Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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Kunstliteratur.

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Darstellnngen aus dem Bauernleben, unter anderen
Nanien, z. B. denen Brneghel's nnd selbst Ostade's, in
den öffentlichen Galerien hängen.

Das Verzeichniß der Stiche nach Gemälden und
Zcichnungen van de Venne's erscheint dagegen beinahe
vollständig, nnd wir vcrmissen darin nnr ein einziges
Blatt, welches wohl des dargestellten Gegenstandes
wegen so fclten geworden sein mag, daß es deni sorg-
fältigen Biographen nienials in die Hände kam. Es
stellt den thörichten König Candanles vor, der seiiicm
Freunde Gyges den Anblick seiner Gattin gewährt. Der
König liegt bereits im Bette und die Königin, die
sich nur den Angcn ihres Gatten ausgesetzt glaubt, ist
eben im Begriffe, ihre Nachttoilette auf daS allerdürftigste
zu beschränkcn und, lediglich mit einem Ringe be-
kleidet, das eheliche Lager zu theilen. Rechts belauscht
Gyges hinter dem Thnrvorhange die Scene, im Hinter-
grunde ist das spätere Schicksal des thörichten Königs,
seine Ermordung, Vvrgestellt. Jin Vordergrnnde illu-
strirt ein Affe die Scene. Es ist ein kleines, vortrefslich
gcstochenes Ouartblatt und trägt die Bezeichnung:
-V v. Venuv invsn. V. els ckocis souiji.

Or. A. v. Wurzback.

Aunstliteratur.

Die Bcrliner Mnlerschulc vou 1819—1870. Studien

nnd Kritikcn von Advlf Rosenberg. Berlin,

Ernst Wasmnth. 1879. 958 S. 8.

Was wir seit deni Erscheinen des nvch ininier
gcschätzten Buches Vvn Wiegmann über die Kunst-
akademie in Dnsseldors und die Düsseldvrfer Künstler,
daS dcni Knnsthistvriker ein reiches Material nnd eine
einsichtsvollc Beurtheilung der einzelnen Meister bot,
in den letzten Jahrcn schmerzlich entbehrt haben, das
ist eine bis auf die Gegemvart reichende Fortsetzung
desselben. Leider ist eine solche wenigstenS vou dem-
selbcn Verfasser, dcr 1865 starb, nicht mehr zu erwarten.
Auch Blanckarts' N'ckrologe der Düsseldvrfer Künstler
aus den Jahren 1867—77, sv brauchbare Nvtizen nnd
treffliche Charakteristiken sie auch enthalten, können als
Nekrologe den Mangel einer historischen Darstellung
nicht ersetzen. Es ist daher um so dankenswerther,
daß wir jetzt wenigstens über die zweite bedeutende
norddeutsche Vkalerschule, nämlich über die Berliner,
eine vollstäudige Darstellung erhalten, die von gründ-
licher Sachkenntniß nnd gesundem Urtheil zengt und
uns über die einzelnen Meister, ihrc Lebensumstäude
und ihren Entwickelungsgang in einer Weise belehrt,
wie es bisher kein anderes Buch gethan hat. Freilich
kann in Bezng auf die Bi'aler in Berlin noch iveniger,
als in dcm jetzigen Diisseldvrf, von ciner Sckule im

eigentlichen Sinne des Wortes die Rede sein; denn
eine Zusammengehörigkcit der einzelnen Künstler, cine
nacki dem Vvrgange bestimmter Meister beobachtete
Gleichartigkeit in ihrer Kunstübung ist nur in wenigen
Fallen vorhanden; die größere Zahl derselben sührten
der Zusall oder Gründe ganz anderer Art nach Berlin,
sv daß sich anch in der Ausübung ihrer Knnst die
allerverschicdensten Richtnngen bemerklich niachen nnd
der Uebergang Vvn einem zum anderen, ein Zusammen-
hang zwischen den einzelnen, namentlich jüngere»
Kraften nur selten hervortritt. Das war es, was
unserer Ansicht nach die Abfassung cines svlchen Werkes
besvnders schwicrig machte: die Anordnnng nnd Grup-
pirung des Stoffes, die Rcihenfvlge, Ivelche namentlich
aus dcm Gebicte der' Histvrie nnd des Genre's zu
beobachten war. Wie in fast allen anderen Bezic-
hungen, so hat auch hierin der Verfasser in den
meisten Fällcn das Richtige getrvfsen nnd gleichartige,
vder auch — des Kontrastes ivegen — völlig un-
gleichartige Talente in geschicktcr Weise zusammcnge-
stellt. Nnr in den ersten Kapiteln des BucheS, bei
den Schülern vvn Wach, Karl Begas nnd Hensel,
sowie bei den wenigeu Berliner Schülern von Cvr-
nelius war die Sache lcichter; schwieriger natürlich bei
denen, die, auf anderen Akadcmien vorgebildet, später
nach Berlin sei's auf einige Jahre, sei's anf Lebens-
zeit kamen.

Die fttr dic ersten Kapitel des Buches von selbst
sich ergebende Anordnung ist die, daß das erste der-
selben die Anfänge dcr Schule — damals noch eincr
wirklichen Schule — unter Wilh. Schadow und
Wach, das zivcite die Schule vvn Karl Begas und
Hensel behandelt, der dann nvch eine knrze Gcschichte
der Berliner akademischen Ausstellnngen uacki Kngler's
Anfsatz in der jetzt sast vergessencn Zcitschrift „Museum"
sJahrgang 1896) hinzugefügt ist. Bei dicser Ge-
legenhcit läßt der Berfasser mit Vvllem Recht eine auch
von anderen Seitcn bereits wicderholt erhvbene Stimmc
des Tadels über die dcr Berlincr Akademie gänzlich
nnw'ürdigc, völlig unzulänglichc Absassnng dcr Aus-
stellnngskatalvge laut werdcn, welche „dcr Ansordernng,
daß sie der Nachwelt wie dem Knnstforscher ein zu-
verlässiges, statistisches nnd historisches Material zu
liefern haben", in kciner Weise entsprechen. Svwohl
in diesem, als anch in einigen der svlgenden Kapitcl ist
besonders hervvrzuheben, daß wir mit einigen in deu
Kunstgeschichten und den Künstlerwörterbüchern gar
nicht genannten, vder nur dürftig erwähnten Maleru
bekannt werden, vvn denen inanche freilich unbedentcnd
vder künstlerisch bereits verschollen sind, z. B. die aus
Wach's Atelier hervorgegangenen Bolte ans Hau-
nover, Esperstedt nnd Duncker aus Berlin uud
Gvtthard aus Trier, ebensv als Schüler Heusel'S:
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