Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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Ausstellung von Brunnenmodellen m Dresden,

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Ausstellung von BruuuemnodeUen
in Dresden.

Dic sächsische Hauptstadt besitzt eine Reihc kttnst-
lerisch ausgestatteter Brunucn, welche die öffentlichen
Platze in anmuthigstcr Weise beleben und schmücken.
Die glttckliche Wirkung vieser Zierbrunnen hat neuer-
dings den Stadtrath angeregt, für die beiden großen
Wasserbecken auf dem Albertplatze in der ilteustadt
architektonisch cntwickelte, mit Skulpturen verzicrte Anf-
sätze herstellen zn lassein der Wassersegen, welcher den
Elbflorentinern durch ihre neue Wasserleitung znge-
ivachsen, konnte die Väter der Stadt in ihrem löb-
lichcn Vorhaben nur bestärken. Jn cinem Ausschreiben
vom 20. Nov. v. I. wurden Architekten und Bild-
haucr eingeladen, an der Losung bezeichneter Aufgabe
dnrch Anfertignng nnd Einsendnng von Modellen sich
zu betheiligen. Für die besten drci Entwürfe wurden
Preise L 1000 Mk. ansgesetzt. Die Kvnkurrenz fand
eine lebhafte Betheiligung. Zwanzig Projekte gingen
ein, welche in den letzten Wochen hier öffentlich aus-
gestellt waren. Jn dem auf die Lösung der Aufgabe
verwendeten Fleiß und Talent machte die Ansstellnng
einen recht erfreulichen Eindruck und zengte von neuem
von den tnchtigen Kräften, über welche die Plastik in
Dresden zu verfügcn hat. Die Projekte, welche mehr
vvm Standpunkte des Architekten aus kvncipirt warcn,
gehörten nicht zu den glücklichsten, wie denn überhaupt
dic Architektur fast in allen Entwürfen der schwächere
Theil der Arbcit war. Meist wirkten die Schalen zu
schwer und nüchtcrn und gingen nicht gnt mit dem
figürlichen Schmuck und Untersatz zusammen. Noch
mit am lebendigsten entwickelt erschien uns ein nnter
dem Motto „Abundantia" gelicfertcr Entwurf, desscn
obeliskenartiger. reich ornamentirterAufbau vvnFignren-
grnppen gekrönt wird, welche die Befreinng des Wassers
aus dem Banne des Winters durch den Sonncngott
nnd die Machtentfaltnng des erlösten Elements im
Sonimer darstcllen sollen. Bezüglich des Kvstenpnnktes
sreilich hat der Autor des Entwurfes sich wohl zu
wenig an das Programm gehalten; die Ausfiihrung
Iviirde, da dieselbe bei den Dimensionen des Platzes
in einem sehr großen Maßstabe zn crfolgen hätte, die
Sumnie von 80,000 Mk., wclche für die Hcrstellnng der
beiden Brnnnenanfsätze verfügbar ist, iveit überschrei-
ten. Frei nnd anmuthig auch stelltc sich ein Entwnrf
dar mit dem Ntotto „Gieb mir, wo ich stehen kann".
Derselbc zeigte nntcn wasserspeiendc Secrossc, vben,
iibcr den beiden Schalen, Neptnn, welcher der Stadt
den Wassersegen, und Venus, welche ihr die Anmuth
spendet. Jn ruhigen, edlen Formen mit einem breiten, !
reichen Figurenfries um den Schalenfuß baute sich >

„Klar Wasser, Trüb Wasser" auf. Ebenfalls sehr
ansprechend in Komposition und Durchführung erwies
sich „Elbe und Stadt", mit den Personifikationen des
Motto's als Hauptfiguren. Schön in seinem unteren,
figürlichen Theil war ferner ein Entwurf, welcher, um
denSchalenfuß gruppirt, die „Jahreszeiten und Lebens-
alter" und in weiterer Vorlage, über dem Hauptbecken,
Tritonen auf Seervssen cnthielt; nnr stand der obere
Abschluß mit seinen in der Form etwas zu trockenen
Schalen zu wenig mit dem wirksamen Untersatz in
lebendigem Einklang. Beziehungsweise recht verdienst-
lich erschienen noch die Entwürfe uuter folgendcn
Motto's: „Wasser thut's freilich nicht", „Zu Ehren
des Stisters", „Was dem Kvrper das Blnt n. s. w.",
„Sigfried und Hagen". Letztere Arbeit führte in
lebendiger Aufsassung die Gestalten des Motto's vor,
doch wollten die Recken, insbesondere der grimme, den
Nibelungenhort in den Rhein versenteude Hagen hier
als Brunnenfiguren nicht recht am Platze erscheinen.
Von noch nnpassenderer uud nahezu komischer Wir-
kung war es, Gvethe und Schiller als Springbrunnen-
figuren benutzt zu sehen, wie es iu einem der ausge-
stellten Entwürfe geschehen.

Die Ansstellung fand verdientermaßen cine warme
Beachtung vvn Seitcn dcs Pnblikums; handelte cs sich
doch darum, für einen der schöusten Plätze der Stadt eine»
würdigen Schmuck zu beschaffen. Auch ist bereits der
Ausspruch der Jury erfolgt, mit welchem man sich
im allgemeincn cinverstanden erklären kann. Die Jury
bestand aus Pros. Dr. Hähnel, Prvf. Nicolai, Prof.
Vr. Schilling, Stadtrath Fr. Walthcr und Obcr-
bürgermeister Ilr. Stübcl. Die genamiteu Preis-
richter haben die fünf Entlvürfe mit den Mvttv's:
„Jahreszeitcn und Lebensaltcr", „Klar Wasscr, Trüb
Wasser", „Elbe und Stadt", „Gicb mir, wv ich stchen
kann" und „Zn Ehren des Stisters" für dic Prämii-
rnng zur engcrcn Wahl gestellt; von Berücksichtignng
des letztgcnannten Entwnrfes mnßtc jedoch in Er-
mangelnng des im Prvgramm vcrlangten zweitcn Mo-
dells abgesehen werden, und es Ivurden schlicßlich dcn
drci zuerst genaunten dic ansgesetzten Preise zuerkannt.
Der erstgenanute Entwnrs rührte von dcm Bildhancr
Werner Stein in Leipzig, der zweilc vvn dem Bild-
hauer Robert Diez nnd den Architckten Giese nnd
Weidner in Dresden und der dritte vvu dem hicsigeu
Bildhauer I. Bäu uicr uud dem Architektcn E. Herr-
mann her.

Dresden, im August 1880. 6. C.
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