Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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s5. Iahrgang.

Nr. 7.

Beiträge

smd M1 prof. Dr. L. von
Lützow (wien, Tbere-
smnumgasse 25) oder an
die verlagsbandlung in
Keipzig, Gartenstr. 8,
zu richten.

27. Noveinbcr

Inserate

d 25 j?f. sür die drei

s87Y.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.


^nbalt. Adriaen van de vcnne. — A. Rosenbera, Die Berliner Malersä'ule von t9t9-lS79; L. L. Llement und t. yutton ^rtists vt
tbe ninereentk centurv anä rbeir »'vrlcs: wilberg's „Rab und Fern": Lngelborn's Musterornamente — L. Blanchard
— Aus Vlrmviu — Aonkurrciizausslt'reibcn des Allnstvereins sur dic Rbeinlnnde und westralen — vusseldorfer Akadelttic. L>ie
Ausstelluna der T. A. Fleis-i'nianii s-i'en kioskunstbandluna in Mün-ben I Münchener internakionale Aunstausstelluna I Ausstellung des
Runst' und Runstgewerbevereins in Agranv — Die xrovisoris-ben Aleliers sür die iötuttgarter Runstschule. — Zeitschriften. — Scrichti-

Adriaeii van de Denne.

Dem Besucher des Amsterdamer Museums ist
gewiß ein Bild iu Erinnerung, welches unter dem
Ncimen „Die Seeleusischer" bekannt ist uud sowohl
burch tzie seine satirische Jdee, als auch durch unge-
wöhnlich sorgfältigeAusfiihrung eine gewisseBerühmtheit
°Aangt hat. Es stellt mehrerc Barken vor. in deren
Mier die protestantischen, in deren anderer die katho-
^ischen Theologen die Seelen dcr Gläubigen theils niit
dketzen ;u sangen, theils die Ertrinkenden durck niannig-
Wltige Rettungsversnche an sich bcranzuziehen bemnht
sind. Am linken protestantischen User steht eine nn-
Zählbare Menge von Theologcn, Pastoren, Staats-
wännern nnd Fiirsten, unter ihnen Jakob l. von
^ngland nnd sein ältester Sohn, die Prinzen von
^ranien und andere bekannte und unbekannte Personcn,
stnch Udrioen van de Bennc, der Maler des Bildcs.
An, rechten User stcht dic spanische oder katholischc
Partei, Vornehme nnd Gcringe, in dichten Rcihen,
darnnter der Erzhcrzog Albert nnd die Statthalterin
^er Niederlande, Clara Jsabella Engenia. Das Ganze in
unt bewundernngswiirdigcr, miniatnrartiger Fcinheit bc
handelt, nnd jede einzelnc Fignr repräsentirt cine ge-
schichtlich wohlbekanntc Persönlichkeit. DaS Bilk trägt kie
'shhrcszahl 1614 nnd diirfte als cine der srnhesten Ar-
i'nten kes Kiinsilers zu betrachten sein, dcm dic Knnstge-
sGchte bisher nur geringc Ansmcrksamkeit gcschcnkt hat.
ch'eben den beriihmtcren Porträtistcn seiner Zeit, wic
Mierevelt, Egmont nnk Hals, verschwand sein Namc
Uollständig, und crst die jiingste Forschnng, wclche anch
r» Geringsten ans der Bliitbeperiode des 17. 2abr-

hunderts ihrer Aufnierksainkcit werth hält, beginnt
ihm nähere Beachtnng zu widmen. Or. Franken, dnrch
mehrere Arbeiten auf diesem Gebietc bereits riihmlichst
bekannt, hat sich dcr niiihevollen Arbeit nnterzogen,
die Biographie dieses hervorragenden Kiinstlers klar zu
stcllen und die Nachrichten kritisch zu prüfen, die mit
seinem Namen in Verbindung gebracht werden.*)

Die vorliegende Monographie ist nahezu er-
schöpfend und vollständig zu iiennen nnd kann, so ge-
ring auch ihr Umsang ist, als mustergittig bezeichnet
werden. Sie trägt sorgfältig alles zusammcn, was
Lber diesen, hauptsächlich als Jllustrator der Werke
des holländischen Dichters Cats bekannten Kiinstler
beigebracht werden kann, ergänzt seine Biographie durch
ivichtige nrknnkliche Nachrichten und ordnet das ganze
Matcrial iibersichtlich nnd mit grvßer Genanigkcit.

Es ist deninach nnr wenig znr Ergänznng nach-
zutragen. Unbekannt blieben dem Versasscr nnr drei
znsammengehörige Grisailles des Stockholmer Musenms
(Nr. 1 163, 1164 und 1165 des Supplemcnt-Kata-
loges vom Iahrc 1874), deren cincs, die Rettnng des
Moses, bezeichnet ist; kie beiden anderen stellen die
Anbetung der Könige und Jndas, der die 30 Silber-
linge znrückgibt, dar. Sie gehören zu den vorziig-
lichsten derartigen Arbeiten van de Vcnne's und wurdcn
erst in jiingster Zeit von der Muscnms-Direktivn er-
worben. Das Vcrzeichniß der Gemälde des Meisters
dürstc mit den Jahrcn noch insvsern cine Ivescntliche
Bereicherung erfahren, als viele seiner Bilder, besonders

*) vr. Franken, Tz., Adriaen van de Venne Amster
dam, C. M. van Gogh. 1878 115 S. 8.
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