Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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Korrespondenz.

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Jnnsbruck verflogen, dort jedoch überall unter anderen
Verhältnissen angebracht sind.

Meines Wissens erwähnen die Kunstgeschichten
nirgends, daß Alexander Colin, welcher die be-
rühmten Basreliefs am Monument des Kaisers Ma-
ximilian zu Jnnsbruck verfertigte, anch für den Erz-
guß modellirte. Jn der stattlichen Pfarrkirche zu
Schwatz sieht man neben der Thüre, welche links in
den Gottesacker führt, cine eherne Tafel von beiläusig
2 in. Höhe und l^ rn. Breite eingemanert. Der
obere Theil ist in drei ungleiche Felder abgetheilt,
über dem großen mittelsten wölbt sich ein Bogenaufsatz.
Hier sitzt Gott-Vater aus dem Throne, nnter dem
die Zeichen der vier Evangelisten angebracht sind, wie
ihn die Apokalypse schildert mit dem Buch und dem
Lamme, darüber auf dem Regenbogen die sieben Lampen.
Jm Mittelfelde kniet der Evangelist Johannes, ihm
zu beiden Seiten malerisch angeordnet die vierund-
zwanzig Aeltesten, welche ihre Kronen darbringen. Die
Jnschrift darunter giebt einen Bibelvers der Apokalypse
Kap. XI, 17 nnd zwar in der llebersetzung Luther's:
„Wir danken Dir Herr allmächtiger Gott rc." Jn
den schmäleren Seitenfeldern sehen wir rechts einen
Knappen, links einen Schmelzarbeiter in der Tracht
jener Zeit; diese beiden Figuren sind sehr schön. llnter
dem Mittelfelde gruppirt sich in der ganzen Breite
der Tafel die Familie des Verstorbenen, rechts er mit
den drei Söhnen knieend unter dem Schutze Johannes
des Täusers, links die drei Frauen sammt ihren Töchtern
und einer Heiligen. Die llnterschrift lautet: „Lnno
ckoinini 1573, den 15. Septembris ist allhie zu
Schwatz s in Gott seeliglich entschlafen der edel nnd
Vvst Herr Hans s Dreyling zu Wagrain der ölter in
seinem Leben s der f. d. Erzherzog Ferdinanden zu
Oesterreich gewester Pergrath und Schmölz s herr in
Tirol, dessen u. alle christgläubigen Seelen der all-
mächtig Gott gnedig sein wolle dnrch Jesum Christnm
unsern Herrn Amen." Zu unterst des Ganzen ist ein
länglicher Schild mit der Jnschrift: „Mir gab Alexander
Colin den possen I Hans Christoph Löffler j hat mich
gegossen § 1578." — Hans Dreyling war mit Colin

und Löffler verschwägert. Das Grabmal Colin's, welches
in der Mauer des Friedhofes zu Jnnsbruck eingelassen
ist und bereits beschrieben wnrde, trägt die Unterschrift:
„Alexander Colin § der ernvest und kunstreiche Bild ^
hauer von Mecheln, so nnuo ALOXII ^ den XVII.
Tag Augusti hier in Gott § entschlafen ist." Links
davon lesen wir: „Maria Colinin geborene Flie-
schauerin ^ die erentngendhafte Frau ist den j andern
yuli AVXOIV hier in Gott j seeliglich verschieden."

Das hiesige Ferdinandeum hat endlich mit dem
ersten November für die Sonntage freien Eintritt ge-
stattet. „Welche Großmuth!" möchtcn wir ausrnfen;

nur ist's im Winter in den ungeheizten Sälen zu
kalt, um es auszuhalten. Die Fremden streichen von
Anfang Juli bis Ende September; möge man dieses
Vierteljahr, damit ja keiner, ohne zu zahlen entrinnt,
die Bude gesperrt halten; die übrige Zeit dürfte man
denn doch, um dem ursprllnglichen Zweck des Fer-
dinandeums als einer tirolischen Bildnngsanstalt zu
entsprechen, wvchentlich zwei Vor- und Nachmittage,
um Studirenden den Eintritt zu erleichtexn, frei geben.
Was dem Ferdinandeum entgeht, ließe sich dadurch
wieder einbringen, daß man Gemälde, wie die des
Herrn Franz Rabensteincr und August v. Wvrndle,
nicht mehr ankaufte.

Die hiesige Glasmalereianstalt von Neuhauser
hat die neun Hauptfenster znr Weihe der nenen Ma-
rienkirche in Stuttgart, welche am 12. November er-
folgte, geliefert. Die Bestellungen ans Amerika
werden jetzt sparsamcr, weil die nordamerikanische Re-
gierung einen Eingangszoll von 40 Prozent fordcrt.
Dafür wird an der Fortsetzung der Fenster des Dvmes
zu Münster gearbeitet; ebenso wurde ein Mittclfenster
für die Sternbergkapelle zu Prag bestellt. Jn die
Kirche Groß-St. Martin zu Kvln stiftet die Ge-
meinde drei Fenster zum fünfundzwanzigjährigen
Priesterjnbiläum ihres Pfarrers. Anch die Weihnachts-
ausstellung zu Wien wird die Anstalt in reichem Maße
beschicken; sie hat neuerdings keine Kosten gescheut, uin
die profane GlaSmalerei auf gleiche Höhe mit der
kirchlichen zu bringen, und da jetzt die Nachwehen des
Krachs allmählich verwunden werden, fehlt gewiß auch
nicht der äußere Erfolg.

Dresden, im December 1879.
o. Bei eincm Rückblick auf unser Knnstleben sei
zunächst noch der akademischen Kunstansstellung
gedacht, welche, nm der Gleichzeitigkeit mit anderen
Ausstellnngen aus dem Wege zn gehen, dieSmal frühcr
im Jahre stattfand als sonst. Es warcn gegen 330
Werke ausgestellt, darnnter die Modelle von Prof.
Donndorf's bereits besprochenem Cornelinsdenkmal
für Düsseldorf, ein prächtiges Porträt Ludwig Nichtcr's
von Prof. Pohle nnd noch einige andere ansprechende
Arbeiten. Jmmerhin aber hätte man noch eine größere
Betheiligung nicht nnr der renommirteren einheimischcn,
sondern namentlich auch der auswärtigen Künstler er-
warten dürsen. Leider haben die von Sciten der
Akademie gemachten verdienstlichcn Anstrcngungcn, nnser
Ausstellungswesen zu heben nnd insbesondere auch dic
answärtige Kunstwelt für unsern Salon zu interessiren,
noch immer nicht den erwünschtcn Erfolg. Jeden-
falls unterschätzt man answärts noch zu sehr die
Bortheile, ivclche Dresdcn als Knnstmarkt bietet; sind
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