Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

Page: 61
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kunstchronik1880/0037
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
6!

Vermischte Nachrichten,

62

Allem, aber besitzt es die Eigenschaft, selbst eine Jndustrie-
stadt ersten Ranges zn sein, Was den Platz betrisft, so
würde wohl in erster Reihe die im Südosten dcr Stadt ge-
legene Hasenhaide in Betracht kommen — cin großes Gehiilz,
das jetzt oon zahlreichen Vergnügungslokalen stark besctzt ist.
Der Platz der Geiverbe-Ansstellniig hat sich, da er soivohl sür
die industriellen als anch die eleganten Theile der Stadt gut
gelegen ist, als sehr praktisch erwiesen, Nur ist er sür eine
Weltausstellnng viel zu klein; man müßte denn die nahe
Uhlanen-Kaserne niederreißen nnd ihren ansehnlichen Erercir-
Vlatz dazunehmen. Aber der Gedanke, eine Kaserne einer
Ausstellung zu opfern, ist so frevelhaft, daß ich selbst davor
erschrecke und ihn nur als Phantasiespiel betrachtet wissen
tzlöchte,

1k, Miinchener internativnale Ausstcllung, Jn unscrer
Liste der Preisträger in Nr, 45 v, I. dieses Blattes ist
durch ein Vcrsehen des Kopisten der offiziellen Liste der
Prämiirten der Namc Franz Desregger's ausgeblieben,
Derselbe erhielt ebenfalls die goldene Medaille ersrer Klasse,

Vermischte Nachrichten.

1k, Reparatnrcn baycrischer Baudcntinäler, Das kgl-
dayerische Staatsministerium dcs Juuern sür Kirchen- nnd
^chttlangelegenheiten hat im Anhange znm Budget eine
-ausammensteUiing der Gesuche um BewiUignng sakultativer
^taatsbeiträge zu Knltns- iind Unterrichtsbauten mitgetheilt
u>id dabei bemerkt, daß die Regierung Ängesichts der gegen-
wärtigen Finanzlage zu ihrem lebhaftcn Bedancrn ntzcht in
der Lage ssi, diese Gesuche den Kaminern des LandtageS
tzegenüber zu vertreten, Darunter finden wir auch zwei Ge-
luche von wsitergehendem Jnteresse, Das erste ist das der

tnthol, Kirchenverwaltung von St, Bonifaz in München,

tuelche außer Stand ist, die Summe von I3,5VV Mk, zu be-

ichaffen, die znr Vornahine dringender Reparatur-Arbeiten
nu der vom Koiiige Ludwig 1, erbauten Basilika nothwendig
stnd, Das zweite Gesuci) betrifft die kathol, Kirche in

^ußerthal in der Pfalz, Dieselbe ist im reinen romanischen
s^tile des dreizehnten Jahrhunderts erbaut und eincs der
lchvnsten moiiumentalen Baiidenkmäler der Pfalz. Sie ist bau-
lallig nnd geht dem gänzlichen Ruine entgegen, wcnn nicht
bald eine dnrchgreifende Wiederherstelluiig vorgenommen
tbuA; nlZ baupflichtig aber erscheint die ganz unvermögende
Kultusgemeinde Eußerthal, melche zumeist von Tagclöhnern
^uo Holzhauern bewohnt ist, Tie Baukosten sind auf
Mk, veranschlagt, und man darf wohl darauf gespannt
st/u, ob die Kammeri! obige Suiiime nicht auch ohne die
"dertretung des Hrn, v. Lutz bewilligen,

1k, Dic Freskcn in dcn Miinchcncr Arkadc». Die Presse
sat wieder cinmal einen Ersolg zir verzeichnen: die histo-
hllchen Fresken in den Arkaden des Hofgartens zu Biün-
chen iverden jetzt ciner gründlichen Restauration unter-
borfcn. Das kam so. Seit Zahrcn hat die Presse ihr Be-
auern darübcr ausgesprochen, daß an maßgebcnder Stcllc
uhts sj',x Rottung der dcm unvermeidlichen Untergange
utgegcngehendcn Fresken aus dcr baycrischen Gcschichte in
bu Hosgarten-Arkadcn geschehe, Der Schadcn, den sie ge-
oinnien, war ein dreifachcr, Einmal hatten rohe Hünde
uzclne Bilder dnrch Steiiiwürfe vcrlctzt und dann — und
^ war die Hauptsache — warcn die jungen Künstler,
olche dieselbe nnter der Leitung von Eornelius ausgeführt
chtten, mit der seit einem Jahrhundert in Deutschland wenig
i, tzUt: nicht mehr gepflegten Technik deS Frescomalens
^urlich nur ungenügend vertraut und bereitcten sich eine
tte Malfläche, indem sie Gyps anf dcn Mörtelbewnrf auf-
^lststn nud das Ganzc inöglichst glätten ließen, Die Folge
Manipulation, dic erst jetzt bei der Rcstaurntion zu
'Ptge kam, war die, daß die Fnrben durch die Gypsschicht
bi^Wlten wurden, sich mit dem Kalk im Mörtel zu ver-
ive's sväter nnter dem Einflusse des Klima's stellen-

tali c c"^^tterten, Dazu kam dann noch, daß mehrerc me-
kl>, Furbcn unter demselben Einflusse oxydirten. Der
ziMche Anblick der FreSken nnn, dercn kunslgeschichtlicher
pußer Frage steht, wcnn auch die Mehrzahl, vom

WnsLris^

Äedeutung dieser Fresken hervorgehoben, veran

bekannten Bildcr-Restaurator Franz Reichart, sich um ein
Billiges zur Restauration üerselben anzubieten. Die Auf-
gabe, die in Folge dessen Hrn. Reichart übertragen wurde,
erstreckt sich auf alle 34 historischen Fresken und ist theil-
weise auch bereits gelöst; es sind Kaulbach's typisch gewor-
dene Bavaria mit dem Löwen über der in die k, Residenz
führende Thüre, Monten's Erstürmung einer türkischen
Schanze vor Belgrad durch die Bayern 1717 und die Waffen-
Trophäen Eug, Neureuther's zu beiden Seiten der in die
Ludwigsstraße führenden Thür in vollkommen befriedigender
Weise wiederhergestellt, Namentlich muß hervorgehobcn
werden, daß der Restaurator weit davon entfernt ist, seine
Aufgabe mit der eines Malers, der ein selbständiges Werk
ausführen soll, zu verwechseln. Er beschränkt sich mit großer
Gewissenhaftigkeit darnuf, in Folge unzweckmüßiger Technik
locker gewordene F-arbenpartien so weit möglich wieder zu
befestigen und grcift zum Pinsel und zur Farbe nur da, wo
von dieser auf der Bildfläche gar keine oder doch nur schwache
Spuren zurückgeblieben, Wo freilich Farben durch den
Txydationsprozeß verändert wurden, da hält er mit Recht
die Thätigkeit des Restaurators ausgeschlossen und läßt
solche Stellen lieber unberührt,

Bon der Alhambra, Gegenüber den bennruhigenden
Nachrichten, welche nnlängst über die Perle der arabischen
Baukunst nmlieien, schreibt der Nedakteur des granadinischen
Blattes El Universal: „Es ist nicht das erstemal, daß Be-
sürchtungen laut wurden wegen eines nahen Einsturzes auf
; dem rothen Hügel, dessen Farbe der Alhambra den Namen
gegeben, Die Alhambra ist aber nicht blos ein Palast, auf
dem Gipfel eines Hügels erbaut, sondern ein Bezirk von
1700 Metern im Uinkreise, innerhalb dessen sich mehr als
24 alte Festungswerke, eine zahlreiche Bevölkerung und viele
Privatwohnungen befinden, Am Fuße des nördlichen Ab-
hanges des rothen Hügels, dem sogenannten Cerro de San
Pedro, sließen nun die Wasser des Darro und schwemmen
Erde fort in einer Ausdehnung von 75 Ellen, Diese Erd-
ablösung ist aber ganz unbedeutend und kann durchaus nicht
die Besorgniß erregen, das Maurenschlos; könnte im Laufe
weniger Jahrhunderte zusammensinken, Zu fürchten ist nnr,
daß einer jener 24 Thürme (La Torre del Hoinenaje), der
200 Meter vom Eingange des maurischen Palastes entfernt
liegt, einstürze; aber auch dieS erst im Laufe eines halben
Jahrtausends, Man kan» dies daraus entnehmen, daß die
von Karl V. errichtete schwache Mauer, die den nördlichen
Theil des Waldes der Alhambra begrenzt, bis heute nur
ein nnbedeutendes Stück verloren, und man sieht daraus,
daß die Zerstörungen nicht über 8 bis 10 Ellen hinaus-
gehen, Man kann daher berechnen, daß der Fluß in fiinf
bis sechs Jahrhunderten den Grund der Torre del Homenaje
aushöhlen wird, aber nicht den des Maurenschlosses, der
cigentlichen Lllhambra, Ehe das geschicht, sind die Marmar-
sänlen, Fliesen und Stucksiligrane der Alhambra lnngst zu
Staub geworden," Ein in dcn granadinischen Blättern
von dem rühmlichst bekannten Restaurateur der Alhambra,
D. Raphael Contreras, vcrösfentlichter ausführlicher Bericht
bestütigt vollständig obige Mitthcilung und spricht zngleich
den Zeitungen seinen Dank für die warme Theilnahme aus,
die sie für dieses Riesenwerk des arabischen Genius be-
wiesen. Er schließt mit den Worten: „Es ist kein Grnnd
j zu der Besorgniß vorhanden, disses arabische Denkmal
könnte jemals vom Erdboden verschwinden durch Einsturz
des Hügels, auf dem es erbaut ist,"

Ü, Ttuttgart, Theodor Schurer und Wilhelm Rösch,
zwei begabte Schüler Donndors's, haben für den neuen
Flügel unseres Polytechniknms die Standbilder von Dürer
und Kepler, als Vertrcter von Knnst nndWissenschaft, aus-
geführt, welche in Nischen zu beidcn Seiten des Haupt-
portals anfgestellt worden sind, Jede Figur ist etwa zwei
Meter hoch und aus französischcm Sandstein gearbeitet,
Kepler steht an einem großen Globus, den er mit dem
Cirkel in seiner rechten Hand berührt, Er blickt zu den
Sternen empor und hält iii der erhobenen Linken das Fern-
rohr, um sie näher zn betrachten, Dürer dagegen sieht ge-
rade aus, die Erschcinungen des Lebens in sich aufzunehmen,
Mit der einen Hand stützt er sich auf ein Bild, während
er mit der anderen den faltigen Mantel hält. Kepler ist
von Rösch, Dürer von Schurer ausgeführt, Beide Statuen
sind in Auffassung und Behandlung höchst lobenswcrth und
loading ...