Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 20.1885

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20. Iahrganq.

No. 25.

l 88-1,85.

Aunstchronik

U

2. April.

IDochenschrift sür Aunjt rnrd Aunjtgewerbe.

Ankündigungsblatt des verbandes der deutschen Runstgewerbevereine.

Herausgeber:

Carl v. tützow und Arthur j^obst

wicn Berlin >v.

The»s.anumg°ss° -5. ^ . «urfurstenstraße Z.

Lrpedition:

k-ipzig: L. A. Seemann, Gartenstr. «. Brrlin: w. 0. Aiil'I, Iäaerstr. 7:

- — ^ ..sl^I^^Mmch^nd Sep.on'ber „ur aUe Ist Tage und kaste, ,n verbmdung

v>e Nunstchranik erscheint von Dk.ober bis Lnde Zluni wochcntl.ch, m> 0 . ^bispa.tigc petitzeile, nehn.en außer dcr r>erlagsl,andlung

»>it dem Runstgewerbeblatt halbjäbrlich « Mark. — Inseratc, a o . Bcrlin, Münche» u. s. w. entgege».

die Annoncenerpedistonen -°n tzaasenüe^L vogler m ce.PZ.g, w .

Inbal

>. Anoller; „Zlrleil de- paris" im prunksaale des palastes Taris zu ,1»nsbruik. - vle Konkurrenz u„, das IIeich-aeru1..-ar>'äude I»
keipzig. II. - Zius den, Duirinal. - vorlagen für dekoratlue Malerei und Uildhauerel. - wer war dcr kehrer des Malers Lyriacus
Noder? - Der anacbliche keonardo da vincl in, Berliner Museum. - k. Graf n. Aalekreuth. - Die Gesellschaft der Pastelln.aler in
paris. - Die Lraffnung der Iabresausstellung in, wiener Aünstlerhause. - Frequenz der Münchener -lkademie der Aünste, Aciterstatne
Aarls d. Sr. in der Aathedrale zu Meg. Das Aathaus zn posen i r>Ie Aunstgießerei uon -stelli in Ron.i pariscr weltausstellung. -

Neuigkeiten des Buch- und Kunstkandels. — Inserate.

Ernst der Aufsassuiig, die iiuverwüstliche Arbeitskrcist
hnttc ihm guädlg die Muse gcschcukt.

Gemeiiiiglich ist Knoller nur als Kirchenmaler
bekanut, und insonderheit der Tiroler denkt sogleich an
die grvßen und zahlreichen Dcckeugemälde dcr Kloster-
kirchen ovn Volders bci Hall und von Grics bci
Bvzen. Allein Knoller hat auck, zahlreichc Paläste mit
Deckcngemälden aus der antikcn Mythvlogie geschmückt,
namentlich zu Mailaud ') dic landesfürstliche Residmz,
vie Paläste und Familicnhäuser Belgiojoso, Greppi,
Bosii, Mcnafoglia und den damals vom Statthalter
Grascu Firmian bcwohntcn Palast, daun in Bozcn dcn
Edelsitz Gerstburg sllr dcn Kaufherrn Anton Edlcn
von Mcuz, desscn Enkel, Graf Ludwig von Sarnthciu,
gegcnwärtig ihn besitzt. Dort malte cr Aurora als
cin junges, schönes, blondcs, üppiges Wcib, ihr voran
deu Mvrgenstcrn, neben ihr Genicn, welchc Tau aus-
gicßcn. Den gleichcn Gcgcnstand hat cr mit Ändc-
rnngeu schon srüher in Mailand in der Rcsidcuz und
bci Firmian behandclt, am kvstlichstcn in der Nesidcnz
für das im Winter bcnlltzte Schlafgemach, wo Aurora
in ihrem Lause von Amvr aufgefangen wird, ein
Seilenstück znr Geschichte von Zcus uud Alkmene iu
Lucians zchntem Göttcrgcspräche und zn dcn Tag-

liedern dcr Minnesängcr.

Für de» Prunksaal des Palastes Taxis, den Kuollcr

Anollers „Urteil dcs jDaris" im j?runksaale des
j)alastes Taris zu Innsbruck.

Der „Botc sür Tirol und Vorarlbcrg" vom
20. Februar (Nr. 41) d. I. enthält den nachsvlgenden
dlrtikel aus kompetenter Fedcr, welchen wir volliuhalt-
lich in die „Kunstchronik" ausnchmcn, um dadurch
möglicherweise dazu beizutragcn, daß die einem dcr
bedeutendsten Wcrke Knollers drohendc Gesahr noch
rechtzeitig abgcwcndct werde:

,,An dcn Namcn Taxis knllpft sich in Tirol und
»>eithin im einstigen deutschen Reiche nnzertrcnnlich
dcr Gedanke an eincn der größten Fortschritte der
Neuzeit, die Post. Das edle Geschlecht der Taxis
sührte sie in Tirol cin; noch hente heißt das jeweiligc
Haupt der tirolischen Linie, gegenwärtig Ferdinand
Graf von Thurn-Valsassina nnd Taxis, Erblandpost-
»icister von Tirol, noch heute birgt der schönc Palast
Daxis in JnnSbruck die nun kaiscrliche Post.

Jm Jahre 1786 war desien Eigentümer der kaiser-
liche gehcime Rat Joseph Sebastian von Thurn und
Taxis, ein Freund und Gönner der schönen Künste.
Jhm verdankt Jnnsbruck das monumenlale Decken-
gcmälde von Knoller im Prunksaale seines Palastes.

Martin Knoller, der größte Historicnmaler Tirols,
tvar in Wicn cin Schlllcr Trogers, in Nom cin Schülcr
Mengsens gcwesen; von jcneni hatte cr die seste Grund-
lage dcs richtigcn Zeichnens, von dicscni die Feinheit
»nd Anniut dcr Linien gelernt. Den Sinn sllr Farbc,
die Leichtigkeit in der Ersindung der Gruppcn, den

I) Martin Knollcr. Von Heinrich von Glausen, der
Philosophie Doctor und Kustos des Ferdinandeums. Jn dcr
crsten Neihe dcr Zeitschrift dcs Ferdinandeums. VI (I8Sl),
^ 209—268. Diese Stelle S. 228, 229.
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