Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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Nekrologe.


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Beiträgen im Jnteresse der Sache entgegenznwirken. !
Soll die fachmännische Verwerthung auch nnr einer
«nzigen Anstalt von dem großartigen Zuschnitte der
vereinigten Berliner Museen in wirklich erschöpfender
^rt betrieben werden, so ergiebt sich daraus einc Fülle
bon Aufgaben, an dercn Lösung das Jahrbuch noch
iänge zu arbeitcn haben wird. Unsercr imnier noch
!ehr im Argen liegenden Museographie wäre damit
em großer Dienst geleistet. Jn welcher Weise wir uns
^irse Bearbeitung denken, dafür bedarf es nur des
Hinweises auf die trefflichen Beiträge Friedländer's
und Lippmann's, mit denen das erste Heft beginnt,
und denen gewiß aus den Gebieten der Gemälde-
galerieund desSknlpturenmuseumsArbeiten vongleichem
^erth mit Leichtigkeit an die Seite zu stellen gewesen
Kären. Nnd zwar anch aus den antiken Abtheilungcn
plastischen Binseums, den klassischen wie den orien-
ialischen, welche hoffentlich nicht nur als seltene Gäste
zu kurzen Entreakten, wie dies Mal, sondern
^gelmäßig und auöführlich auf der Bühne des Jahr-
i'uches erscheincn werden!

Sollen wir aus dem Jnhalte des vorliegenden
Heftes noch einige besondcrs beachtenswerthe Details
hervorheben, so sei vor Allem des amtlichen Theils
"ach einmal gedacht, welcher die statistischen Angaben
uber den Zuwachs der Sammlungen aus dem Halb-
iuhr vom l.April bis l. Oktober 1879 enthält. Die
^usweise der Sammlungsvorstände über den Zuwachs
ihrer Abtheilungcn sind in der Form nicht gleichmäßig.
^iu Meyer, der allcrdings nur drei neue Erwerbungen
(2b Cuyp, N. Maes und Rembrandt) zu verzeichncn
hui, geht in die Beschreibnng nnd Charakteristik der
^ilder näher ein; die übrigen Berichte begnügen sich
unt kurzen Aufzählnngcn oder zusammeusasienden Be-
uierkungen. Besvnders dankcnswerth und auch bei
biin übrigcn Abtheilnngen für die Fvlge zu empsehlen
'h die vvn Dir. Jvrdan den Erwerbuugen der Na-
i^nal-Gaseric beigefügte Preisangabe. Der Bericht
uber djxsx Sammlnng nnifaßt ausnabmswcise den
JäNzen Zeitranm scit ihrer Gründung. Wir erfahreu,
die National-Galerie Uber einen jäbrlicken Fvnds
bun 300,000 Mark aus Staatsmittcln und außerdem
uber beträchtliche Stiftnngen versügt. Jnteressant ist
A. auch die Notiz, daß der Besuch der Galerie sich
uu Soinmcrscmester 1879 auf nichtwcniger als 140,000
i^rsvnen bezifferte. Den Beschluß dieser Abtheilung
^ 2ahrbuchs bilden ein schr lcsenswerthes Referat
uber die aus Kostcn des Staats unternommencu mo-
uunientalen Kunstschöpfiingen nnd der unseren Lesern
oreits bckanntc Bcricht iiber die nencn Erwerbungen
oiis Pergamvn.



Vvn den Abhandlungen des zwciteu Dheils ver-
s^ucht die Arbeit vvn Jnl. Friedländer über die ita-

lienischen Schaumünzen von 1430—1530, Vvn wel-
cher das erste Heft den Anfang enthält, für die Me-
daillenkunde der Renaissance grundlegend zu werden.
Unter den Beiträgen Fr. Lippmann's nenuen wir die
mit einem Vvrtrefflichen Kupferlichtdrnck ansgestattete
Untersuchung über den höchst kostbaren altitalienischen
Kupferstich (weibliche Büste sn proül, in reicher
Tracht), von dessen Erwerbung dieses Blatt bereits
im letzten Svinmer berichtete. Lippmann bemüht sich,
wie uns dünkt, nicht mit entscheidendem Erfolge, den
Ursprung des merkwürdigen Stiches bis über die
Mitte des 15- Jahrhunderts zurück zu datiren. Da-
gegen hat er wohl unzweifelhaft recht, wenn er das
Werk entschieden von den „Malerstichen" trennt und
in ihm „die im harten Material geschulte Hand eines
Tvreuten" erblickt Wir mvchten noch einen Schritt
weiter gehen und fragen: haben wir in dem Blatt
überhaupt eine ursprünglich für den Druck bestimmte
Grabstichelarbeit vor uns oder nicht vielmehr ein
Werk, welches — ähnlich wie die Niellen — zu irgend
welchem dekorativen Zwecke gearbeitet, aber nicht zur
Vervielfältigung bestimmt war? Der von Lippmann
fein herausgefühlte Kontrast zwischen der „primitiven"
Technik und dem hohen Kunstgefühl, Vvn welchem das
Ganze sonst erfüllt ist, scheint nns für die Bejahung
dieser Frage zu sprechcu.

Schließlich nvch cin Wvrt vvn der typographischen
und illustrativen Ausstattung des Jahrbuchs. Sie ist
cine in jeder Hinsicht musterhafte und möge in ihrer
edlen Opnlenz dazu mitwirken, das Extrem überladencr
und sinnloser Masseiiillustration, welches ncuerdings
über nnsere pcrivdische und nicht-perivdische Kiinst-
litcratnr hereinznbrechen droht, auf das richtige Maß
zurllckzudämmen, sowie sie nns allen als Anspvrn
dicnen wird, im wahrhaft Guten nnd Schönen mit
ihr zu wetteifern. C. v. L.

Nekrologe.

Anselm Fcuerbach f. Dcr am 4. Januar 11 Uhr
Vvrmittags iu Venedig erfvlgtc Tod dcs hvchbegabten,
in der Kraft der Mannesjahre dahingerafften Bicisters
hat überall die schmerzlichste Theilnahme hervorgernfcn.
Wir erhalten vvn nnscrm Kvrrespvndcnten aus der
Lagunenstadt soeben die nachfolgcnden Zeilcn:

„Von der Leichenfeicrlichkcit zu Ehrcn Ansclm
Feuerbach's zurückgekchrt, drängt es mich, Jhnen Be-
richt über dieselbe zu crstattcn, noch ganz erfüllt Vvn
all dcu schmerzlicheu Empsindnngcn, welche iu solchen
ernsten Stunden das Hcrz bestürmcn. Wie cine
Schreckenskunde traf die hiesigcn Vcrehrer des reich-
begabten Manncs die Nachricht vvn scinem plötzlichcn
Hinscheiden. Ruhig und schmerzlos, wie es scheint,
hat der stürmische Geist die irdischc Hiille abgestrcist'
Nnr leicht verändcrt war die Lage des nvch wenige
Angenblicke vor dem letztcn Pulsschlage ruhig Schluin-
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