Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 20.1885

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Kunstlitteratur.

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es eine Arbeit ist, sich >n dic Objekte zu vertiesen, und
hier kommt uvch dazu, daß dic Darstellung ost rccht
ungenügcnd ist, selbst wcnn man von einem Bergleich
mit den Leistungen der Neuzeit in diesem Gebiete ganz
absicht. Die mcisteu Blätter sind nur iu Kontur aus-
gezogen, einzelne Fasiaden mit einem blasien Ton
überlegt; nur wenige vollständig — aber auch diese
nicht vorteilhast — aquarellirt. Am reizvollsten wirken
die erwähnten Bleistiftskizzen von Sempers Hand aus
Tonpapicr.

Anch die äußcre Ausstattung der Zeichnungen
ist eines Mnscums nicht ganz würdig, die Reihenfolge,
wie erwähnt, willkürlich und sogar Zusammengehörendes
auseinauder gehängt. Ein Teil der Zeichnungen ent-
behrt jede Ausschrift und die Zcit der Entstehung ist
nur bei wenigen der llnterschrift Sempers beigesügt.
Kurz, das ganze Arrangement macht den Eindruck,
daß es an Mitteln gebricht, um einen ordnenden Kustos
mit einem kleinen Dispositionsfonds zu bestellen.

Das Komits, aus ehemaligen Schülern Sempers
zusammengesetzt, das sich dieser Sache angenommen,
hat unzweifelhast, um das Museum nur anf den
gegenwärtigen Stand zu bringen, viele Mühe und Zeit
geopfert, wosür die Freunde »nd Schiiler Sempers ihnen
gewiß volle Anerkennung und Dank zollen, — aber
es kann ja nicht die Aufgabe eines Komits's sein, mit
den kleineren, mühevollen Ordnungsangelegenheiten, die
bis auf Buchbinderarbeiten hinauslaufen, sich zu be-
schäftigen; dazu braucht man eigene, bezahlte An-
gestellte.

Es soll nunmehr, nachdem der unbefriedigende
Eindruck der Ausstellnng vielseitig bemcrkt ward, die
Absicht bestehen, das Museum der Bauschule des Poly-
techniknms einzuverleiben, wo es sowohl den leiten-
den Komitöniitgliedern als anch den Schlllern der
Bauschule beständig vor Augeu gebracht wäre. Wenn
es wirklich mvglich gemacht werden kann, daß aus-
schließlich zu diesem Zweckc ein oder mehrere Säle zur
Verfüguug gestellt werden, wo die Projekte nicht nur
so wie jetzt vereinigt und aufgehängt, sondern auch
noch eine größere Anzahl von Studieu u. s. f. auf-
gelegt werden könuen, um dem Auge eine größere Fülle
des Materials zu bieten, so könnte eine solche Ber-
änderung natürlich nur mit Freuden begrüßt werden,
da das Polytechnikum, die Stätte der Thätigkeit
Sempers, an sich schon der richtigste Ort sür eine solche
Sammlung ist; nur sollte sie ja nicht geteilt werden,
nicht etwa teilweise in den Zeichensälen aufgehängt,
teilweise in Mappen und Schubfächern deponirt werden.
Natürlich Wäre das beste und nächstliegende Mittel zur
Hebung des Museums seine Vervollständigung. Es
fehlen noch mehrere der Entwürfe aus srüherer und
späterer Zeit, wie aus der Züricher Periode, von

kenen wahrscheinlich vcrschiedenes j» dcn Händen der
Söhne sich besindet. Die Direktion des Biuseums hat
sich wiederholt zu diesem Zwccke an Herru Manfred
Semper gewendet, »nd von diesem dic bereitwilligsten
— Bersprechungen zur Kompletiriing des Mnsenms
erhalten; vorläusig steht jedoch die Erfültung der Ver-
heißungen noch immcr aus. Es ist dies nm so uner-
klärlicher, als die Herren Söhne mit dem in ihrcn
Händcn befindlichen diachlaß auch nur ein Bruchstück
besitzen, so daß sie sür die, wie es scheint, noch imnier
schwebende Publikationssrage sich doch mit dem Mnseuni
in Verbindung setzen müsien. Für dcn Fall einer vor-
läusigen Sistirung jener Frage würden aber durch
Überlasiung der Projektc an das Mnseum diesclben
doch wenigstens der ösfentlichen Besichtignng zngäng-
lich gemacht. Es ist wohl anzunehmen, daß nach einiger
Zeit dieser merkwürdige Zustand eine allgemein be-
friedigende Lösung in der Überlasiung sämtlicher
Arbeitcn Sempers an das Museum findet, — doch uin
so eher ist eine vorausgehende gründlichc Organisation,
entsprechcnde Ausstattiiiig und ausreichende Dotatiou
dcs Institutes notwendig, wozu die Stadt Zürich ge-
wiß uni so eher nvch in erhöhtem Maße als bisher
beizntragen sich herbeilasien wird, als in dcren obcrster
Behörde ehemalige Schüler Sempers maßgebende Worte
zu reden haben.

Aunstlitteratur.

1°. >Ie, I.a cöramiiiue italisnne. 8iFlo» ot mono-
Arnmme8. Kr. 8". karis, Oiäot.

Der Verfasser stellt nach den Fabrikstätten ge-
ordnet eine große Anzahl von Marken italienischer Majoliken
zusammen, darunter eine Menge bisher nicht publizirter.
Auf Vollständigkeit kommt es ihm dabei nicht an, leider
läßt sich auch nicht immer kontrolliren, mit welchem Recht
die betressende Marke einer bestimmten Fabrik zugeteilt wird.

^ Der Versasier unterscheidet: mouoAi-ammes, d. h. Künstler-
marken, und siAlss, Fabrikmarken. Diess Worte stehen auch
auf dem llmschlag: aus dem geschmacklosen lithographirten
i Titelblatt dagegen findet man: Anrgues et mono§rnmmes.
Ter Verfasser glaubt ferner auS dem Schristcharakter der
Znschriften auf der Rückseite der Majoliken auf die Werkstatr
schließen zu könnsn: das dürfte ihin schwer werden! Gewisse
Fabriken haben ja ihre bestimmten Schristformen, z. B. eine
Gruppe von Pesaro ist stets mit ÜI8WKI (in Kapitälchen)
bezeichnet: die Kursivschrift auf den Majoliken trägt aber
durchaus den Schristcharakter der Zeit, aus welchem feine
Unterschiede heraus oder vielmehr hinein zu finden einfach
Spielerei ist. Sehr beachtenswert sind dagegen die Be-
! merkungen über den direkten Einfluß des Orients auf die
^ Entwickelung der italienischen Faiencen in srüherer Zeit. Es
sind ganz ohne Zweifel in den srühen Majoliken orientalische
Elemente bemerkbar, die sich nicht aus dem maurischen
Spanien herleiten lasien; de Möly erinnert an die lebhaften
Beziehungen zwischen Genua und Pisa mit dem Orient: auch
ohne daß man gleich orientalische gefangene Töpfer in Jta-
lien zu supponiren braucht, ist das ein Wink, den weiter zu
verfolgen sich wohl lohnen dürste. Auch sonst sind in dein
Buche allerlei interessante Notizen verstreut: es bildet in Be-
zug auf Angaben über die kleineren italienischen Samm-
lungen sine erwünschte Ergänzung zu Moliniers Arbeit, mit
der es sich jedoch an Bedeutung nicht entfernt messen kann.
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