Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 15.1880

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Äunstausstellung in Rom.

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del Don ein ebenfalls recht achtbares Bild des Paduaner
Marktes mit reicher, lebendiger Staffage. Die Barock-
archiieklur ist gut vertreten durch Bincenzo Marchi's
Jgnaliusaktar in der Chiesa del Gesü, dies Bild ist
ebenso wie eine Znnenansicht aus Lem Quirinal eine Arbeit
von routinirler Technik. Ziemlich hart ist ein Aquarell
vonGiuseppe Signorini, welches die Kanzel von Araceli
mit Stasiage vorführt, im Kolorit durchaus verfehlt das
Koloffeum und der Konstantinsbogen von Agnes Joris.
Unter den architektonischeu Oelbileern befinden sich zwei,
die das Jnnere der Markuskirche in Venedig darstellen,
eines von Luigi Querena, bei welchem die trockene AuS-
führung die korrekte Zeichnung erheblich beeinträchtigl,
ein aneeres von Hauschild, welches sich den oben be-
sprochenen Aquarellen des Künstlers würdig anreihl.
Bon Querena verdieut eine Ansicht vom Anticollegio bes
Dogenpalastes rühmenbe Erwähnung. August Lentz ist
durch vier venezianische Motive vertrelen, unter denen
der Canal granbe mit S. Maria della Salute das Bcste
sein niöchle.

Sehr wenig Besriedigenbes bieten verhältnißmäßig
die am zahlreichsten vorhanocnenGcnrebilder, welche bis
zur Ermübung dic verbrauchtesten Molive in meist recht
mittelmäßiger, oft ganz unzulänglicher Weise variiren.
An Odalisken, Ciociarinnen unb Haremsscencn fehlt es
auch diesmal nichl. Dem anliken Privatleben sind eine
pompejanische Weinlese von Carlo Jotli, drei Würfel-
spielerinnen von Cesare Mariani — wohl das Beste
innerhalb dieser Specialität, — ferner eine römische
Qrgie von Giuseppe Sciuti und zwei an einer Gruft
trauernbe Gestalten von Alessandro Pigna cnrnommen.
„Menschliche Weisheit" betitelt sich ein Gemälde bes
Franzosen Pillarb, in dem eine Anzahl nur zu sehr an
nwverne Salontypen gemahnender Gestalten in griechi-
scher Draperie einem Vortragendcn lauschen, zu welchem
dic Sokratesbüsten ben Kopf geliefert zu haben scheinen.
Unter den Einzelfiguren ist ctwa August Pollak's
„Rachel" getaufle Hirlin, sodann bas Kniestück einer
lebensgroßen alten Dame in schwarzem Sammetkostüm
von Frau Samaran aus Montevibeo, „Thekla Wallen-
slein" mit dem Motto „Jch habe genoffen das irdische
Glück" von BirginiaBarlocci Mariani und eine äußerst
koquette jugendliche Frauenfigur im Kostüm des vmpirv
von Gioacchino Pagliei zu nennen, welche ob ihres vir-
tuosen Nealismus das Enizücken vieler Besucher bilbet;
enblich von A. Gores ein lachender Mädchenkopf nnd
ein alter Calabreser im Stile Ribera's. Eine feine
Mädchengestalt hat Bincenzo Dattoli ausgcstellt, nur
will bas Motlo „(Lnumi ckolvi xvnsisri!" zu dem
ziemlich mclancholischen Ausdruck der jugenblichen Leserin
nicht passen. — Unter ben Aquarellen barf ber Gemüse- !
verkäufer unb eine Fruchthänblerin von Guerino Guarda- !
bassi sowie ein Pferderennen vor Nom von O. Brandl j

nicht übergangen werden. Der Letztere führt ferner in
zwei kleinen Oelbildern lebenswahre naive Kindergruppen
vor, in einem britten einen Knaben, der auf einem
Stuhle stehend einen Hund mit einem Stück Brod neckt. —
Eine Jagd Viklor Emanuel's in S. Rossore von An-
drea Marko, in der die wenigen Figuren bei ihrem
kleinen Maßstabe eii^e untergeorbnete Rolle spielen, ist
hauptsächlich durch die stimmungsvolle Behandlung des
Lanbschaftlichen verdienstvoll. — „Die Messe" von dem
Russen Bronikoff, der außerdem noch durch einenBettler
vertreten ist, hat, obwohl in Bezug auf Zeichnung unb
Kolorit nicht vorwurfsfrei, vor vielen Bildern ihrer
Umgebung dcn Vorzug, durch die gule Wiedergabe ber
verschiedenen Gemülhsbewegungen, in welche die heilige
Handlung bie Anwesenden versetzt, den Beschauer zuni
Denken anzuregen. Das Verhör der unglücklichen Bea-
trice Cenci hat Achille Guerra, um einem dringcnben
Bedürfniß abzuhelfen, wieber einmal im Bilde ver-
ewigt; der Ausdruck bes Seelenleibens ist hier nahezu
zur Grimasse geworden und kann höchstcns pathologisches,
in keinem Falle künstlerisches Jnteresse beanspruchen. —
Währcnb die verschiebenen mehr oder weniger schablonen-
mäßigen Straßenvedutcn rnit mehr ober weniger selbst-
ständiger Stafsage, des Spanicrs Jiuliana Fleischer-
laden, Guarbabassi's „ Eingebilbete Kranke" und Anderes
der Art übergangen werden darf, sei schließlich noch eiucr
fein gedachten, mit leiscr Jronie gewürzten Sccue von
Pio Joris Erwähnung gethan, welche „Eine angenehnic
Begegnung" vorführl; dem Urbild eines jovialen Pfaff-
leins, bas mit eincm grüncn Sonnenschirm bewaffnct
ist, wirb auf der Landstraße von eincr schmucken Baucr-
birne die Hanb geküßc; hinter dem Paare befindet sich
einc ältere, auf eincm Esel sitzende Frau, vermuthlich dic
Mutter deS Mädchens, die mit komischer Würde dcn
Chorus bildet. — Auf die übrigen zahlreichen Genre-
bildcr unb Bildchen kann nichl näher eingcgangen wcr-
den; bedauerlich bleibt es, daß man auch bei den beffercn
Probukten dieser die Zcit beherrschenden Gattung fast
keinem einzigen wirklich originellen Gedanken, sondern
leviglich Varialionen unendlich oft behanbelter Stofse
begegnet.

Führen wir noch von den ausgestellten Porträts
dasjenige eines älteren Herrn von Aug. Pollak und ein
wcibliches von Luigi Ricci als die besseren auf, so dürfc»
wir ohne die Selbstanklage, etwas irgendwie Wcrthvolles
ignorirt zu haben, uns dem plastischen Bestande der
Ausstellung zuwenden. Hier wuchert wie gewvhnlich dic
Allegorie, besonders die allcgorische Büsle in üppigsr
Weise; Las Ansprechendste unier den letztcren bildet ein
feines Marmorköpfchcn, „Die Bcscheidenheit", von Än-
tonio Bottinelli in Mailand, von dem auch die Büfte
einer jungen Rvmerin sich wohl sehen lassen darf. Die
Büsteu der vier Jahreszciteu von M. Trcntanove, be-
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