Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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15. Iahrgang.

Beiträge

Lützow (N)ien, There-
sianumgaffe 25) oder an
die verlagshandlung in
Leipzig, Gartenstr. 6,

y. öeptember

Nr.

Inserate

a 25 für die drei
Mal gespaltene petit-
zeile werden von jeder
Buch- u.Runsthandlung
angenommen.

1880.

Beiblatt zur Zeitschrift für bildende Kunst.

bildende Runst" gratis; für sich allein bezogen koflet der Iabrgang 9 Mark sowohl im Buchhandel als auch bei den deuüchen

und österreichischen Lostanstalten.

Akademie der Rünfte in Berlin - Feuerbach's Deckengemälde für die Miener Akademie. — Aus Pompeji; ^)anoramen von wilberg; Denk-
mal am j)raterstern in N)ien; Denkmal für Iuarez. vom Runstgewerbe-Museum zu teipzig; Der türkische Maler Hamdi Bey. — Zeit-
schriften. — Inserate.

No. 44 dcr Kunst-Chronik und Hcft 12 dcr Zcitschrist crichcincn am 23. Scptcmbcr.

Das Rheinische j)rovinzial-5tändehaus
in Düsseldorf.

Ueber diesen Bau, eine dnrch Anlage und Ans-
fiihrnng hervorragende Schöpsung der Neuzeit, bringt
die Köln. Zeitg. einen Bericht, welchem wir die nach-
stehenden Sätze cntnehmen:

Das Gebäude erhebt sich in der gilnstigsten
Vcrkehrslage Dnsseldorfs, von einer hochstämmigen,
schattenspenden Baumanlagc ningeben, von den klaren
Flnthen eines zierlichcn, schwanenbelebten Sees nm-
ranscht. Der Entwurf des Wcrkes rührt von dem
Baurath Naschdorff, dcm nunmehrigen Profestor der
Architektur an der technischen Hochschule zu Berlin,
her, welcher mit seiner Arbcit bei der im Jahre 1874
ausgeschriebencn Konkurrcnz dcn ersten Preis davvn-
getragen hatte. Die Bauausfiihrnng hat anf Grund
dcs Raschdorff'schen Entwnrfes der Regierungs-Ban-
meister Saal gelcitct, ein vielseitig gebildeter, gewisten-
hafter, erfahrener Architekt, dessen verständnißvoller
unermiidlicher Thätigkeit das Gelingen des großen
Werkes nicht Ivenig zu verdanken hat. Die Oberauf-
sicht war, wie billig, in Profcstor Raschdorff's Hände
gelegt.

Ans dnnkelgrauen, massigen Sandsteinquadern
erhebt sich das Gebändc, wic mattes Silber glänzen
dazwischen die hclleren Tuffsteinlinien, in sanftem Roth
schimmert die durchweg angewandte Zicgelblendung,
deren saubere, regclmäßige Ausführung einen wohl-
thuenden Eindrnck hcrvorrnft. Der Stil schlicßt sich

an die italienische Ncnaissance an; dcm entsprechend
ist die Anßenseite des Gebäudes mit wirkungsvollem
figürlichen Schmucke reich ansgestattct wordcn. Zahl-
reich genug, um überall in's Auge zu sallen, und da-
bei doch jede Ueberladung mit Geschick vcrmeidend,
fesseln uns anf allen Seiten hübsche Reliefdarstellnngen,
die sich am Fries zn einer reizcnden Grnppe vereinigen:
idealisirte Kindergestalten, wclchc die Wappen der im
Rathe sitzenden Fürsten tragen. Ueber dcm Kinder-
fries erhebt sich die stattliche Gicbelgruppe, von Pro-
sestor Mohr in Kvln mit Geschmack entworfen und
mit Geschick ausgeführt: bärtige Landsknechtgcstaltcn
halten das Wappcn dcr Provinz. An dcn Seiten-
fronten crblicken wir wirksaine Nischcnfigurcn; sie stellen
Germania, Bvrnssia, Rhenania nnd dic Vcrwaltung
dar, die letztere (in dcr Weise, wie die Nömer auf
ihren Münzen uns das Bild der Staatsverwaltung
hinterlassen haben) durch cine allegorische Franengestalt
mit Stab und Stern. Ueber dem mächtigen Haupt-
gesims erhebt sich, mit Bekrönung durch einen Kamm
aus getriebenem Zink, das breite Mansardcndach.
Ein Genius schwebt darübcr, der seine Armc schützend
über die zu seinen Füßen ruhenden Verkörpcrungen
von Wissenschast nnd Arbeit ausbreitet nnd die Vorder-
front in stimmnngsvoller Weise abschließt. Bemerkens-
wcrth ist anch die schöne Hinterfront, die durch einen
thurmartigen, Mittclbau lebendig heraustritt. Das
Ganze gruppirt sich nm einen geräumigen inneren Hof;
der Eintritt erfvlgt durch mächtige Portalthore, die in
getriebener Arbeit reiche Verziernng erhalten haben.
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