jetzt Bergama) sind seit lnngeren Jahren Fragmente
von Hochreliefs zu Tage gekommeu (E. Curtius, Beiträge
zur Geschichte und Topographie Kleinasiens, S. 56, 62), von
denen mehrere durch die Güte des Jngenieurs Herrn Karl
Humann in Smyrna als Geschenk in die K. Museen gelangt
und im Göttersaale aufgestellt sind. Mit Genehmiguug der
Hohen Pforte wurde im vergangsnen Jahre auf Antrag
des Herrn Direktor Conze uuter Leitung des Herrn Humann
eine Ausgrabung an joner Stelle viranstaltet, zu ivelcher
der Herr Minister der geistlichen rc. Angelegeuheiten die
Mittel bewilligt hatte. Dieselbe führte sehr rasch zur Eich
deckung einer Neihe von Hochreliefplatten, die sich als Theile
eines großeu Marmorfrieses, zu dem auch die bereitS hier
befindlichen Fragmente gehörten, herausstellten. Durch eine
allerhöchste Bewilligung wurden die Mittel zur systematischen
Durchführung der Ausgrabungen, zu welcher die laufenden
Fonds der K. Museen allein nicht ausgereicht haben würden,
bereit gestellt. Die Arbeiteu, denen Se. K. und K. Hohen
der Kronprinz, der Protektor der K. Museen, cingehendes
Jnteresse zu widmen geruhte, sind alsdann unter Leitung
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