Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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Neuigkeiten des Buch- und Kunsthandels.

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fehlen in den Reihen der Aussteller diesmal einige Namen
»»n gutem Klang, die man auch in dem unteren, das von
der eigentlichen Weihnachtsmesse gebotene Bild nach verschie-
denen Seiten hin ergänzenden Saale-der permanenten Bau-
Ausstellung vergeblich suchen würde^ die Fülle des Vorhan-
denen aber und die durchgängige Tüchtigkeit der vorgeführten
Leistungen, unter denen das wenige Mittelmäßige, das von
den Augen der sichtenden Jury übersehen wurde, nahezu
derschwindet, macht diese Lücken nicht entfernt so empfindlich,
wie tzjes noch ygx wenigen Jahren der Fall gewesen sein
würde, und während das Fortbleiben jener Einzelnen wohl
uur einer vorübergehenden Ermüdung durch die Anstren-
gungen der diesjährigen Gewerbe-Ausstellung zuzuschreiben

m, ireten auf der anderen Seite bereits wieder neue Er-
Icheinungen auf, die das volle Gegentheil eines Stillstandes
veweisen. Den effektvollsten Schmuck der Wände des Trep-
penhaufes und der oberen Säle bilden auch in diesem Jahre

uon Ehrenhaus und Gerson hergegebenen farben-
^fchen Teppiche, denen A. Müller als Erzeugnisse hei-
wlfcher Kunstfertigkeit seine gediegenen, stilvoll gemusterten
wcvbel- und Vorhangstoffe und seine theils durchweg farbigen,
cheils nur mit trefflichen Bordüren gezierten Tischgedecke
ch^eiht. Neben den duftigen Spitzen von I. Link und den
n Geschmack und Techuik vollendeten Stickereien aus dem
^relier der Frl. B essert-Nettelbeck fällt die Vertretung der
^eMIindustrie sodann vornehmlich den verschiedenen, zu-
neist von durchgreifender Geschniacksreform zeugenden Einzel-
nncken und Kollektionen weiblicher Handarbeiten zu, unter
enen die stattlichste und vielseitigste diejenige des Vereins
ger Künstlerinnen ist. Sie umfaßt nicht blos das Ge-
wmintgebiet weiblicher Handarbeit im engeren Sinne, son-
^ern außerdem noch eine stattliche Auswahl in jedweder
^echnik verzierter, mannigsachster Gebrauchs- und Lurus-
Menstände, unter denen" neben Malereicn auf gewebten

n, . lfen, auf Holz, Thon, Glas und Stein vor allem eine
leihe von Kästchen, Rahmchen rc. in außerordentlich gefälliger,

,, °">strisch gemusterter Holzschnitzerei bemerkenswerth her-
- "wtt, Auf dem Gebiete der Lederindustrie stehen die be-
Mnten Namen Kullrich mit seinen Albums, Blanken-
iinü^ seinen technisch fast unübertrefflichen Mosaikarbeiten
i^f" Dogt L Sohn mit ihren Einbänden ebenso voran,
r fb -«arillot als Elfenbeinschnitzer und H. Müller in
1 - ansprechenden Specialität, dem mit Gold und Silber
,?Vwgten Schildpatt, excellirt. Auch die mit kaum nennens-
o ?rhen Ausnahmen durchweg im Charakter der Renaissance
^^rnen, durch maßvolles Schnitzwerk, durch Jntarsia
i,, ourch Metalleinlagen dekorirten Möbel, zumeist bereits
de« -. Gewerbe-Ausstellung gesehene Stücke bester Arbeit,
fe» "ls um sciner Herkunft willen interessant, ein ein-
K-^öegliederter, aus den eichenen Balken des alten Nikolai-
ijj, ^Uurms hergestellter Schrank gesellt, cntstammen den
rend diesem Gebiete renoinmirten Werkstätten, wäh-
»Ur l>em Felde der Keramik, auf dem das Porzellan
kgl lline reichhaltige und gewählte Kollektion der

-!»nufnktur repräsentirt wird, sofort die mehr und
fällt »usbreitende Pflege der Majolikamalerei in's Auge
2estL n>^" k>en vorzüglich vertretenen Etablissements von
L ä, ^ Drews machen sich hier als jüngereKräfte Schenker
«n sj oschweg in vortheilhastester Weise bemerkbar, und
haim r veiht sich eine ganze Sammlung meist von Frauen-
all^i,e°vrührender Arbeiten, die, zum Theil sehr ansprechend,
ugs nicht selten auch über die durch strengere Stil-
Könu öurch das Maaß des vorhandenen künstlerischen
»i den'o ?vbotenen Grenzen hinausschießen. Gleich gelungen
ihrem ^osichnung ihrer leichten graziösen Ornamente wie in
»i It!--^^uufvn Schlisf sind dagegen die von M. Wentzel
llnerka^ t" eingesandten Krystallgläser, die sich den längst
Von prächtigen Heckert'schen Erzeugnissen gesellen.

Waan ^usstellerii der Metallindustrie endlich stehen Sy L'
»,it mit farbenprächtig ornamentirten Silbersachen,
Einajsuon Bastanier gemalten Kästchen in Limousiner
deuen auserlesenen Schmuckgegenständen, unter

fällt j »»» Luthmer entworfenes großes Eollier auf-
Und'stii Linie, ohne jedoch die nicht minder gediegenen
llkydint Arbeiten von Schaper und die graziösen, in
fncheii vergoldetem Silber ausgeführten Schmuck-

ber »1^0" Schade zu verdunkeln, während auf dem Gebiete
lluze nach wie vor O. Schulz den Vorrang behauptet

und neben ihm Czernikow L Busch sowie ferner R. Falk
mit seinen Metallätzungen, Grohe mit seiner geschickten
Jmitation tauschirter Arbeit und Paul L Hoffmann mit
ihren unterMitwirkung tüchtigerKünstler sich immer mehr ver-
^ vollkommnenden galuanoplastischen Erzeugnissen Erwähnung
fordern. Glänzender als je erscheint sodann noch das Ber-
liner Email in der das Beste ihrer Produktion fast voll-
ständig umfassenden Ausstellung der Werkstatt von Ravens
und in den Kollektionen von Laue und von R. Lehmann,

! einem dritten, hier zum ersten Male und sofort achtung-
gebietend auftretenden Repräsentanten dieseS vorn.ehmen
Jndustriezweiges.

8. Verkaus ciner päpstlichcn Saminlung. Jn den rö-
mischen Blättern macht gsgenwärtig der Verkauf einer bis-
her wenig bekannten, aus der päpstlichen Villa zu Castel-
gandolfo stammenden Sammlung von Majoliken viel von
sich reden, die, 83 an der Zahl, nach Maßgabe der dafür
ausgezahlten Summe jedenfalls einen ansehnlichen Kunst-
werth repräsentiren. Den in Rom hierüber kursirenden No-
tizen, über deren Zuverlässigkeit sich bei der Publicität der
Angelegenheit voraussichtlich bald Näheres herausstellt, ent-
nehmen wir, daß ein früherer Beamter der genannten Villa,
dem als Unterhändler 301)0 Lire in Aussicht gestellt gewesen
seien, Leo XIII. zum Verkaus der nach seiner Aussage werth-
losen und zu der vom Papste vorgeschlagenen Ueberführung
in den Vatikan durch ihre zum Theil anstößigen Malereien (!)
ungeeigneten Objekte beredet habe. Die Käufer, der be-
kannte römische Antiquar Giacomini und ein srüherer Jn-
spektor der öfsentlichen Sicherheit (!) Paolini, hätten dem
Kardinal Nina 22000 L. ausgezahlt und sodann die Samm-
lung für 40000 L. einem Senator, dem Herzog della Ver-
dura, überlassen. Das Gerücht, daß der Letztere dieselbe
bereits nach Paris verkauft habe, hat sich nicht bestätigt, sie
soll sich vielmehr noch zu Rom in seinen Händen befinden.
Es bleibt nunmehr zu erwarten, welche Stellung die ita-
lienische Regierung zu dieser Sache nehmen wird, bei der
es sich um Eigenthum des Staates handelt, indem Art. 5
des Garantiegesetzes der Veräußerung der dem päpstlichen
Stuhle zur Nutznießung belassenen Villa von Castelgandolfo
ebenso wie des vatikanischen und lateranensischen Palastes
mit Jnbegriff ihrer Kunstgegenstände entgegensteht,
eine Bestimmung, deren Keiintniß man freilich bei sämmt-
lichen in der Angelegenheit Betheiligten sollte voraussetzen
dürfen. Die Richtigkeit der von Seiten der Käufer ge-
brauchten Ausslucht,'daß die in Rede stehende Sammlung
zum Privateigenthum Pius' IX. gehört habe, wird mit dem
Bemerken in Abrede gestellt, daß dieselbe weder im Jnventar
noch im Testament des verstorbenen Papstes figurirt, also
Nationaleigenthum ist. — Was die Provenienz der Majoliken
' betrifft, über deren Bestand nähere Notizen zu erwarten
stehen, so wird die Vermuthung aufgestellt, daß dieselben
ebenso wie diejenigen des Nuaso ua^ionalo zu Florenz durch
Erbschaft von den Herzögen von Urbino in den Besitz der
Medici übergingen. Die genauen Verzeichnisse der urbina-
tischen Kunstqegenstände werden jedenfalls Licht über diese
i Frage verbreiten.

Neuigkeiten des Buch- und Aunsthandcls.

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auk äeui Oediebo äor 01a.8ius,Iorsi. 8». 31 8.
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karis 1880.

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äis doriroutalou Eurvatursu äos äorisolion
Ltz- Is. Ait 2 Ikig-uroll. 'l'akolu. 8". 147 8. Ltuttsart,
L. 'lVittvor. Ale. 5. —.

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